Heimkehr mit Bedeutung und Anspruch
Mit Live In Andorra legen Persefone ein Livealbum vor, das in mehrfacher Hinsicht eine besondere Stellung innerhalb ihrer Diskografie einnimmt. Die Progressive-Death-Metaller aus Andorra gehören seit Jahren zur Speerspitze ihres Genres, doch diese Veröffentlichung markiert einen wichtigen Moment: Zum einen dokumentiert sie die Rückkehr der Band in ihr Heimatland nach einer zehnjährigen Pause, zum anderen feiert sie das zwanzigjährige Bestehen der Gruppe – und das mit einem musikalischen Aufgebot, das ihrem Anspruch mehr als gerecht wird. Erschienen ist das Album am 05.12.2025 über Napalm Records und ist als Doppel-CD inklusive Blu-Ray erhältlich.
Symphonische Verstärkung als organische Erweiterung
Aufgenommen wurde das Album im Mai 2024 bei einem exklusiven Konzert im Nationalauditorium von Ordino, bei dem Persefone erstmals von dem Nationalorchester Andorras begleitet wurden. Diese symphonische Erweiterung ist dabei keineswegs bloße Zierde, sondern fügt sich organisch in den ohnehin epischen Bandsound ein. Streicher und Orchesterarrangements verstärken Spannungsbögen, verleihen ruhigen Passagen cineastische Tiefe und lassen die härteren Momente noch wuchtiger erscheinen. Dass solche Kombinationen nicht immer funktionieren, ist bekannt – hier jedoch greifen sie erstaunlich selbstverständlich ineinander.
Daniel R. Flys überzeugt auf ganzer Linie
Ein weiterer Fokus liegt auf Sänger Daniel R. Flys, der erst 2023 zur Band stieß. Nach seinem überzeugenden Einstand auf der EP Lingua Ignota: Part I ist Live In Andorra nun die erste Gelegenheit, ihn auch mit älterem Material zu erleben. Flys meistert diese Aufgabe mit beeindruckender Sicherheit: Seine kraftvollen Growls stehen den Studiofassungen in nichts nach, während die klaren Gesangslinien – oft gemeinsam mit Keyboarder Miguel „Moe“ Espinosa – den melodischen Kern der Songs tragen. Besonders bei Stücken wie Stillness Is Timeless oder Living Waves zeigt sich, wie gut seine Stimme sowohl technische Brutalität als auch emotionale Feinzeichnung transportieren kann.
Eine durchdachte Setlist als musikalische Werkschau
Die Setlist ist klug zusammengestellt und deckt nahezu alle Schaffensphasen der Band ab. Songs der Alben Aathma, Spiritual Migration, Metanoia und der aktuellen EP stehen gleichberechtigt nebeneinander, ergänzt durch einen Ausflug in die Frühphase mit Kusanagi von dem Album 真剣 / Shin-ken. Das Ergebnis ist eine Art musikalische Werkschau, die die stilistische Bandbreite von Persefone eindrucksvoll widerspiegelt: vertrackte Riffs, komplexe Rhythmik, hymnische Melodien und eine spürbare Liebe zum Detail.
Starker Sound
Klanglich präsentiert sich das Album sehr transparent, druckvoll und angenehm natürlich. Lediglich die Publikumsreaktionen hätten etwas präsenter ausfallen dürfen, da sie meist nur zwischen den Songs hörbar sind. Dennoch schmälert das den Gesamteindruck kaum.
Hier! geht es für weitere Informationen zu Persefone – Live In Andorra in unserem Time For Metal Release-Kalender.



