Impericon Festival 2017 am 22.04.2017 in der Turbinenhalle, Oberhausen

„Die Turbinenhalle wird zum Hochsicherheitstrakt“

Festivalname: Impericon Festival 2017

Bands (alphabetisch): Alazka, Anti-Flag, Astroid Boys, Henriette B, Being As An Ocean, Breakdown Of Sanity, Caliban, Carnifex, Casey, Emil Bulls, H20, Ignite, Miss May I, Rogers, Swiss + Die Andern, Thy Art Is Murder, To The Rats And Wolves, Wolf Down

Ort:
Turbinenhalle, Oberhausen

Datum: 22.04.2017

Kosten: 55,90€ VK, 65,00€ AK

Genres: Metalcore, Hardcore, Punkrock, Post Hardcore, Melodic Hardcore, HipHop

Besucher: ca. 3000 Besucher

Veranstalter: IC Music & Apparel GmbH

Link: https://www.facebook.com/events/269882116730581/


Da ich es von größeren Veranstaltungen in der Turbinenhalle eigentlich gewohnt bin, dass es sich sehr schwierig gestaltet, bis zum Parkplatz vorzudringen, parke ich heute mal am Hauptbahnhof und fahre die letzten zwei Haltestellen mit der Bahn. Das tun neben mir auch viele andere Fans, so dass die Bahn gut gefüllt ist. Nach dem kurzen Weg von der Haltestelle komme ich an der Turbinenhalle an und bin doch überrascht, wie wenig Fans erst eingetroffen sind. Aber das Wetter spielt mit, und so kann man sich die Wartezeit gut vertreiben. Leider gibt es keinen separaten Presseeingang, was ich allerdings erst sehr spät und nach vielem Umherirren auf dem Gelände feststelle. Also doch einreihen in die mittlerweile länger gewordene Schlange am Einlass. Der startet zum einen leider nicht pünktlich, sondern knapp eine viertel Stunde später, und erfolgt dann auch nur grüppchenweise. Die Turbinenhalle ist heute Hochsicherheitstrakt, an jedem Ein-, Aus-, Durch- und Zwischengang steht mindestens ein Security-Mitarbeiter, und auch die Kontrollen am Einlass sind sehr streng. Hinter mir werden einige Wartende schon unruhig, weil sie befürchten, durch diese ganzen Verzögerungen nicht rechtzeitig zu To The Rats And Wolves zu kommen, bei mir reicht es aber „nur“ nicht für die erste Band des Tages.

Definitiv eine der A…karten des heutigen Tages hat der Next Generation Winner, die Band Henriette B aus der Schweiz, gezogen, die als erste Band des Festivals um 14:00 Uhr auf die Monster Stage muss. Selbst, wenn der Einlass pünktlich um 13:30 Uhr gestartet wäre, was nicht passiert ist, wäre es äußerst knapp geworden. So komme ich leider erst nach der Hälfte des Sets in die Halle, wo ich auf eine sehr überschaubare Menge an Zuschauern treffe. Die Jungs lassen sich aber nichts anmerken und ziehen ihr Set mit vollem Einsatz und Leidenschaft durch. Dabei verkündet Sänger Alex auch gern, wie stolz man sei, den Contest gewonnen zu haben und jetzt hier in Oberhausen beim Impericon Festival dabei sein zu dürfen. Der Name Henriette B ist ja doch kein gewöhnlicher, bei der Musik machen die Jungs aber keinen Kompromiss, feinen Metalcore gibt es hier auf die Ohren. Leider kann ich mir den Auftritt nicht lange gönnen, denn in der anderen Halle startet gleich die Show von To The Rats And Wolves, auf die ich sehr gespannt bin.

Henriette B @ Impericon Festival 2017 04 22

Die aus Essen stammenden To The Rats And Wolves dürfen heute als erste Band auf die Marshall Stage. Mittlerweile haben es auch schon deutlich mehr Besucher in die Halle geschafft, so dass es doch relativ gut gefüllt ist. Jetzt ist Party angesagt, und nicht nur die beiden Sänger Dixi und Nico gehen in die Vollen. Während Dixi sich aber doch vergleichsweise zurückhält, ist Nico nur unterwegs, rennt von einem Bühnenende zum anderen, steigt auf die großen Boxen vor der Bühne und klettert sogar am seitlichen Gerüst einige Meter in die Höhe, um dann von dort oben aus weiterzumachen. Zwei Alben hat man bislang veröffentlicht, und die Songs von Neverland aus 2015 und Dethroned aus 2016 können auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt für gute Stimmung und auch eine der vielen Walls Of Death sorgen. Dass Nico dann auch noch crowdsurfend unterwegs ist, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt… 😀

To The Rats And Wolves @ Impericon Festival 2017 04 22

Bei den Astroid Boys beweist sich heute, dass die Besucher des Impericon Festival sehr tolerant sind. Die  Punk- bzw. Punk Rock-Bands, die heute noch auf ihre Auftritte warten, sind ja nicht so weit weg von Rock bzw. Metal, aber was eine reinrassige HipHop-Band hier soll, erschliesst sich mir nicht ganz. Auch die Reaktion der anwesenden Besucher hält sich eher im Rahmen, und wirkliche Begeisterung kommt definitiv nicht auf.

Die Band Casey aus South Wales hat auf ihrer Facebook-Seite Alternative als Genre angegeben. Ich würde es eher als Post Hardcore bezeichnen, was die sehr sympathischen Jungs da präsentieren. Wie ein kleiner eingeschüchterter Schuljunge steht ihr Sänger am Mikrofon, und scheint sich fast entschuldigen zu wollen, als er leise ins Mikrofon spricht und erzählt, dass er wohl wisse, dass man heute nicht jedermanns Geschmack trifft, aber dennoch stolz darauf sei, hier spielen zu dürfen. Auch die anderen Bandmitglieder scheinen sich am liebsten verkriechen zu wollen, aber bei den überwiegend sehr ruhig und fast schon melancholisch gehaltenen Songs, die mit sehr emotionalen, fast schon wütenden Ausbrüchen aufwarten können, läuft bei mir beim Fotografieren ein Gänsehautschauer nach dem anderen über den Balg. Meiner Meinung nach heute vollkommen unterbewertet, diese Band.

Casey @ Impericon Festival 2017 04 22

Auch Miss May I sind mit ihrem absoluten Kontrastprogramm zu Casey heute schon relativ früh am Start und haben nur eine Spielzeit von 35 Minuten. Darum machen Fronter Levi und seine Jungs auch gar nicht viele Worte sondern gehen gleich in die Vollen. Natürlich darf die neue Single Lost In The Grey vom anstehenden Album genau so wenig fehlen, wie der – für mich nach wie vor – Überkracher Hey Mister. Sehr schnell entledigt sich Levi seiner Jacke und lässt mich wieder einmal überlegen, wie man einem dermaßen schmächtigen Körper so wuchtige und grandiose Shouts entlocken kann. Auch Ryan, der ja neben dem Bass auch für die Clean Vocals zuständig ist, ist heute – nicht nur – gesangstechnisch in bestechender Form. Abgerundet wird das dann noch durch die ebenfalls tolle Leistung von B.J., Justin und Jerod, und Miss May I dürften mit diesem Auftritt heute doch einige Fans neu dazugewonnen haben.

Miss May I @ Impericon Festival 2017 04 22

Trotz der sehr aussagekräftigen Songtexte, mit denen Wolf Down aus dem Ruhrpott klar und deutlich Position zu verschiedensten Themen beziehen, will man natürlich auch Spaß haben. Und den haben jetzt während der nächsten 35 Minuten sowohl die Band als auch die Fans. Immer wieder gibt es ganz klare Ansagen von Fronter Dave, der ja „erst“ seit Januar 2015 dabei ist und Larissa abgelöst hatte. Dabei wird auch der vegane Lebensstil aller Bandmitglieder hervorgehoben. Tiere seien nicht etwas, das man so einfach töten könne, um es dann zu essen oder sich mit deren Produkten zu kleiden, so die Ansage von Dave zu einem der Songs, der ganz besonders wichtig für Wolf Down sei, dessen Titel ich hier aber leider nicht liefern kann. Die Fans singen auch diesen Song voller Inbrunst mit, während sie sich fröhlich im Pit verausgaben und für viel Bewegung vor der Bühne sorgen.

Swiss + Die Andern @ Impericon Festival 2017 04 22

Carnifex aus Amerika schrauben jetzt den Härtegrad mit ihrem Deathcore mal ganz schnell in den roten Bereich. Hier stimmt einfach alles, und Fronter Scott weiss sehr genau, wie er die freien Stellen zwischen den drei Männern der Saitenfraktion bestens ausnutzt und damit das Publikum in seinen Bann zieht. Natürlich sind die beiden letzten Alben Die Without Hope und Slow Death mit den beiden Titeltracks und auch Drown Me In Blood vertreten. Aber mit Hell Chose Me geht es zurück bis ins Jahr 2010 und mit Lie To My Face sogar noch weiter zurück in die Vergangenheit, nämlich ins Jahr 2007. Die 40 Minuten Spielzeit, die auch lichttechnisch mal wieder bestens in Szene gesetzt werden, vergehen jedenfalls wie im Flug, und meinetwegen hätten die Männer auch gern noch was länger spielen dürfen. Aber der Zeitplan, der bislang noch fast auf die Minute genau steht, muss natürlich auch weiterhin eingehalten werden.

Carnifex @ Impericon Festival 2017 04 22

Wie ich heute in einigen Gesprächen immer wieder höre, wissen es trotz breit gestreuter Informationen immer noch nicht alle, dass die Band Burning Down Alaska jetzt Alazka heißt. Also nicht nur ein kürzerer Name, sondern jetzt auch ein „z“ anstelle des „s“. Begründet wurde diese Namensänderung damit, dass sich seit den Zeiten der Bandgründung so viel geändert habe – unter anderem stieß ja im vergangenen Jahr Kassim als zweiter Sänger zur Band – dass man nicht mehr sehr viele Gemeinsamkeiten mit der Band von damals sehe. Geändert hat sich aber natürlich nur der Bandname, an der Musik wird nicht herumoperiert, und es gibt weiterhin melodischen Hardcore bzw. Metalcore auf die Ohren. Mit der schon veröffentlichten EP Values & Virtues kann man die vierzigminütige Stagetime gut füllen und auch beweisen, dass man mit zwei Sängern richtig gut aufgestellt ist und Kassim bestens in die Band passt.

Alazka @ Impericon Festival 2017 04 22

Genau wie Henriette B kommen auch Breakdown Of Sanity aus der Schweiz, und auch die Musikrichtung ist im Grunde gleich, es gibt allerfeinsten Metalcore auf die Ohren. Bei Breakdown Of Sanity ist der erste Teil des Bandnamens allerdings Programm, denn hier jagt ein Breakdown den nächsten, teilweise fängt der Hallenboden an zu vibrieren. Konnten mich die fünf Jungs auf dem Vainstream 2015 nicht wirklich überzeugen, liefern sie hier eine tolle Show und schöpfen mit Songs wie Bulletproof, The Gift oder New World aus dem Vollen. Für einen Song, nämlich Crossed Fingers, kommt dann tatsächlich auch noch ein Gastsänger auf die Bühne, ob es Björn war, kann ich von meiner Position aus nicht erkennen. Er verschwindet dann auch genauso schnell wieder, wie er aufgetaucht ist.

Breakdown Of Sanity @ Impericon Festival 2017 04 22

Die erste Punkrock-Band des heutigen Tages ist Rogers aus Düsseldorf. Während eine wesentlich bekanntere Düsseldorfer Band mittlerweile im Mainstream-Radio rauf und runter läuft, gibt es von den sympathischen Jungs, die jetzt auf der Bühne stehen, genau das, was die Fans hören wollen, nämlich Punkrock ohne Firlefanz und auf den Punkt gebracht. Da ich es mit Punkrock normalerweise nicht so habe, kannte ich Rogers bislang überhaupt nicht, aber der Spaß, den die Jungs da von der ersten Sekunde an verbreiten, überträgt sich sofort auf alle Anwesenden und sorgt auch für mächtig viel Bewegung im Publikum. Nicht fehlen darf hier natürlich auch ein ganz klares politisches Statement gegen alles, was sich rechts der Mitte befindet und insbesondere gegen die AfD. Das aber nur am Rande, weiter geht die energiegeladene Show auf der Bühne, und die Jungs zocken sich problemlos durch ihr Set. Der Beifall ist dementsprechend mehr als wohlwollend.

Rogers @ Impericon Festival 2017 04 22

Die Band Thy Art Is Murder aus Australien hat sich wohl spätestens seit ihrer 2012er Europatournee, der ersten in ihrer Karriere, vom Geheimtipp zu einer mächtig angesagten Extreme Metal-Band gemausert, die schon mit Bands wie Parkway Drive und Fit For An Autopsy die Bühnen geteilt hat. Der zurückgekehrte Fronter CJ hat die Zuschauer sofort um den kleinen Finger gewickelt und wird auch von der Lichtshow bestens in Szene gesetzt. Natürlich dürfen Holy War, Light Bearer oder Absolute Genocide vom 2015er Album Holy War genauso wenig fehlen, wie Reign Of Darkness oder The Purest Strain Of Hate vom 2012er Album Hate. Zur vollkommenen Überraschung der zahlreich vertretenen Männer von der Security lässt es sich CJ auch nicht nehmen, einen formvollendeten Stagedive hinzulegen. Ob es bei dem einen bleibt, kann ich leider nicht sagen, die Spielzeiten der Bands in den zwei Hallen überschneiden sich halt, und ich muss zurück zur Marshall Stage.

Thy Art Is Murder @ Impericon Festival 2017 04 22

Der Bandname Swiss + Die Andern sagt mir zugegebenermaßen überhaupt nichts, aber eine stattliche Anzahl an Besuchern ist da besser informiert und freut sich schon auf die Show. Seit 2014 gibt es die Hamburger Band, und insbesondere die Liste der bereits veröffentlichen Videos ist doch stattlich. Bevor aber der erste Song gespielt wird, gibt es auch hier ein ganz klares politisches Statement und eine Aufforderung an uns alle, Politikern wie Frauke Petry (AfD) den ausgestreckten Mittelfinger zu zeigen. Das wird dann auch mit einem Bandfoto von der Bühne herunter fotografisch festgehalten, bevor sich dann die Fans während des vierzigminütigen Sets als ausgesprochen textsicher und tanzfreudig zeigen dürfen. Schnell entledigen sich mehrere Bandmitglieder ihrer Shirts und performen mit freiem Oberkörper, was sicherlich das ein oder andere Frauenherz höher schlagen lassen dürfte. 😀

Swiss + Die Andern @ Impericon Festival 2017 04 22

Dass es die Münchner Band Emil Bulls schon seit über 20 (in Worten: zwanzig!!!) Jahren gibt, sieht man ihnen nicht an, als sie locker und gut gelaunt auf die Bühne kommen. Und trotz aller Professionalität, die sie mittlerweile natürlich haben, haben sie augenscheinlich immer noch genauso viel Spaß auf der Bühne, wie die Zuschauer davor. Leider muss sich Gitarrist Stephan mit Krücken auf die Bühne begeben und in dem bereitgestellten Stuhl Platz nehmen, denn er hat den langen Winterurlaub nicht unfallfrei erleben können. Aber wie schon Dave Grohl von den Foo Fighters lässt es auch er sich nicht nehmen, die Show im Sitzen zu absolvieren. Bei dieser langen Bandgeschichte hat man bei der Setlist natürlich die freie Wahl, und so gestaltet sich der vierzigminütige Auftritt als sehr kurzweilig.

Emil Bulls @ Impericon Festival 2017 04 22

Auch schon seit über zwanzig Jahren ist die amerikanische Band H2O am Start, wobei selbst die beiden nachgerückten Bandmitglieder im Grunde schon zur Urbesetzung gehören, da sie bereits ein Jahr nach der Gründung zur Band gestoßen sind. Was den deutschen Punkrock-Bands die AfD, das ist den heute hier vertretenen amerikanischen Bands ihr neuer Präsident, an dem kein gutes Haar gelassen wird. Auch in der Beziehung wird hier kein Blatt vor den Mund genommen, was die Männer aus New York City umso sympathischer und vor allem auch authentischer macht. Aber auch persönliche Erlebnisse verarbeiten die Männer in ihren Songs, so zum Beispiel in Sunday den Tod des Vaters von Toby und Todd. Das letzte Album Use Your Voice stammt zwar schon aus dem Jahr 2015, aber bei insgesamt acht Alben in der Diskografie kann man natürlich die vierzigminütige Spielzeit gut ausfüllen und sich danach von einem zufriedenen Publikum verabschieden.

H2O @ Impericon Festival 2017 04 22

Die ebenfalls aus Amerika stammende Band Being As An Ocean kann auf jeden Fall schon mal mit ihrem charismatischen Frontmann Joel punkten. Den hält es nicht lange auf der Bühne, und nachdem er sich zunächst einmal nur auf die großen Boxen vor der Bühne begeben hat, treibt es ihn dann doch ans Absperrgitter und zur direkten Kontaktaufnahme mit den Fans. Die fressen ihm natürlich aus der Hand und singen jedes Wort voller Inbrunst mit. Da treibt es dann auch zum wiederholten Mal einige Crowdsurfer über die Menge, so dass die Männer von der Security alle Hände voll zu tun haben, die Jungs und Mädels, die sich da nach vorn treiben lassen, sicher auf den Boden zurückzuholen. Um Joel muss man sich keine Sorgen machen, der wandelt wie in sich selbst versunken am Absperrgitter entlang, schüttelt hier und da die sich ihm entgegenstreckenden Hände und gibt den Songs von Being As An Ocean seine ganz unverwechselbare Stimme. Derweil bereiten die anderen Jungs auf der Bühne die dafür nötige Basis, so dass hier ein absolut rundes Gesamtpaket entsteht, dass die Fans auf jeden Fall zufriedenstellt und auch sicherlich für den ein oder anderen neuen Fan sorgt.

Being As An Ocean @ Impericon Festival 2017 04 22

Wenn ich nicht komplett den Überblick verloren habe, ist die Band Anti-Flag, neben der noch anstehenden Ignite, diejenige mit der längsten Bandgeschichte. Bereits im Jahr 1993 in Pittsburgh gegründet, ist die Urbesetzung zwar nicht mehr komplett, aber der Energielevel wird jetzt noch einmal bis an den Anschlag gefahren. Auch die Zuschauer sind noch gut dabei und haben auch noch Lust, sich mit den mittlerweile im Spiel befindlichen Wasserbällen zu beschäftigen, die auch immer mal wieder auf die Bühne gelangen und dann auch gern von einem der Bandmitglieder zurück ins Publikum befördert werden. Während Justin sehr cool und lässig am Mikrofon steht und dabei noch seine Leadgitarre bearbeitet, legt insbesondere Bassist Chris absolute sportliche Höchstleistungen an den Tag. Auf einer Stelle stehenbleiben geht bei ihm wohl eher gar nicht, ständig rennt, hüpft und springt er herum, ist plötzlich auf der rechten großen Box zu finden, wo er es aber auch nur kurz aushält und dann mit einem sehenswerten Sprung wieder auf die Bühne zurückkehrt. Zu meinem Top-Foto des gesamten Festivals verhilft er mir dann auch noch – Ihr findet es oben in der Galerie – als er einen Absprung von der Bassdrum macht, was ich von der Empore aus sehe und Gott sei Dank die Kamera schussbereit habe. Musik gibt es natürlich auch auf die Ohren, und mittlerweile finde ich auch fast Gefallen an dem ganzen Punkrock, der hier heute vertreten ist. Wenn er von solchen Vertretern wie den hier auftretenden Bands dargeboten wird, kann das auch ganz schnell gehen… 😀

Anti-Flag @ Impericon Festival 2017 04 22

Einer der Headliner des heutigen Tages ist die Band Caliban, und was soll man zu dieser deutschen Institution im Metalcore eigentlich noch sagen? Dieses Jahr kann man das zwanzigjährige Bandbestehen feiern, aber nach zehn veröffentlichten Alben, vielen Videos und unzähligen Auftritten während ihrer eigenen Tourneen, als Support für andere Bands oder auch auf Festivals sind die Jungs um Frontmann Andreas natürlich noch nicht müde. Von der Lichtshow wirkungsvoll in Szene gesetzt, wissen die Männer, was die Fans wollen, aber jetzt gibt es nicht irgendeine lieblos heruntergespulte Show von der Stange. Der Kontakt mit dem Publikum wird mit einem meiner Lieblingssongs, Memorial, mit dem das einstündige Set gestartet wird, aufgenommen und erst wieder mit dem letzten Song, der heute Abend auf der Monster Stage gespielt wird, nämlich Nothing Is Forever beendet. Wenn man dann noch Songs wie Paralyzed oder Mein Schwarzes Herz raushauen kann, hat man sich den Headlinerstatus mehr als verdient. Bei der Masse an Fans, die danach dann noch zur Marshall Stage kommt, sehe ich jedenfalls nur glückliche Gesichter.

Caliban @ Impericon Festival 2017 04 22

Der zweite Headliner des heutigen Tages, die amerikanische Band Ignite, die genau wie Anti-Flag bereits seit dem Jahr 1993 besteht, zieht bei weitem nicht so viele Fans, wie die in der anderen Halle spielenden Caliban. Trotzdem bin ich doch überrascht, dass es bei einem der Headliner heute leerer ist, als bei so manch anderer Band, die heute schon gespielt hat. Davon lassen sich Sänger Zoltán und seine vier Mitstreiter augenscheinlich auch ein wenig beeinflussen, zumindest Zoltán sieht ein wenig angepisst aus. Ich sehe Ignite heute allerdings zum ersten Mal live, darum kann ich mich auch täuschen. Nach einer knapp zehnjährigen Pause gab es ja im vergangenen Jahr ja endlich wieder neues Material, und das Album A War Against You wird natürlich mit Songs wie This Is A War oder Nothing Can Stop Me in der Setlist auch entsprechend bedacht. Bei der doch sehr energiegeladenen Show der Männer auf der Bühne vergisst sich wohl auch der ein oder andere Fan vor der Bühne, und es ist das erste Mal an diesem Abend, dass ich erleben muss, wie die Männer von der Security ihren Job auch verstehen. Fronter Zoltán versucht dann auch, die aufgekommenen Wogen zu glätten. Gegeneinander zu kämpfen ist das blödeste, was man machen kann, also habt weiter Spaß, so sein Aufruf, der dann auch glücklicherweise befolgt wird, so dass auch die letzte Show des heutigen Abends ohne weitere Zwischenfälle zu Ende gehen kann.

Ignite @ Impericon Festival 2017 04 22

Nach Ende des Impericon Festivals hält es eigentlich nicht mehr viele Fans in den Hallen, die meisten machen sich ohne großen Aufenthalt auf die Rückreise. Im Rausgehen sehe ich dann noch die Jungs von Caliban, die sich an ihrem Merchstand mit einigen Fans wohl sehr gut unterhalten. Mich zieht es jetzt aber auch nur noch nach Hause, das war doch ein ziemlich langer Tag.

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