Heimburger Metalnacht Festival 2025 am 25.07. und 26.07.2025

Plastikschwerter, Trinkhörner, Höllenfeuer und eine Menge Spaß im Harz

Eventname: Heimburger Metalnacht Festival 2025

Bands: Maerer, The Bøneshakers, Abrogation, Mission In Black, Robse, Skelfir, EinsAchtZich, Soul Grinder, Final Cry, Tarabas, Akiavel, Månegarm, Defender

Ort: Metalnachtplatz, zwischen Heimburg und Benzingerode im Harz

Datum: 25.07. und 26.07.2025

Kosten: Wochenendticket inkl. Camping und Parkplatz: 85,00 €

Tagesticket 25.07.25 inkl. Camping und Parkplatz: 50,00 €
Tagesticket 26.07.25 inkl. Camping und Parkplatz: 50,00 €

Supporter-Ticket 1: 90,00 €
Supporter-Ticket 2: 95,00 €

Genres: Doom Metal, Post-Metal, Rock ’n‘ Roll, Melodic Death Metal, Melodic Power Metal, Thrash Metal, Pagan Metal, Death Metal, Folk Metal, True Metal

Besucher: Freitag 450 Besucher, Samstag 470 Besucher

Veranstalter: Kneipe „Linde“

Link: https://www.heimburgermetalnacht.de/

Fans, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Singt alle mit: „Waaaaas kann mir schon gescheeeeeh’n? Glaub mir, ich liebe das (Festival-)Leeeeeben … la-la-la-la, la-la-la-la.“ So oder so ähnlich hat es die gute Vicky Leandros schon vor 50 Jahren gesungen und hat damit immer noch verdammt recht. Meine fünfte Metalnacht steht im wahrsten Sinne des Wortes vor der Tür. Wie immer freue ich mich auf viele bekannte Gesichter und liebe Menschen bei der kürzesten Anreise des Festival-Jahres. Der Parkplatz wurde dieses Mal etwas umplatziert. Sehr zu meiner Freude, stand doch mein kleines Gefährt im letzten Jahr so weit oben am Berg, dass ich dachte, ich begegne gleich Reinhold Messner. Die große Begrüßungsorgie steht noch aus, da das Infield gut eine Stunde vor Beginn noch überschaubar gefüllt ist. So kann ich mich in Ruhe umschauen. Viel hat sich auf den ersten Blick nicht getan. Gut so, denn: Never change a running system! Die Preise sind im Vergleich zu den letzten Jahren wenig bis gar nicht gestiegen. Vier Taler für ’ne gute alte Schmorwurst zahlt man fast auf jedem Volksfest im Harz, und der HMN-Burger ist genauso lecker wie die verschiedenen Waffeln im Metalnacht-Look, wie sich später herausstellt. Die Getränke gehen nicht über 1 € pro 100 ml hinaus. Das ist absolut fair. Auch das Merch ist wieder zu fairen Preisen erhältlich und es kommt noch besser: Zum einen kann man Merch vom Vorjahr für einen schmalen Taler erwerben, zum anderen kommt die nachhaltige Idee schlechthin zum Tragen: Man kann handgenähte Taschen aus den alten Bannern des Vorjahres erwerben. So gibt es z. B. eine Umhängetasche mit den Logos von Grave Digger und Mystic Prophecy. Großartige Idee und Umsetzung. Zugegeben, mir fehlt in diesem Jahr im Line-Up DER Name, der die Leute hinterm Ofen hervorlockt, aber vielleicht gibt es die eine oder andere Überraschung. Für die Metalnacht gilt eh das Motto: Support the underground!

Freitag, 25.07.2025

„Keine Sonne, kein Tag, kein Licht“

Maerer, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Nachdem es vor allem am zweiten Tag der Metalnacht im letzten Jahr Kühe und Elefanten (Hunde und Katzen reichen nicht aus) geregnet hat, macht der Blick auf das Regenradar doch etwas Sorgen. Wie heißt es doch so schön: Alles Gute kommt von oben. Bis zum Anpfiff sieht aber erst mal alles trocken aus. Obwohl die Sonne freundlich lächelt, tut es ihr die erste Band des Tages nicht gleich. „Keine Sonne, kein Tag, kein Licht“ ist hier die Devise. Doomig, deutschsprachig und schwermütig präsentieren sich Maerer aus dem benachbarten Salzlandkreis. Passend zu ihrer EP aus dem Vorjahr geht es also direkt an den tiefsten Punkt der Seele. Obwohl sich die Musik der Bernburger nachts besser machen würde, stimmt die Atmosphäre. Die Band hat sich auf tiefschwarz als Farbwahl für Kleidung und Instrumente geeinigt. Nur Tieftöner Asca tanzt mit seinem silberglänzenden Instrument etwas aus der Reihe. Dafür hat er einen schön knarzenden Basssound. Die Band ist voll „im Modus“, vor allem Frontmann Sihhila kehrt sein Innerstes nach außen. Als es schon nach Abschied aussieht, schlägt er mit den Worten „Heimbuuuuurg, ein letztes Mal“ den letzten Sargnagel ein.

„We are The Bøneshakers – and we play Rock ’n‘ Roll!“

Boneshakers, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Während mit Ozzy gerade erst eine Ikone von uns ging (hört hier unsere Podcast-Folge zum Rückblick auf sein Leben), huldigen The Bøneshakers Lemmy, der schon bald seinen zehnjährigen Todestag hat. Darüber hinaus feiert die Mansfelder Band, die bereits 2021 auf der Metalnacht spielte, vor allem eins – den Eierlikör. Ohne den Stoff geht bei der selbst ernannten „non-vegetarian Motörhead tribute band“ schon mal gar nichts. Sehr zu meiner Freude geht es mit meinem Lieblingssong Iron Fist direkt in die Vollen. „Wie jehts euch am Nachmittag bei Kaffee und Kuchen?“, haut der sympathische Frontmann Björn in feinstem Mansfelder Dialekt ins Mikro. Der Typ ist genau wie Lemmy einfach ein Original. Halb Rock ’n‘ Roller, halb Stand-up-Comedian. Sein „holzfarbener“ Rickenbacker-Bass ist eine Augenweide und gehört neben Patronengurt und Stiefeln natürlich zum stilechten Outfit. Zu Burner und Over The Top gibt es die ersten, zaghaften Moshpits des Tages. Verdientermaßen gibt es als Belohnung die erste Runde Eierlikör im Schokowaffelbecher. Björn bedankt sich artig mit den Worten: „Es ist uns ein inneres Blumenpflücken, wenn wir noch regelmäßig Geschlechtsverkehr hätten, wäre das natürlich besser.“ Sein trockener Humor ist einfach göttlich. Mit den Worten „Wenn die Tante mit’m Eierlikör noch mal kommen soll, müsst ihr Alarm machen, sonst passiert hier nüschte“ wird das Publikum angestachelt. Quittiert wird die zweite Runde Eggnog mit Schlachtrufen zu Killed By Death und im mittlerweile gut gefüllten Infield werden die ersten Luftgitarren ausgepackt. Nach ein wenig Werbung für andere Metal-Veranstaltungen in der Region darf natürlich mit DIE Hymne Ace Of Spades nicht fehlen und zu Recht wird hier kräftig applaudiert. Auf Eierlikör-Sprechchöre folgt Overkill mitsamt einer kurzen Paranoid-Einlage zu Ehren von Ozzy. Fazit: „Rock ’n‘ Roll ain’t gonna die!“

Urgesteine aus Machdeburch die Erste

Abrogation, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Die Magdeburger Urgesteine Abrogation sind bereits seit 30 Jahren aktiv. Ihr düster getragener Melo Death ist schon sehr speziell. Während die Gitarrenharmonien richtig gut kommen, sind die in deutscher Sprache vorgetragenen Texte schon hart an der Schmerzgrenze für mich. Kleiner Mann wird mit einem Augenzwinkern „allen Kleingeistern gewidmet, die denken, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen, genau wie ich.“ Mit Puppenspieler haben die Hauptstädter auch einen neuen Song im Gepäck. In der ersten Reihe, die gut abgeht, scheinen Abrogation eine kleine Fanschar zu haben. Mir taugt der Sound nicht so richtig. Bestes Beispiel ist der vom Band kommende, komplett deplatziert wirkende, weibliche Gesang in Spieglein, Spieglein.

Schwabenpower sorgt für Dauergrinsen

Mission In Black, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Die schwäbische Melodic-Thrash-Metal-Band Mission In Black hat mit ihrer sechsstündigen Anreise in den Harz eine ganz schöne Fahrt in den Knochen. Anmerken kann man es dem Quintett zu keiner Sekunde. Der Wechsel zwischen Harsh und Cleanvocals gelingt der sympathischen Frontfrau Steffi scheinbar mühelos. Vor allem ihre Cleans bescheren mir ein ums andere Mal eine dicke fette Gänsehaut. Das Gepose der Damen und Herren macht auch für die Kamera einiges her. Ich habe ein Dauergrinsen im Gesicht. What Does It Take To Be Alive vom Album Profit Reigns Supreme (2023) wird Ozzy gewidmet. Kloß im Hals ist inklusive. Sea-Shepherd-Gründer Paul Watson sagte einst die weisen Worte: „If the oceans die, we die“. Genau dieser Thematik widmen MIB den Song Oceans Of Blood. Danke für diese Unterstützung. Zu First Comes The Blood können sich alle warm machen, ehe es bei Dreamcatcher richtig schnell wird, und ein paar „Ohohoos“ gehen ja sowieso immer. Sängerin Steffi bedauert es, dass die Shows nicht auch so lange gehen wie die Anfahrt. Was das angeht, hält die Metalnacht für jede Band mindestens einen einstündigen Slot bereit. Das schaffen andere Festivals gerade einmal bei Headlinern. Erste dicke fette Überraschung des Festivals!

Krieger-Pathos, Methörner und Plastikschwerter

Robse, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Robert-Martin „Robse“ Dahn dürfte den meisten als langjähriger Sänger von Equilibrium bekannt sein. Diese fruchtbare Zusammenarbeit ging 2022 nach ca. zwölf Jahren zu Ende. Equilibrium spielten schon vor zwei Jahren mit neuem Sänger auf der Metalnacht, während Robse prompt eine Band unter eigenem Namen gründete und 2024 das Debütalbum nachlegte. Der Headliner ist da, Robse ruft und die zahlreich erschienene Meute ist wach. „Seid ihr müde?“, fragt der Frontmann lautstark und entgegnet mit einem süffisanten „Nein? Ich aber!“ Den ersten Seitenhieb auf seine ex-Kollegen kann er sich nicht verkneifen und erwähnt, dass er eigentlich schon vor zwei Jahren (eben mit Equilibrium) hätte hier sein sollen. Doch der Groll scheint nicht groß genug, um auf Equilibrium-Schinken im Set zu verzichten. So wird Die Karawane zum Besten gegeben. Alberne „Schniedel … Wutz“-Sprechchöre passen ins Bild, denn da, wo Abrogations Texte noch an der Schmerzgrenze für mich waren, gehen Robse erhobenen Hauptes darüber hinweg. Ein Beispiel gefällig? „Schau immer nach vorn und fühl die Freiheit. Streck die Arme aus im Wind, lebe dein Leben. Schwing die Schwerter, die für dich geschmiedet sind“ aus Harlekin Und Krieger. Ganz ehrlich, ohne den „Pagan-Pappschwert-Pathos“ könnte das auch Schlager sein. Das ist mir alles zu stumpf, aber die Menge will mehr. Immerhin ist der Gitarrensound schön dick, von den Keyboards höre ich leider gar nichts. Die Menge baut eine mehr schlechte als rechte Wall of Death auf. Kurz darauf liegt die Hälfte auf der Nase. Ist halt mit erhöhtem Alkoholpegel nicht mehr ganz so einfach. Premiere hat heute der neue Drummer Yannik, der ab sofort festes Mitglied bei Robse ist. Zudem werden alle „schönen Bandmitglieder“ vorgestellt, wobei sich Robse selbst als Karl Dall (na, wer kennt ihn noch?) bezeichnet. Ein Highlight habe ich dann doch noch zu verzeichnen: Met vom ersten Equilibrium-Album Turis Fratyr wird gespielt. Es riecht förmlich nach Teenager-Spirit (Wortspiel beabsichtigt) und gebrannten CDs. Randnotiz: Robse hätte fast nicht hier sein können, weil er zu Hause seine (tod)kranken Eltern pflegt. Familie ist so wichtig, aber die Fans danken ihm natürlich trotzdem für den umjubelten Auftritt.

Persönliche Enttäuschung: Um kurz nach 22 Uhr bekomme ich schon kein alkoholfreies Bier mehr. Leute, nicht alle können und wollen saufen.

Skelfir, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Vielleicht können mich Skelfir mit ihrer aufwendigen Bühnendeko und ihrer Westerwald-Mythologie wieder etwas aufheitern. Mit ähnlichem Stil konnten mich im letzten Jahr bereits Sagenbringer auf ganzer Linie überzeugen. Skelfirs sympathischer Frontmann René aka Beast, den ich mit seiner anderen Band Helgrindur bereits 2022 auf der Metalnacht traf, sorgt mit seinen lockeren Ansagen beim Soundcheck für gute Laune. Action auf der Bühne, fette Blastbeats und dazu Renés fiese Stimme bilden eine gute Grundlage für die Mythen und Sagen, die uns Skelfir mitgebracht haben. Bevor es zu wild wird, kündigt der Frontmann den Song Skelfir als „kleine Ballade zum Schunkeln“ an. „Heimbuuuurg, habt ihr Bock auf eine epische Schlacht?“ Es folgt eine Wall of Death mit Plastikschwertern zum Song Schlachtruf. Was kommt nach der siegreichen Schlacht? Die Siegesfeier. Darauf: Hoch Den Humpen. Mit Die Schmiede und Heidrun wird das Pagan-Partyvolk in die Nacht entlassen. So macht eine Schlacht Spaß.

Und was soll ich sagen, selbst das Wetter hat den ganzen Tag über standgehalten. So kenne ich „meine“ Metalnacht, wenn man vom letzten Jahr mal absieht.

Samstag, 26.07.2025

„EinsAchtZich, wir lieben euch!“

EinsAchtZich, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Der etwas verspätete Einlass am Samstag, 20 Minuten vor Beginn der ersten Band, ist doch etwas knapp gestrickt. Gut, dass man hier keine weiten Wege zurücklegen muss. Heute scheint das Wetter mit 22 Grad und einem Sonne-Wolken-Mix sogar nahezu perfekt zu werden. Bereits beim Hellfire Over Ilsenburg im März durfte ich der Live-Premiere von EinsAchtZich beiwohnen. Die Band aus dem Harz hat also ein Heimspiel und schmettert ohne Begrüßung die ersten Six-Feet-Under-Granaten ins Publikum. Dort steht auch der Sohn von Drummer Svenner. Der Kleine killt mich einfach mit seinem Headbanging und seinen lauten „Wir lieben euch“-Rufen. 😁 Die nächste Generation steht also in den Startlöchern. Frontgurgler Todd hat auch gleich Tipps gegen den Kater parat: „Dagegen helfen weitersaufen und Old School Death Metal.“ Zum Kulthit Revenge Of The Zombies fordert er Bewegung im Publikum. Das fällt bei der aktiven Mittagssonne nicht jedem leicht. Das alles zermalmende Remains Of You vom 95er SFU-Debüt ist neu im Set der „einzig wahren SFU-Tribute-Band“. Den Titel haben sich die drei auch wirklich verdient, denn mal ehrlich, wer sich Chris Barnes in den letzten Jahren angetan hat, ist schnell kuriert. Auch Haunted feiert Live-Premiere und kann neben anderen Klassikern wie Human Target bestehen. Der Sound ist dick und von ganz jung bis alt wird hier gemosht. Gute Laune ist aktiviert.

Moshen mit H.P. Lovecraft

Soul Grinder, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Weiter geht das fröhliche Geballer mit Soul Grinder aus Bremen, in deren Heimat zeitgleich das schöne Burning Q Festival im Gange ist. Beim Soundcheck macht mich der etwas eigenwillige Gitarrensound von Schredder Jan stutzig. Relativ schnell zeigt sich aber, dass dieser im Zusammenspiel mit seinem Bandkollegen Mathias am Bass durchaus funktioniert. Drummer Balrogh dürften einige auch von Asenblut kennen. Auf der Bühne ist ordentlich Bewegung und die wechselnden Parts zwischen schnell und schleppend drücken ordentlich. Jan und Mathias harmonieren fantastisch mit ihren Gesangsparts. Der neue Song Frozen Halls wird allen Fans von H. P. Lovecraft gewidmet. Wholesome moment: Ein Security, der schon zum Inventar der Metalnacht gehört, wechselt kurzerhand von seinem Posten im Bühnengraben in die erste Reihe und mosht fleißig mit. Songs wie The Souls Mirror oder das getragene Spirit’s Asylum machen einfach Laune und Growls, die man verstehen kann, sind einfach „next level shit“. Obwohl Mercyful Fate gespielt wird, hat der Song nichts mit dem King persönlich zu tun. Moshen lässt sich dazu allerdings gut, auch wenn die ansteigende Hitze den Körper etwas lähmt.

In der Umbaupause ruft Veranstalter Kay zum Loskauf auf. Zu gewinnen gibt es wieder zwei Karten für die kommende Metalnacht.

Zu laut = „Brocken im Arsch?“

Final Cry, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Final Cry aus dem Weserbergland feierten im letzten Jahr bereits ihr 35-jähriges Jubiläum und spielen auf der Metalnacht ihren einzigen Open-Air-Gig in diesem Jahr. Frontmann Kai könnte euch schon mal auf dem Rockharz über den Weg gelaufen sein. Dort ist er Pressesprecher und Teil des Veranstalter-Teams. Obwohl das Durchschnittsalter auf der Bühne doch etwas höher ist, geben die Herren und die Dame direkt Vollgas. Mit dem Titelsong vom Debütalbum Wavecrest hat die Band tief in der Schatzkiste gegraben. Ist es Zufall, dass beide Gitarristen Slayer-Shirts tragen? Die Riffsalven erinnern mitunter an die amerikanische Legende. Doch hier wird bei Songs, vornehmlich vom 22er-Album The Ever-Rest, deutlich mehr Wert auf ausgeprägte Melodien gelegt. Shoutout an alle Unterstützer kleinerer Festivals: Final Cry sind nächstes Jahr u. a. auf den Rock & Metal Day’z (Benefiz für Kinder in Not) in Oschersleben zu sehen. Gitarrist und Sänger Eiko ist mit der Lautstärke des Publikums nicht zufrieden und möchte „nach dem Auftritt einen Anruf bekommen, mit der Info, dass wir zu laut waren und der Brocken im Arsch ist“. Nach diesem Aufruf wird die Stimmung mit Walk With The Dead noch einmal ausgelassener.

Urgesteine aus Machdeburch die Zweite

Tarabas, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Neben Abrogation stehen nach längerer Abstinenz auch wieder Tarabas aus Magdeburg auf der Bühne. Sänger und Gitarrist Kutte stand gestern auch schon mit eben jenen Abrogation auf den Brettern. Die ruhigen, melodischen Parts sind ganz angenehm, ansonsten funktionieren Tarabas düstere Klänge für mich überhaupt nicht im Sonnenschein. Ich erkenne aber an, dass zahlreiche Anhänger nach Heimburg gereist sind, um die Band zu sehen. Ein bekanntes keltisches Fest namens Samhain wird gefeiert und die Fäuste werden zu Weiße Pferde in den frühen Abendhimmel gereckt.

Spendenaktion für Tierrettung

Veranstalter Kay ist mit Unterstützung dreier Kinder auf der Bühne, um die Lose zu ziehen. Einige glückliche Gewinnerinnen und Gewinner können sich über Tickets für die Metalnacht und das Hellfire Over Ilsenburg freuen. Noch etwas mehr freuen können sich die Fellnasen der Tierrettung Stapelburg. Ihnen kommen mindestens 200 Euro plus weitere Spenden zugute. Ganz viel Liebe dafür. Anschließend gibt es noch einen Heiratsantrag auf der Bühne. Nach 15 Ehejahren macht ein Mann seiner Frau, die ihm wiederum damals den Antrag machte, erneut einen Antrag. Schöne Szene.

Dass Menschen auch scheiße sein können, beweisen geistig umnachtete Individuen in der Nacht und stehlen Spots, die neben den sanitären Anlagen aufgestellt wurden. Mögen euch beim Händewaschen stets die Ärmel herunterrutschen und beim Scheißen das Papier ausgehen.

Akiavel bringen das Höllenfeuer nach Heimburg

Akiavel, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Während ich mit meinem Kumpel in der Pause darüber rede, dass es langsam reicht, mit dem ganzen Gebolze, steht mit Akiavel aus Frankreich schon die nächste Melodic-Death-Band in den Startlöchern. Bereits beim Soundcheck erinnert mich Sängerin Auré vom Register her an die liebe Britta Görtz (Hiraes). Somit steigt meine Lust auf Krach wieder. Doch was jetzt folgt, ist an Wahnsinn kaum zu überbieten. Die Band tourt in Frankreich schon im größeren Stil, feiert ihre Deutschland-Premiere aber auf der Metalnacht – und was für eine. Das dramatische Intro sorgt für die richtige Leinwand, auf der Akiavel ihre bluttriefenden Gemälde präsentieren. Bereits der Opener Oozing Concrete mit seinem hypnotischen „tick-tock, tick-tock“ ist an Intensität kaum zu überbieten. Die Instrumentalfraktion ist perfekt eingespielt, der Star der Show ist aber ohne Zweifel Sängerin Auré. Sängerin ist schon fast zu tiefgestapelt. Sie ist Star ihrer eigenen Theatervorstellung in Heimburg. Sie shoutet, screamt, growlt, leidet und haucht ihre Lyrics voller Verzweiflung ins Mikro, sodass ich nur mit heruntergeklapptem Kiefer dastehen kann. Sie „killt“ einfach alles, auch ihre Bandkollegen mit Vorliebe, und hat den Wahnsinn in den Augen. Es macht saumäßig Spaß, dieses Schauspiel zu fotografieren. Auch die liebe Fotokollegin Lina geht mit einem Lächeln und einem „ist ja voll geil“ an mir vorbei. Zwischen ihrer Darbietung entweicht Auré ein fast schon schüchternes „Danke“. Die Frontfrau lässt sich auf dem Drumpodest von Blastbeats malträtieren und kassiert von Drummer Ranko nur ein Schulterzucken. Ein Song wird „all the women in the world“ gewidmet. Wenn Songs wie Lights For Life und Daddy Defiled Me autobiografisch sein sollten, dann geht das voller Emotionen herausgeschriene „I am freeeee“ gleich doppelt unter die Haut. In My Lazy Doll wird Auré kurzerhand zur Puppenspielerin. Diese Band hat soeben mein Herz erobert. 🖤 Die lange Schlange vor dem Merchstand beweist, dass Akiavel alles richtig gemacht haben und gerne wiederkommen dürfen. What a ride!

Plastikbecher müssen Trinkhörnern weichen

Manegarm, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Jetzt heißt es, Gefühle sortieren und Kräfte sammeln, denn der eigentliche Headliner steht ja noch auf dem Programm. Seitdem ich Månegarm aus Schweden das letzte Mal live gesehen habe, sind schon einige Monde vergangen. Anno 2014 war das. Schon beim Warmsingen der mehrstimmigen Gesangspassagen bekomme ich Gänsehaut. Bevor die Band die Bühne betritt, gibt es lautstark All For The Love Of Rock ’n‘ Roll von Kiss durch die PA geschallt. Stimmungscheck passt. Das Infield ist so voll wie bei keiner anderen Band. Anhand der Flaggen und Trinkhörner kann man erkennen, dass einige Fans nur für Månegarm angereist sind. Von der ersten Sekunde an gehen die ersten Reihen mit. Singen, tanzen, Flagge hissen, Trinkhorn statt Plastikbecher in den Harzer Nachthimmel recken. Ich liebe diesen Mix aus Folk und Black Metal mit schwedischen Texten und epischen Intermezzi. Das wirkt einfach unfassbar authentisch. Die „Ohohoooos“ sitzen schon jetzt, die Stimmung ist ausgelassen. Zusammen mit Akiavel hat der Sound seine Höchstform erreicht, genau wie der Gesang. Zur Sympathie trägt auch Frontmann Erik bei, dessen inbrünstiger Gesang nur noch von seiner lockeren Art übertroffen wird. I Skogsfruns Famn wurde zusammen mit seiner Tochter eingesungen, die aber mit ihren 17 Jahren Besseres zu tun hat, als mit Papa nach Heimburg zu reisen, gibt er mit einem Lächeln preis. Endlich gibt es richtige Moshpit-Action und die Lautstärke erreicht bei Odin Owns Ye All ihren Höhepunkt. Zum Abschluss gibt es das überlange sowie epische Hemfärd auf die Ohren. Mit Månegarm möchte ich gleichzeitig in die Schlacht ziehen, tanzen und träumen oder, um es mit Eriks Worten zusammenzufassen: „Everything is fuckin‘ great“.

Other bands play – Defender kill!

Defender, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Flo W.

Beine müde, Beine schlafen – mich zieht es nicht mehr in den Fotograben. Ein zweistündiger Slot zum Abschluss eines Festivals für eine Coverband ist schon eine Ansage. Wobei Defender betonen, dass sie keine einfache Coverband sind, sondern „The most authentic Manowar tribute“. Da lasse ich mich gerne überraschen. Die (Fake)-Amp-Wand steht schon mal und ist auch aus der letzten Reihe zu erkennen. Der Beginn der zweistündigen Show verspätet sich etwas, denn die Herren haben technische Probleme, die ihnen auch während der Show nicht erspart bleiben. Stilecht beginnen die Jungs mit dem Song Manowar vom bis heute für mich unerreichten Debüt Battle Hymns. Die eben noch aufkommende Müdigkeit ist wie weggeblasen. Ich singe und headbange, was der Körper noch hergibt. Sänger Martin hat den Eric Adams in all seinen Facetten drauf und wechselt in seinen Ansagen auf Englisch, „weil es auf Deutsch albern klingt“. Recht hat er. Authentizität wird hier großgeschrieben, selbst der Bass von Steven ist ein Original und der Sound tönt unnachahmlich. Die ausufernden Songenden haben Defender ebenfalls drauf. Das Infield ist so gut gefüllt wie bei keiner anderen Rausschmeißer-Band der letzten Jahre und die Sign Of The Hammer-Geste wird in den Nachthimmel gereckt. Der Star der Show ist aber definitiv Sänger Martin, er boxt selbst den stärksten Krieger aus dem Felltanga. Mein Lieblingszitat von ihm: Manowar sind wie Wrestling, da muss man mitmachen.“ 😁 Defender sind wie Manowar, nur sympathischer. Heart Of Steel sorgt für meterdicke Gänsehaut und auch der Sound ist auf dem Zenit. Bei Hail And Kill stirbt kurz das Mikro und die Nummer wird unterbrochen. Defender starten den Klassiker neu, “because you paid good money for it“Martin bleibt in seiner Rolle. Weiterhin anhaltende technische Probleme werden mit einer Einlage von Maidens Run To The Hills, ausschließlich bestehend aus Drums und Gesang, überbrückt. Anschließend stehen für Warriors Of The World keine Samples zur Verfügung. Kein Problem, das Publikum springt lautstark ein und eskaliert noch einmal zum „Pop“ (um beim Wrestling-Jargon zu bleiben) mit Konfetti-Explosion. Da bleibt mir nur übrig, mit dem Schwert auf die Knie zu sinken und zu gestehen: Other bands play – Defender kill!

Metalnacht, es war mir wieder ein inneres Waffelnbacken. Ich komme gerne wieder. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Artikels sind noch keine Bands für das nächste Jahr bekannt, wir halten euch auf dem Laufenden. HIER kommt ihr zu den Eventberichten des Festivals in Heimburg aus den vergangenen Jahren.

Flo, Heimburger Metalnacht Festival 2025, Pic by Alex R.