Equilibrium zählen seit den frühen 2000er-Jahren zu den prägenden Vertretern des deutschen Folk- und Pagan-Metals. Mit epischen Arrangements, folkloristischen Elementen und melodischem Schwung erreichten sie mit Alben wie Sagas oder Turis Fratyr Kultstatus. Nach einigen Jahren der Besetzungswechsel und stilistischen Neuausrichtungen meldet sich die Band nun mit dem neuen Sänger Fabian „Fabi“ Getto zurück. Die weiteren Bandmitglieder sind René Berthiaume (Gitarre, Keyboard), Jessica „Skadi Rosehurst“ Rösch (Keyboard, Synthesizer) seit 2019 sowie Tuval „Hati“ Refaeli (Schlagzeug) seit 2010.
Mit Equinox legen Equilibrium ein Album vor, das wie ein Neubeginn klingt. Der Sound ist frisch, kraftvoll und mit ruhmreichem Pathos, aber auch deutlich reifer und reflektierter als vieles ihrer früheren Werke. Die Münchner Folk-Metal-Veteranen kombinieren traditionelle Elemente mit moderner Produktion, kraftvoller Wucht und filmischer Intensität. Das Resultat ist kein Rückblick, sondern ein Statement. Es ist vielschichtig, ambitioniert und mit einer neuen künstlerischen Tiefe.

Das Album startet mit dem hymnenhaften Earth Tongue. Ein furioser Auftakt, der sofort klarmacht, dass Equilibrium sich nicht auf alten Lorbeeren ausruhen möchten. Riff und Rhythmus drücken unbarmherzig, während atmosphärische Keyboards und Chorpassagen bereits eine neue Klangrichtung erahnen lassen. Dieser Brückenschlag zwischen Folk-Epik und modernem Metal zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk. Ein wesentlicher Aspekt, der Equinox von früheren Alben unterscheidet, ist die gezielte Balance zwischen rauen und sanfteren Momenten, zwischen Aggression und Melancholie, zwischen Wildheit und Erhabenheit. Stücke wie Bloodwood zeigen diese duale Natur besonders eindrucksvoll. Bloodwood verbindet tief verwurzelte, folkloristische Motive mit moderner Produktion und dichter Atmosphäre, was ihm eine fast mythische Qualität verleiht. Mit I’ll Be Thunder beweist die Band, dass sie sich nicht scheut, auch direkte, gerade auf das Ziel zugehende Metal-Songs mit kompromisslosem Drive zu liefern. Der Song verzichtet bewusst auf folkloristische Ornamente und setzt auf rohe Energie, druckvolle Gitarren und eindringlichen Gesang. Der Song hat einen großen Wiedererkennungswert. Dies ist ein klares Signal dafür, dass Equilibrium gleichzeitig Vergangenheit und Zukunft im Blick haben. Die Tracks Bloodwood, I’ll Be Thunder sowie Borrowed Waters feat. Roniit sind vorab als Video-/Single ausgekoppelt worden.
Trotz der kraftvollen Neubewertung bleibt Equinox der Erzählkunst der Band treu. Themen wie Transformation, Natur, Mythos und die Dualität von Licht und Dunkel ziehen sich durch das Album. Die Folkinstrumentierung, orchestrale Passagen und Chöre wirken nicht gewollt nostalgisch, sondern organisch verwoben mit zeitgemäßem Metal. Es ist ein Beweis dafür, dass die Band ihre Wurzeln kennt, sie aber nicht zum Selbstzweck erhebt. Produktion und Artwork untermauern den ambitionierten Anspruch. Der Klang ist klar und gleichzeitig mächtig, mit genügend Luft für orchestrale und elektronische Details, zugleich aber immer voller Druck. Das Cover-Artwork ist handgefertigt und bewusst ohne KI-Unterstützung. Es symbolisiert die Rückkehr zu Authentizität und echter Handwerkskunst.
Manche Songs brauchen bei mir mehrere Durchgänge, um ihre Wirkung zu entfalten. Gelegentlich wirkt der Wechsel zwischen episch-folklorisch und modern-metallisch als etwas unausgewogen. Das Album verlangt Hingabe und Offenheit. Doch gerade diese Komplexität macht Equinox zu keinem schnellen Konsumgut, sondern zu einer Platte, die wachsen und sich entwickeln muss.
Das Album ist neben den digitalen Formaten im Download und Stream auch als CD im Jewelcase sowie als LP erschienen. Passend zum Cover ist die Vinylausgabe von Napalm Records in einem Clear/Brown Marbled Vinyl gestaltet.
Hier geht es für weitere Informationen zu Equilibrium – Equinox in unserem Time For Metal Release-Kalender.



