Wie in den letzten Jahren haben wir auch in diesem Jahr im Time For Metal-Team gefragt, was denn für jeden die musikalischen Höhepunkte waren. Dafür haben unsere Teammitglieder ihre ganz persönlichen Top 5-Highlights des Jahres herausgesucht. Viel Spaß mit den Time For Metal-Top 5 Highlights 2025!
Mein Musikjahr war wie immer bunt gemischt – und genau so will ich das haben. An einem Abend von ’nem proggy Post-Hardcore-Konzi auf ein Drum-and-Bass-Event? Ja, bitte! Wer nicht „kontrastet“, rostet, und so. Dark Malta, Amphi, Tells Bells, Summer Breeze, Mysteryland (macht 2026 Pause – viel Glück für 2027), Euroblast und ja, sogar Rock Am Ring helfen dabei. Eine wehmütige und dankbare Pommesgabel winkt Shihad (*1988) zum Abschied, die sich dieses Jahr aufgelöst haben. Aber hey – dafür sind stilistisch weit entfernte Szene-Senioren wie die Thunderdome-Reihe populärer denn je. In Erinnerung geblieben sind mir auch diverse Fanboy-Momente. Ich war hoffentlich nicht zu peinlich, wenn ich übereuphorisiert eine Band anquatsche. Oder, wenn zum Beispiel plötzlich Einar Solberg neben dir steht. Ich darf mich weiterhin privilegiert und glücklich schätzen, dass ich in dieser weltpolitisch fragwürdigen Welt wieder viele tolle Konzerte mit vielen tollen Menschen erleben durfte – leider auch mit vielen Menschen, die Konzerte vor allem durch die Bildschirme ihrer Smartphones verfolgen. Ich werde es nie verstehen. Meine Konzert-Highlights auf eine Top 5 herunterzubrechen, ist gar nicht so leicht. Daher schmuggle ich an dieser Stelle zuerst jene Bands rein, die ich dank 2025 von meiner „Will ich endlich live erleben“-Liste streichen kann: Creeper (Rock Am Ring 2025 vom 06.06. bis 08.06.2025 am Nürburgring), Master Boot Record, Andromedik, Kalte Nacht, Borknagar (Summer Breeze Open Air 2025 vom 13.08. bis 16.08.2025 in Dinkelsbühl), Between The Buried And Me (Summer Breeze Open Air 2025 vom 13.08. bis 16.08.2025 in Dinkelsbühl). Die folgenden Highlights landen schlicht platzbedingt nicht in meinen Top 5 und haben mein Musikjahr bereichert: Gänsehautgarantie mit einem Akustikkonzert von Amenra (Colos-Saal, Aschaffenburg). Ungebremste Energie von Hyro The Hero beim Summer Breeze. Die als Ersatz eingesprungenen und Prog-untypischen Slope entlocken dem Euroblast den größten Pit und mächtig gute Laune. Überhaupt das Euroblast – nahezu jedes Konzert ein Traum. Opeth ganz pompös im Mannheimer Rosengarten. Ice Nine Kills feierten ihre Ska-Wurzeln mit einem Mighty–Mighty–Bosstones-Cover (Jahrhunderthalle, Frankfurt), Zebrahead im Weinheimer Schlosshof zum 30. Geburtstag des Café Central – bei mehr als 30 Grad.
Im Heimatland Griechenland prägen die Post-Progressive-Metaller Mother Of Millions die Szene und füllen Hallen. Hierzulande führt die Band jedoch (noch?!) ein Nischendasein, und laut eigener Aussage ist es nicht einfach, in Deutschland Konzerte zu buchen. Nachdem ich die Band 2024 bei ihrem einzigen Deutschlandauftritt verpasst hatte, haben wir dieses Jahr den durchaus langen Weg nach Münster auf uns genommen, um Mother Of Millions beim (erneut) einzigen Deutschlandkonzert der The Line Tour zu erleben. Münster hatte ich für ein Prog-Konzert nicht unbedingt auf dem Schirm, und wie befürchtet ist das B-Side (sehr sympathisch!) tendenziell leer. Bitter. Dass Mother Of Millions vor knapp 20 Personen spielen, stört die Band jedoch weniger als mich – und schon beim ersten Track nehme ich mein Umfeld kaum noch wahr, denn die Musik hat mich längst mitgenommen und davongetragen. Mother Of Millions wollen ihre Präsenz in Deutschland ausbauen. Wenn ihr die Chance habt, einen Auftritt der Band zu erleben: Unbedingt hingehen!
https://time-for-metal.eu/mother-of-millions-magna-mater/
In der letzten Minute erwische ich meine Jugendhelden Static-X bei ihrer Autogrammstunde auf dem Summer Breeze. Koichi Fukuda, Tony Campos und Ken Jay haben ihren nächtlichen Auftritt noch vor sich, wirken etwas müde und schieben mir routiniert eine Autogrammkarte über den Tresen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie alle Details meiner aufgeregten Dankesbekundungen registrieren, doch als ich vor ihren Augen meine Kutte ausziehe, werden sie wach. Krass, bin ich aufgeregt. Hä? Wo ist mein Static-X-Patch? Es vergehen gefühlte Stunden, während ich mehrfach panisch meine Kutte wende, um der Band den Aufnäher zu präsentieren. Puh, da ist er! Die Band hat mittlerweile ihre Marker gezückt. Schwarzer Marker auf schwarzem Patch – irgendwie doof. Campos lässt sich einen weißen Marker geben. Der ist allerdings fast leer. Wirklich lesen kann ich die Unterschriften nicht. Aber endlich habe ich einen echten Grund, meine Kutte nicht zu waschen.
Summer Breeze Open Air 2025 vom 13.08. bis 16.08.2025 in Dinkelsbühl
Eine IAMX-Show ist immer etwas Besonderes, und auch dieses Konzert war keine Ausnahme. Rückblickend war es vermutlich der ekstatischste Auftritt einer Band, den ich dieses Jahr erlebt habe – und zugleich leider das letzte Mal, dass Chris Corner und Janine Gezang gemeinsam auf der Bühne standen. Nach 19 Jahren hat Gezang IAMX verlassen. Ich freue mich trotzdem auf die European Tour 2026 und bin gespannt. Wie wird Corner das fehlende Charisma von Gezang auf der Bühne kompensieren? Und wie wirkt sich die Kooperation mit Lord Of The Lost (Lord Of The Lost – What Have We Become?) auf die IAMX-Fancommunity aus? Ein Satz mit X? IAMX!
Vower gehörten 2024 auf dem Euroblast zu meinen großen Neuentdeckungen, und ich wollte die Engländer unbedingt wiedersehen. Ihre Mischung aus Post-Metal, Prog und Post-Hardcore ist eine Wucht – und live erst recht. Die Kreativfabrik (Vower – Instagram) ist ein kleiner, sympathischer und für dieses Konzert ausverkaufter Laden. Der Zufall will, dass ich direkt vor der Bühne lande und eines der erfüllendsten Konzerte des Jahres erlebe.
Witch Club Satan sind dieses Jahr mit teuflischer Geschwindigkeit auf die Überholspur gewechselt. Ihre sorgfältig inszenierten, ritualartigen Auftritte nutzen die drei Norwegerinnen, um erfrischend sozialpolitische und feministische Botschaften zu vermitteln. Wer einmal erleben möchte, wie ein Publikum fast eingeschüchtert dem Bann einer Band verfällt: Witch–Club–Satan-Bassistin Victoria Røising stand übrigens im sechsten Monat schwanger – mit Zwillingen – auf der Bühne. Nicht wenige Zuschauer:innen dürften ihren Bauch zunächst für eine Requisite gehalten haben.


