Neben dem sogenannten „kleinen HSV“, den Scorpions, Hate Squad und dem Ernst-August-Denkmal hat Hannover nicht viel zu bieten. Könnte man meinen, wenn da nicht die beiden Death-Metal-Combos Grand Devourer und Zombie Riot wären. Beide stammen eben aus Hannover, beide wurden im Jahre 2014 gegründet und beide haben einen Mitarbeiter des Time-For-Metal-Magazins in ihren Reihen. Da bietet sich ja eine Zusammenarbeit förmlich an, und wenn sich dann noch Neckbreaker Martin einschaltet, dann muss da ja was bei herauskommen. Das Ergebnis kann man auf der Nighthaunter-Split hören.
Los geht es mit Grand Devourer und dem Song Dropsite Massacre. Hm, das geht ordentlich ins Ohr. Oldschooliger Death Metal, der geschickt moderne Einflüsse mit einfließen lässt, aber nie die Oberhand gewinnen lässt. Der Sound ist auf alt getrimmt. Im aggressiven Midtempo treibt man sein Unwesen und liefert recht geile Riffs ab und verschleppt hier und da das Tempo, bleibt aber immer irgendwie treibend. Die Vocals sind dreckig und tief. Passend zum Gesamtsound der Band, der schön modrig und erdverbunden aus den Boxen kommt. Freunde, die sich gerne mit Ernst Mosh und Brad Pit beschäftigen, eine schöne Sache. Live kann ich mir da einen guten Moshpit vorstellen, aber auch ansonsten hat der Song genug Energie und Power und ist, wie gesagt, immer treibend.
Weiter geht es mit …Out There und da geht es ab in die amerikanische Vergangenheit, als eine Death-Metal-Band dem tierischen Detektiv Ace Ventura ein Ständchen gehalten hat. Schönes Geknatter zu Beginn im besten Cannibal-Corpse-Stil, dann Midtempo, gefolgt von verschleppten Momenten, um dann wieder Fahrt aufzunehmen. Ja, das gefällt mir. Schön zügig knattert man sich durch das Gebälk und spielt geschickt mit dem Tempo. Sehr variantenreich, vor allem in Bezug auf die Spielweise. Ein feines und düsteres Solo darf auch nicht fehlen und macht Laune. Hier werden Sprachnachrichten verwendet und man wird dann ein wenig modern mit einer thrillernden Gitarre, um am Ende noch einmal den Knüppel aus dem Sack zu holen.
Death Metal ist nun einmal Death Metal und macht absolut Laune. Zumindest empfinde ich es so. Ich bin zwar ein Freund des Geballers, aber bei diesen Jungs aus Hannover finde ich besonders stark, wenn sie den groovigen Anteil hochschrauben, so wie bei Nighthaunter. Interessant, denn der Song stammt eigentlich aus der Feder der Band Zombie Riot.
Am Ende gibt es dann noch den Song Wrath Incarnate und hier zeigt man sich wesentlich schwedischer, melodischer und verspielter. Schönes Ding. Gefällt mir tatsächlich noch fast mit am besten. Schöne Gitarrenarbeit und auch die screamigen Vocals sind richtig fett. Der gechillte und akustische Part nimmt einen auch von der ersten Sekunde an mit. Schade, dass man diesen nicht als längeren Mittelpart verwendet hat.
Diese vier Songs sind eine logische Fortsetzung des Werks Traversing The Void und drücken gut in der Magengrube, auch wenn mich nicht alles überzeugt hat.
Dann folgen Zombie Riot. Mit voller Energie und einer kräftigen Uftata legt man sich beim Song Remote Brain Surgery sofort ins Zeug. Nach dem rasanten Beginn verschleppt man schön das Tempo. Jo, das ist Death Metal, wie man ihn mag. Kein Ballast, aber natürlich auch kein Stück innovativ. Wer will das auch schon? Ich nicht. Nach dem feinen Geschleppe spielt die Gitarre vor und die Drums und Matze setzen im Part ein und dieses wiederholt sich. Zwischendurch und danach wird es recht thrashig. Ja, das macht Laune, und auch hier kann man sich ein wenig vor der Bühne bewegen. Das hat noch niemandem geschadet. Langsam und groovig geht die Reise aus der niedersächsischen Hauptstadt dann weiter und es wird noch einmal wild und schnell. Und so geht es hin und her, bis man dann einen schon fast hypnotischen Part einbaut, der aber nur kurz das Dunkle verlässt, um die Helligkeit der Geschwindigkeit und dem anschließenden Groove zu überlassen. Wer genau hinhört, kann am Ende auch Remote Brain Surgery mitschreien.
Drückend und schleppend geht es dann mit Empathy Of A Torture weiter. Schönes, oldschooliges Riffing mit entsprechendem Drumming kommt einem entgegengeflogen. So soll es sein. Ich mag dieses Drumming, welches auf dieser EP von Zombie Riot geboten wird. Der Song wird dann von einem etwas vertrackten Gitarrenpart fortgeführt, aber entwickelt sich weiter zu einer schönen Nummer. Diese Kombination aus dem groovigen Teil und dieser dunklen Melodie schockt, aber irgendwie ist der Spaß dann auf einmal zu Ende.
Fast doomig und sehr atmosphärisch geht es zu Beginn von Omnicide zur Sache. Fetter Anfang. Man steigert sich mit dem Tempo und baut den Song somit geschickt und gekonnt auf. Das Riffing ist hier sehr erwähnenswert, auch wenn man dann ein wenig hektisch klingt. Aber der Song fetzt ohne Ende und nimmt mich absolut mit. Ich mag es, wenn Vorspieler vorhanden sind und man nicht weiß, wie es weitergeht. Und am Ende dann dieser herrliche, melodische und schon fast emotionale Part. Lecker.
Tja, und wer A sagt, muss auch B sagen, bzw. wer sich Zombie Riot nennt, muss natürlich auch Zombie Ritual von Death covern. Kein großes Cover, sondern eher eine Hommage an die wohl wahrscheinlich wichtigste Band der Welt!
Schönes Lebenszeichen der Band, welche für mich ein wenig das bessere Material zur Verfügung stellt, aber das ist ja auch Geschmackssache.
Hier geht es für weitere Informationen zu Grand Devourer / Zombie – Nighthaunter in unserem Time For Metal Release-Kalender.



