Faith In Agony – Insight

24.10.2025 - Alternative Rock - Faith In Agony - 54:38 Minuten

Faith In Agony kommen aus Grenoble in Frankreich. Gegründet wurde die Band 2016 um die charismatische Sängerin Marianne Dien (ehemals bei der Power-Metal-Band Nightmare) sowie ihre Mitmusiker Guillaume „Grey“ Poupon (Gitarre), Éva Riché (Bass) und Quentin Riché (Schlagzeug). Nach zwei EPs und dem Debütalbum Drowned & Exalted haben sie sich eine Mischung aus Alternative Rock, Grunge- und Post-Grunge-Elementen erarbeitet, angereichert mit einer kräftigen Portion Heavy Rock und leichtem Nu-Metal-Touch. Mit diesem zweiten Album Insight zeigen sie eine deutliche Reifung. Hervor stechen dichter Sound, tiefere Emotionen und eine deutlich gefestigte Bandidentität.

Mit Insight fahren Faith In Agony einen klaren Kurs: kompromisslos, intensiv und zugleich eingängig. Der Mix aus alternativen Rock- und Metal-Einflüssen, gepaart mit Grunge-Ästhetik und subtilen Nu-Metal-Beats, ergibt eine düstere, aber unmittelbar fesselnde Klanglandschaft. Die Produktion im Studio Artmusic von Sébastien Camhi in den Bergen zwischen St. Tropez und Cannes verleiht dem Album einen rohen, erdigen Sound. Es ist dicht und schmutzig genug für Stimmung, aber sauber genug für klare Melodien.

Was sofort ins Ohr sticht, ist die außergewöhnliche Gesangsleistung von Marianne Dien. Ihre Stimme pendelt mühelos zwischen sanfter Verletzlichkeit und expressiver Wucht. Sie ist extrem wandelbar. Mal ist sie sanft und melancholisch, dann wieder kraftvoll und kompromisslos. Dadurch bekommt jeder Song eine eigene Persönlichkeit.

Bandfoto 2025; Quelle: Faith In Agony

Musikalisch bewegt sich Insight in einem Spannungsfeld aus Groove, Melancholie und Energie. Die Gitarren sind häufig fuzzig, die Rhythmussektion drückt mit Bass und Schlagzeug schwer, aber auch songorientierte Strukturen mit eingängigen Hooks und klaren Melodien fehlen nicht. So entstehen Tracks, die zugleich roh und zugänglich, aber düster und emotional zugleich sind.

Das Album glänzt außerdem durch seine Vielseitigkeit. Es gibt harte, drückende Stücke, melancholischere Songs (Bipolar) und sogar instrumentale bzw. atmosphärische Passagen (Electric Waves I & II), die dem Hörer Raum zum Atmen und Reflektieren geben. Die Band nutzt diese Dynamik effektiv. Intensität und Ruhe wechseln sich ab, ohne Brüche entstehen zu lassen. Manchmal wirkt jedoch der Stil-Mix etwas unentschlossen. Der Wechsel zwischen Groove-Rock, Alternative und nostalgischem Grunge verwässert die Identität des Albums. Einer der eindrucksvollsten Songs des Albums ist Nasty Mary. Hier zeigt die Band ihre Dynamik am besten. In diesem Track stimmt der Wechsel zwischen rohem Rock-Sound, Blues- und Grunge-Einfluss und intensiver, wandelbarer Gesangsperformance. Einige Songs wirken weniger abgestimmt als andere. Dennoch ist, wie schon gesagt, gerade die Vielschichtigkeit eine Stärke des Albums. Insight lädt zum mehrfachen Hören ein und offenbart bei jedem Durchgang neue Nuancen.

Das Album ist digital im Download und im Stream erhältlich. Eine physikalische Ausgabe kommt als CD im Digipack mit zwei Bonustracks daher, die in der digitalen Version nicht erhältlich sind. Erstaunlich, dass die Band keinen Verlag hat. Das Album ist im Self-Publishing erschienen und fällt mit 58 Minuten ungewöhnlich lang aus.

Hier geht es für weitere Informationen zu Faith In AgonyInsight in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Faith In Agony – Insight
Fazit zu Insight
Insgesamt ist Insight ein sehr gelungenes, mutiges Album: dicht produziert, emotional aufgeladen und dennoch voller Melodie. Für Fans von Alternative Rock, Grunge und modernem Metal eine lohnende Entdeckung – und für alle, die intensiv, echt und ohne überflüssigen Schnickschnack hören wollen.

Anspieltipps: These Lines, Bipolar und Nasty Mary
Norbert C.
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