“Schwarzmetallischer Untergrundhöhepunkt”

Eventname: Odyssey To Blasphemy

Bands: Morast, Hallig, Khaos Dei, Deus Mortem, Possession, Arkona, Aosoth, Darkened Nocturn Slaughtercult, Mgla

Ort: Resonanzwerk, Oberhausen

Datum: 19.03.2016

Genre: Black Metal

Link: https://www.facebook.com/events/1481103938861104/

Odyssey To Blasphemy

Nach längerer Konzertabstinenz ist das Odyssey To Blasphemy genau der richtige Ausgleich, um endlich mal wieder einen ganzen Tag lang richtig gute Musik zu hören und den Künstlern beim performen zuzusehen.

Zumindest lässt das die Bandliste erhoffen: Insgesamt erstreckt sich das Konzert über einen Zeitraum von 11 Stunden. Gespielt wird zwar „nur“ in einem Fenster von 10 Stunden, dafür ist dem Veranstalter aber ein absolutes Wunder gelungen: 9 Bands, von denen ich noch keine einzige live gesehen habe und die ALLESAMT mindestens eine Chance verdient haben, in der Regel sogar Pflicht sind.

Zugegeben, meine Erwartungshaltung könnte bisher auch so in der Form in ein Promotionsschreiben des Veranstalters abgedruckt werden, aber es ist wirklich eine Seltenheit, dass eine Veranstaltung zustande kommt, in der weder Bands spielen, die quasi im Tourbus wohnen, noch irgendwelche Weichspülerbands spielen, die Krieg predigen und Frieden leben. Hier kann man sich vom ersten bis zum letzten Riff auf ehrlich gemeinte Musik einstellen, ohne das Gefühl zu haben, dass irgendwer hier Starallüren entwickelt und auf das große Geld aus ist.

Empfand ich das Resonanzwerk beim letzten Mal noch als ein wenig befremdlich für eine Black Metal-Veranstaltung, hat sich in der Zwischenzeit einiges getan: Anstatt Personal mit Schürzen wird dieses Mal ganz klassisch ein Grillstand am Eingang aufgebaut, der zu fairen Preisen auch die vegane Fraktion versorgt. Auch im Gebäude hat man dieses Mal nicht das Gefühl, dass notdürftig für ein Black Metal-Konzert umdekoriert wurde.

Für seinen Klang ist das Resonanzwerk mittlerweile bekannt; beim Eintritt höre ich schon die schweren, schleppenden Töne von Morast. Als Opener perfekt geeignet, allerdings stapeln die Jungs in punkto Anspruch für mich eine Spur zu tief: nach gut 15 Minuten wird die Musik (wahrscheinlich bewusst) zermürbend, erst als der Sänger gegen Ende die Bühne verlässt, zieht das Niveau etwas an und die Band ist besser als den ganzen Auftritt über. Schade, dass man nicht durchgehend so gespielt hat. Nichtsdestotrotz, ein guter Einstand und ein schönes Preludium für die Band, auf die ich persönlich am meisten warte: Hallig

13 Keys To Lunacy war für mich das Überraschungsalbum überhaupt, als ich es gehört habe. Es hob sich allein schon durch die interessante Produktion vom Rest der Szene ab, von dem großartigen Songwriting und den Fähigkeiten der Musiker mal ganz zu schweigen. Seit der Veröffentlichung fand ein Sängerwechsel statt, und ich bin gespannt, ob der neue Frontmann dem extrem guten Gesang seines Vorgängers gerecht werden kann. Es dauert aber zum Glück nur gut 15 Sekunden und der Sängerwechsel ist verkraftet. Keine Riesenenttäuschung, wie bei Marduk damals, im Gegenteil, die alten Lieder wirken in sich stimmiger, und das neue Material ist dem vom Album bekannten mindestens ebenbürtig. Hallig sind der perfekte Beweis, wie man Komplexität schafft, ohne den Zuhörer von seinen Gedankengängen auszuschließen. Selbst der in diesem Genre gerne sträflich vernachlässigte Bass spielte eine tragende Rolle, die man so in der Form leider kaum gewohnt ist. Auf Platte sind die Jungs schon in der ersten Klasse anzusiedeln, live allerdings nochmal 20% besser.

Nachdem ich zu meiner Zufriedenheit mit Hallig live genau das bekommen habe, was ich mir erhofft habe, haben es Khaos Dei selbstredend schwer, das Niveau zu halten. Und so kommt es dann auch am Anfang: Vor allem der Gesang hinkt etwas. Aber auch hier hat der Veranstalter Weitsicht besessen, und schon nach wenigen Minuten zeigt die Band, was in ihr steckt: Ein Part, den Shining nicht hätte besser schreiben können, trägt den bisher eher schalen Eindruck weg und bringt mich dazu, mich auch nach dem Konzert mit der Musik von Khaos Dei auseinanderzusetzen.

Deus Mortem spielen dann endlich Mal einfach nur Black Metal. Zum ersten Mal an diesem Abend habe ich das Gefühl, keinen Werbetext schreiben zu müssen, um meine Impressionen des Konzertes wiederzugeben. Die Gruppe ist ordentlich, sinnvoll gewählt und platziert, aber tatsächlich bisher am schwächsten. Trotzdem ein gelungener Auftritt!

Possession werden mir wohl immer als die Band in Erinnerung bleiben, die es geschafft hat, mich mit 10 Tonnen Weihrauch beinahe kleinzukriegen. Ich hatte bisher noch nicht die Ehre, mich zu-weihrauchen zu lassen und stelle fest, dass mein Bewusstsein scheinbar feindlich demgegenüber eingestellt ist. Tolle Band, aber nächstes Mal mach ich einen auf Gothic, und komme mit einer möglichst auffälligen Gasmaske.

Arkona, welche es im Metal auf einer bekannteren Stufe leider doppelt gibt, sind für diesen Abend in der besseren Variante gebucht. An dem Auftritt der Band merkt man, dass der Abend schon vorangeschritten ist; einige Fans haben das Bedürfnis aufzufallen, werden aber rigoros von der super funktionierenden Security direkt gemaßregelt, so dass es zu keinen Problemen für Unbeteiligte kommen kann. Die eiskalte Atmosphäre der Studioaufnahmen überträgt die Band famos auf die Bühne, ein würdiger Auftritt der Polen.

Darkened Nocturn Slaughtercult sind eigentlich der Grund, warum ich zu diesem Konzert gefahren bin, aber mittlerweile bin ich „satt“: so viele gute Livebands in so kurzer Zeit machen es schwer für DNS, den Abend noch aufzuwerten. Die Band fokussiert sich auf ihre besten Lieder, Onielar als prominentestes Mitglied der Gruppe macht ein gutes Bild und man merkt, dass auf der Bühne kein Gemüse steht, sondern intellektuell höher anzusiedelnde Menschen. An jedem anderen Abend hätte die Gruppe hervorgestochen, dieses Mal sind sie „nur“ ganz oben mit dabei.

Mgla sorgen ja aktuell für Konzertverschiebungen. Warum dem so ist, ist schwer nachzuvollziehen und sollte den Veranstaltern auch egal sein. Ist es an diesem Abend auch, und so können die rasant bekannter gewordenen Musiker der Black Metal-Gruppe in Ruhe und als abschließende Band auch eindrucksvoll beweisen, dass die Live-Aufnahmen, die man im Internet so findet, Recht hatten: Die Band ist live gefühlt doppelt so gut wie auf Platte, wo sie wiederum auch schon hohes Niveau abliefert. Ein Glück; somit bleiben an diesem Abend den Zuschauern Blindgänger erspart.

Insgesamt ist das Odyssey To Blasphemy der Beweis, dass man auch mit vielen unbekannten Bands ein perfektes Konzerterlebnis schaffen kann. Ich persönlich freue mich, dass es Ende des Jahres das Odyssey To Blasphemy II geben wird, und die ersten Bestätigungen zeigen, dass der Veranstalter bewusst an diesem Konzept des unbekannten Guten festhält. Weiter so!

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