6. TROUID-Fest am 03.07. und 04.07.2026 auf dem Pfefferberg in Schmölln

Ein kunterbunter Mix harter Klänge untermalt erneut dieses familiäre Treffen

Event: TROUID-Fest 6 auf dem Pfefferberg in Schmölln

Datum: 03.07. – 04.07.2026

Eintritte: Wochenendticket 60 €, Tagestickets Freitag 20 €, Samstag 45 €

Bands: Greenhill Disaster, Nuclear Pillmachine, Moby Dig. Carouser, Psycrotted, Argorok, Mr. G‘s Spacecowboys, Contact Zone, The Rest Og Us Is Dead (TROUID), Deserted Fear, Zeït

Genres: Acoustic Cover Rock, Blackened Doom Metal, Blues Rock, Death Metal, Groove Metal, Hard Rock, Hardcore Punk, Melodic Death Metal, Stoner Metal, Stoner Rock, Thrash Metal

Es ist eine Art Gefühl von „Nach-Hause-Kommen“, das mich in diesem Jahr auf den Pfefferberg nach Schmölln zieht, die brandneue Location des TROUID-Festes. Die Jungs von The Rest Of Us Is Dead stemmen die Organisation und belegen wie gewohnt auch einen Bühnenslot – das ist Leidenschaft pur, quasi ein echtes Familientreffen unter Gleichgesinnten.

Freitag: Der erste Festivaltag steht ganz im Zeichen des Stoner-Rocks

Trouid-Fest 2026 – Greenhill Disaster

 Den Anfang machen – wie gewohnt – Greenhill Disaster. Das Gitarrenduo eröffnet das Fest traditionell, beinahe unplugged. Mit ihrer Mischung aus Gassenhauern von Queen über Guns N’ Roses bis hin zu Metallica und anderen mehr oder weniger bekannten Hits der Rockgeschichte schaffen sie diese spezielle Lagerfeuerromantik, auch wenn das Feuer fehlt. Der Bierwagen und die Cocktailbar schenken bereits fleißig aus, der Grillstand steht unter Dampf: Die Stimmung ist mehr als entspannt.

Trouid-Fest 2026 – Nuclear Pillmachine

 Dann wird die Luft „würzig“ und der Sound kommt nun über die PA der Mainstage: Nuclear Pillmachine aus Gera entern die Bühne. Ihre Mucke ist basslastig, durchzogen von 70er-Jahre-Anleihen – ich fühle mich direkt in einen Tarantino-Streifen versetzt. Das Auditorium ist herrlich gechillt, die „aromatisierte Luft“ tut ihr Übriges. Rein optisch sind eine Menge Szenefreaks auf dem Platz, von denen so mancher glatt in Woodstock durchgegangen wäre. Ich bin zwar eher Anhänger heftigerer Klänge, lasse mich aber völlig tiefenentspannt von der kunterbunten Menge aus Metalheads, Punks und Hippies mitreißen. Ich bin endgültig auf dem neuen Areal angekommen.

Trouid-Fest 2026 – Moby Dig

 Moby Dig aus Leipzig setzen danach fast komplett auf die Psychedelic-Doom-Keule, streckenweise von düsteren Funeral-Vibes durchzogen. Auffällig: Die Stunde kommt, von Samples abgesehen, beinahe ohne Vocals aus. Für viele ist das gewöhnungsbedürftig, so auch für mich. Ich mag Bands wie Electric Wizard oder Orange Goblin ganz gern, aber wenn man noch die Härte und Düsternis von Sunn O))) drüberlegt und den Gesang weglässt, wird mir das eine Spur zu verkopft. Der Platz vor der Bühne leert sich etwas, doch genügend Anhänger dieser Klänge verharren andächtig auf dem Infield.

Trouid-Fest 2026 – Caroozer

Den krönenden Abschluss liefern heute Caroozer. Die Jungs habe ich gefühlt eine Ewigkeit nicht mehr live gesehen. Der letzte Termin, den ich hätte besuchen können, wurde wegen mangelnder Vorverkaufszahlen gecancelt. Ich kann verstehen, warum man heutzutage vermehrt an der Abendkasse kauft – planungssicher für den Einzelnen, aber kritisch für Bands und Locations, da die meisten Kosten halt vor dem Event anfallen. Nur so als kleiner Denkanstoß. Aber zurück ins Hier und Heute: Fronter Rich peitscht die Crowd regelrecht an. Die Mischung aus modernem Groove-Thrash der Marke Machine Head oder Pantera, gepaart mit Stoner Rock à la Zakk Wylde, ist ein echtes Pulverfass, das den Platz zum Eskalieren bringt.

Eule, ein DJ, klinkt sich im Anschluss mit seinem Laptop in die PA ein und beschallt mit einem Reigen bunter Wunschmusik die Aftershowparty. Die wird von den Partywütigen bestens angenommen, und auch ich gönne mir nach getaner Arbeit im Fotopit den einen oder anderen Feierabendbecher. Nach Bierwagenschluss klingt die Fete mit ein paar Hartgesottenen im Camp aus, bis mit der Dämmerung die letzten in den Zelten und Caravans verschwinden.

Samstag: Emotionen und Vollgas

Auf jedem Festival kann es passieren, dass man nach einer verdammt kurzen Nacht von einem Spaßvogel mit einer leistungsstarken Partybox geweckt wird. Nach nicht einmal vier Stunden Schlaf bringen mich Nana Mouskouri und ihr zuckersüßer Gute-Laune-Hit Guten Morgen Sonnenschein fassungslos und schwer übermüdet aus dem Zelt. Mit einem Marsch, der eher an The Walking Dead erinnert, begebe ich mich auf die Suche nach starkem Kaffee. Götter sei Dank bleibt bis zum Startschuss auf der Bühne genug Zeit für ausgiebige Rekreationsmaßnahmen.

 Den Start legen heute Psycrotted aus Leipzig hin. Die Band, die ich erst vor kurzem auf dem Chronical Moshers Open Air kennenlernen durfte, macht nun auch die letzten Schlafmützen mit ihrem fantastischen Oldschool Death Thrash munter. Nach zwei oder drei Songs wird es stiller im Moshpit: Ein gerahmtes Foto ihres am 19. Juli tödlich verunglückten Freundes Marco wird auf die Bühne gebracht. Gitarrist Stefan versucht, die passenden Worte zu finden, wird aber von Emotionen überwältigt, sodass ein Bandkollege die Erklärung übernimmt: keine Schweigeminute, denn Marco hätte das nicht gewollt, daher widmet man ihm den Song Memoria. Ein unendlich ehrenhafter, wenn auch trauriger Moment. Der gesamte Gig schlägt Song für Song mit voller Wucht zu; selbst der neue Track Iron Terror vom kommenden Album kommt viehisch gut an.

Trouid-Fest 2026 – Argorok

 Weiter geht es mit alten Bekannten: Argorok aus Dresden kämpfen anfangs kurz mit der Technik, aber dann bricht sich ihr Melodic Groove Death Metal Bahn. Die Band kann aus zwei Alben und einer jüngst erschienenen EP schöpfen. Meine unangefochtene Nummer eins bleibt aber Asche Und Blut vom Studiozweitling Obscurum. Auch heute entwickelt der Titel wieder diese enorme Wucht. Bei Melodeath-Kapellen eigentlich selten, aber hier bekomme ich tatsächlich Erpelpelle. Das ist ein Moment, der unter die Haut geht.

Trouid-Fest 2026 – Mr. G‘s Spacecowboys

 Mit Mr. G.‘s Spacecowboys kommt dann die pure Energie. Die Österreicher, inklusive der Gastsängerin Red Sonja, reißen mich mit ihrer tanzbaren Hard- und Blues-Rock-Nummer einfach mit. Ok, manch anderen mit Sicherheit ebenfalls, aber viele andere können mit so viel geballter guter Laune nicht ganz so viel anfangen. Für mich sind die Tiroler echte Straßenfeger. Von Platte dürfte das ursympathische Quintett bei weitem nicht die Wirkung haben, wie von der Bühne aus, aber der Gig der Jungs und Mädels selbst wird mir noch extrem lang in bester Erinnerung bleiben. Nach dem Iron-Maiden-Cover Run To The Hills, den man den meist hart dreinschauenden Metallern im Publikum widmet, geht’s erst mal an den Merch-Stand, wo ich noch ganz prima mit der Band ein Schwätzchen halte. Auch hier mega bodenständig!

Trouid-Fest 2026 – Contact Zone

 Bei Contact Zone aus Brandenburg entscheide ich mich für eine Pause am Futterstand. Die aggressive Hardcore-Punk-Attitüde und die politische Schlagseite waren noch nie meine Welt, aber eines muss man den Jungs zugutehalten: Ihre Fans feiern sie gnadenlos ab. Das Schöne an unserer friedlichen Szene ist ja, dass unterschiedliche Geschmäcker immer zugelassen und toleriert werden.

Trouid-Fest 2026 – The Rest Of Us Is Dead

 Und dann ist es endlich so weit: Die Stunde für The Rest Of Us Is Dead hat geschlagen und die Jungs tauschen ihre Crew-Shirts gegen die Bühnenkluft. Trotz teils widriger Umstände brennen die Lokalmatadoren ein Feuerwerk allererster Kajüte ab, das im weiten Umkreis kein Stein auf dem anderen lässt. Spätestens bei The Metal We Play gibt es kein Halten mehr – Fäuste und Pommesgabeln gen Himmel zu recken ist jetzt Pflicht, Stillstand verbietet sich bei TROUID ohnehin! Ich bin regelrecht dankbar, dass ich die Jungs vor ein paar Jahren kennenlernen durfte. Nicht nur, dass die Mucke der Kapelle richtig gute Laune und Energie verbreitet. Im Zuge dessen haben sich echt wundervolle Freundschaften entwickelt, die ich – genau wie ihren Sound – niemals missen möchte.

Trouid-Fest 2026 – Deserted Fear

 Deserted Fear zeigen bei ihrem Auftritt, warum sie sich – beginnend mit ihrem Demo 2010 – zu einer festen Größe in der ostdeutschen Szene gemausert haben. Da Stamm-Drummer Simon Mengs heute seinen Platz hinter den Kesseln nicht besetzen kann, übernimmt diesen Job heut ein mehr als fähiger Kumpel der Kapelle. Sänger Mahne kommentiert das Ganze lapidar in unverwechselbarem Thüringer Humor: Simon hätte seinen Schniedel nicht unter Kontrolle gehabt und zum wiederholten Male Nachwuchs in die Welt gesetzt. Großer Heiterkeitserfolg im Publikum. Als er die Crew-Legende Kappe auf die Bühne bittet, um wie versprochen gemeinsam anzustoßen, spürt man das Band-Fan-Verhältnis hautnah. Manuel stichelt charmant gegen die großen Festival-Konkurrenten im Norden („Ich spiel lieber in Schmölln als in …“), während die Menge vor der Bühne tobt. Nach dem reichlich eine Stunde andauernden Slot, der sich quer durch alle Schaffensphasen zieht, blicke ich in viele matte, aber extrem glückliche Gesichter.

Trouid-Fest 2026 – Zeït

Zum Abschluss versinken wir bei Zeït in einer hypnotischen Welt aus Black- und Doom-Metal. Die beinahe durchgehend rote Bühnenbeleuchtung macht es meiner Kamera nicht leicht, aber die Musik zieht einen in ihren Bann, wenn man sich drauf einlässt. Das gelingt mir in der ersten Showhälfte eher weniger gut, das muss ich ganz ehrlich zugeben. Aber das starke Trio schafft es, trotz des einsetzenden Nieselregens noch zwei oder drei Dutzend hartgesottene Fans vor der Bühne zu halten. Die Mucke der Jungs ist auf jeden Fall eine interessante Erfahrung. Wahrscheinlich funktioniert diese Art der Musik auch nur live, das werde ich bei Gelegenheit tatsächlich mal testen.

Wieder gibt’s jetzt für mich ein paar wohlverdiente Feierabendbierchen und aus diversen Gründen wird die Nacht wieder arg kurz. Ganz liebe Menschen sorgen für meinen Rücktransport in die Heimat. Erfahrene Festivalgänger wissen ja, was für ein Segen die eigenen sanitären Anlagen sein können.

Ein riesiges Dankeschön allen Beteiligten für dieses wunderbare Wochenende. Egal ob die zwölf Bands, die Veranstalter mit ihrer fantastischen Crew oder all die alten und neuen Freunde und Bekannten, mit denen ich drei Tage vorzüglichst gefeiert hab – das war lieb! Ein besonderes Dankeschön denen, die für den zuvorkommenden, reibungslosen Transfer zwischen Heimat und dem Pfefferberg gesorgt haben. Liebe geht raus!

Wir sehen uns hoffentlich gesund und munter im nächsten Jahr wieder!