Total Annihilation – Mountains Of Madness

16.01.2026 - Thrash Metal - Testimony Records - 40:03 Minuten

Wenn ich es richtig mitbekommen habe, wollten die Schweizer von Total Annihilation eigentlich schon letztes Jahr ein neues Album heraushauen. Zeit wurde es ja, denn Album Nummer drei namens …On Chains Of Doom erschien bereits im Kalenderjahr 2020. Vielleicht mag es daran liegen, dass man im Jahre 2025 einen Deal mit Testimony Records ergattern konnte. Man weiß es nicht. Aber im Grunde passt die Veröffentlichung im Jahr 2026 auch viel besser, denn man feiert das zwanzigjährige Bandbestehen, und was gibt es da Besseres, als ein neues Album am Start zu haben? Mit einem geilen Label im Rücken lebt es sich leichter und nun liegt mir also Album Nummer vier mit dem Namen Mountains Of Madness vor. Wie passend, für Schweizer. Nur noch der Name des geilen schweizerischen Festivals namens Mountains Of Death ist besser.

Gleich ein Knaller zu Beginn

Man sagt ja den Schweizern einen gewissen Hang zur Geschwindigkeitsentschleunigung nach, aber hört man den Anfang des Albums und damit den Song The Art Of Torture, kann ich das überhaupt nicht bestätigen. Von der allerersten Sekunde an gibt es hier die volle Attacke. Es wird gedroschen und gekloppt, und dann wechselt man in ein kleines, melodisch angehauchtes Riff, bleibt aber später bei Stopp-and-Go-Momenten, die dann ein wenig groovig, aber immer aggressiv und schnell klingen, und so geht es hin und her. Volle Attacke eben. Die eher tiefen und dreckigen Thrashvocals sind so was von aggro. Die Gitarre spielt dann vor, man holt ein melodisches Solo heraus, welches es in sich hat, lässt kurz ausklingen, es erklingen schmerzhafte Schreie, und man startet mit einem cleanen Gitarrenpart, der dann in ein melodisches Spiel übergeht, aber dabei immer aggressiv bleibt. Fett. Man fährt quasi wieder runter, die Vocals übernehmen die Regie und dann wird noch einmal für dreißig Sekunden angegriffen.

Melodisch, melancholisch und mit cleanen Momenten legt man bei Mountains Of Madness los. Man baut den Song schleppend auf. Absolut kraftvoll. Nach einem Break fegt man dann ordentlich über die Platte und man konzentriert sich hier auf das Spielerische und klingt recht technisch. Der Song ist nicht ganz so schnell wie der Opener. Er hat natürlich fixe Elemente dabei, kommt aber im Vergleich eher gediegen. Dieses bedeutet aber nicht, dass er weniger aggressiv klingt. Natürlich nicht. Diese gewisse Abwechslung passt auch sehr gut, zumal das Riffing echt lecker ist. Textlich dürfen sich H.P. Lovecraft-Freunde wieder freuen.

Wer dann schon die grobe Kelle vermisst, der wird mit dem anschließenden Song Illusion glücklich gemacht. Man kann nicht einmal bis drei zählen. Vom ersten Takt an bekommt man hier den Hintern versohlt. Wenn man bis sieben gezählt hat, ist es allerdings auch schon zu spät, denn der Song dauert eben nur sechs Sekunden. Das ist ja geil. Thrasher auf grindigen Zeiten unterwegs. Wahrscheinlich werde ich der Einzige sein, der den Song live fordert, hehe, obwohl – so ein Song funktioniert hervorragend als Zugabe.

Chokehold kommt dann langsam und schleppend mit dem typischen, treibenden Thrash-Rhythmus um die Ecke. Der Kopf des geneigten Zuhörers geht rauf und runter. Macht Laune und entwickelt sich zu einem Mid-Tempo-Riff-Massaker mit geilem melodischem Solo.

Chose The Day liefert erst einmal eine gewisse dunkle Materie und ein wenig Wahnsinn. Nach diesem Interlude nimmt man wieder langsam Fahrt auf und drischt sich erneut langsam durch das Universum, verwendet dabei aber wieder leckere Riffs, und der Gesang klingt so was von geil. Dann spielt die Gitarre vor, man bläst ins Alpenhorn und liefert einen lupenreinen Ballerpart. Gepaart mit Screams klingt das Teil absolut evil. Danach groovt man wieder im Midtempo und holt nachher noch einmal den Ballerpart raus. Ja, diese Mischung mag ich. Genau mein Ding. Und diese Screams. Nun übernimmt kurz das Chaos, dann legen die Vocals kurz alleine los und werden dann aber mit langsamen und quietschenden Gitarren kombiniert.

Starkes Songwriting im Allgemeinen

Bei Total Annihilation muss man immer genau hinhören, denn selbst in den Parts klingen sie abwechslungsreich. Die Burschen wissen, was sie machen, und setzen diese Fähigkeiten gekonnt ein. Die Krux an der Geschichte ist aber ja, diese technischen Einheiten so zu verwenden, dass das Songwriting flüssig klingt. Und dieses bekommen sie gut hin, wie z.B. auch der Song Age Of Mental Suicide beweist.

Ja, das Album geht absolut gut ins Ohr und ist schon ein starker und gelungener Start ins Jahr 2026. Bei den Soli klingen sie hier und da recht dreckig und erinnern mich dann an einen gewissen Lemmy und seine Rasselbande.

Ich stehe total auf diese aggressive Schiene, die sie teilweise fahren, wie z.B. bei Nyctophobia. Das Teil geht ins Ohr, hatte fette Riffs und ausgetüfteltes Songwriting. Man kann mitschreien und ist voll im Song drin. Natürlich auch wieder ein geiles Solo am Start.

Invisible Conflagration ist auch so eine Granate. Nur geil!

Thrasher dieser Welt haben schon einmal ein Highlight gleich zu Beginn des Jahres.

Hier geht es für weitere Informationen zu Total Annihilation  Mountains Of Madness in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Total Annihilation – Mountains Of Madness
Fazit zu Mountains Of Madness
Die Schweizer von Total Annihilation haben sich ein Beispiel an ihren thrashigen Eidgenossen von Coroner genommen und hauen gleich zu Beginn des Jahres 2026 ein bärenstarkes Thrash-Metal-Album heraus. Das mittlerweile vierte Werk erscheint pünktlich zum zwanzigjährigen Jubiläum und ist meines Erachtens das Stärkste ihrer Bandgeschichte. Das Album ist dunkler und düsterer geworden, gerade in den langsamen Passagen, und dieses steht im guten Kontrast zu den dreschenden Attacken. Wenn man so will, eine Weiterentwicklung von den Anfängen der Bands wie Sodom, Kreator und Slayer zu einem eigenen Sound. Die Vocals stehen auf Angriff und sind absolut giftig und bedrohlich. Die melodischen Einsätze kommen zur rechten Zeit und bleiben hängen und die Soli sind nicht überladen. Irgendwie passiert dauernd etwas, ohne dass der Flow unterbrochen wird. Gelungenes Songwriting und schon einmal ein Thrash-Highlight zu Beginn des Jahres.

Anspieltipps: The Art Of Torture und Nyctophobia
Michael E.
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