Dark Millennium – Come

22.05.2026 – Progressive Metal, Death Metal, Doom Metal, Avantgarde – Massacre Records – 43:16 Minuten

Bereits am 22. Mai 2026 erschien mit Come das mittlerweile sechste Studioalbum der nordrhein-westfälischen Band Dark Millennium über Massacre Records. Erhältlich ist das Werk sowohl als CD als auch in einer attraktiven Orange/Black-Splatter-Vinyl-Edition.

Die Bandgeschichte

Bereits 1991 aus der Vorgängerformation Mortal Freight hervorgegangen, hinterließ die Gruppe mit den Alben Ashore The Celestial Burden (1992) und Diana Read Peace (1993) einen ersten Eindruck in der Underground-Szene. Trotz ihrer vergleichsweise kurzen ersten Schaffensphase teilte die Band damals bereits die Bühne mit Größen wie Unleashed, Tiamat, Samael oder Atrocity. Nach dem Split 1993 wurde es lange still um die Westfalen, ehe ihre frühen Werke 2015 durch eine umfangreiche Wiederveröffentlichung neue Aufmerksamkeit erhielten.

Ein Jahr später folgte die Wiedergeburt der Band. Mit den Gründungsmitgliedern Christian Mertens, Hilton Theissen und Michael Burmann sowie den neu hinzugekommenen Gerold Kukulenz und Andre Schaltenberg begann ein zweites Kapitel, das mit Midnight In The Void, Where Oceans Collide und Acid River eindrucksvoll zeigte, dass Dark Millenium nichts von ihrer kreativen Eigenwilligkeit eingebüßt hatten.

Im Sog veränderter Wahrnehmung

Allerdings muss ich gestehen, dass mir Acid River in meinem damaligen Review trotz aller Qualitäten nicht vollständig zusagte. Das Album hinterließ bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck und stieß mir in seiner Ausrichtung stellenweise sogar etwas sauer auf. Umso erfreulicher ist die Erkenntnis, dass Come dieses Gefühl nicht nur korrigiert, sondern regelrecht vergessen macht.

Das neue Werk beschäftigt sich mit unterschiedlichsten Formen des Rauschs und veränderter Bewusstseinszustände. Realität und Illusion verschwimmen, Wahrnehmungen werden hinterfragt und Emotionen ungefiltert freigesetzt. Was zunächst nach einem ambitionierten Konzept klingt, wird von der Band mit beeindruckender Konsequenz umgesetzt.

Die Elixiere des Teufels

Dark Millennium haben mich mit ihrer Sammlung verschiedenster Rauschzustände regelrecht mitgenommen. Während des Hörens entsteht das Gefühl, nie genau zu wissen, welcher Zustand einen hinter der nächsten Ecke erwartet. Mal wirkt die Musik hypnotisch und beinahe tröstlich, dann wieder verstörend, bedrohlich oder geradezu fiebrig.

Die Songs erscheinen dabei wie musikalische Ausgaben von E.T.A. Hoffmanns Die Elixiere des Teufels: verführerisch, geheimnisvoll und voller dunkler Abgründe. Jeder Titel öffnet eine neue Tür in einen anderen Bewusstseinsraum und zieht den Hörer tiefer hinein. Konventionelle Songstrukturen sucht man häufig vergeblich. Stattdessen fließen die Stücke ineinander, verändern ihre Gestalt und entwickeln eine faszinierende Sogwirkung.

Ein Klangkosmos zwischen Doom, Psychedelic und Wahnsinn

Musikalisch dominiert eine schwere Doom-Schlagseite, angereichert mit psychedelischen und avantgardistischen Elementen. Mit dem Opener Here befindet man sich noch am Anfang des Trips und taucht anschließend mit Amber langsam in einen anderen Bewusstseinszustand ein. Songs wie Fear Forest, Winter Of Wizards oder Witchcraft Island verdeutlichen die enorme atmosphärische Dichte des Albums. Immer wieder treffen monumentale Riffs auf fragile Melodien, rohe Härte auf beinahe traumartige Passagen.

Über allem thront Christian Mertens, dessen Gesang zwischen Flüstern, Verzweiflung und Wahnsinn pendelt und den Hörer immer tiefer in diesen Rausch/Strudel der Sinne hineinzieht.

Hier! geht es für weitere Informationen zu Dark Millennium – Come in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Dark Millennium – Come
Fazit zu Come
Come verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich auf einen Rausch mit verschlungenen Pfaden einzulassen. Die unterschiedlichen rauschartigen Zustände der Songs nehmen die Hörer*innen mit in Zustände außerhalb des Bewusstseins. Dark Millennium agieren auf diesem Werk außerhalb gängiger Genregrenzen und erschaffen ihr eigenes Universum. Doch wer einmal die Elixiere gekostet hat, kann sich dem Strudel der Songs nicht mehr entziehen und wird in ihren Bann gezogen.

Anspieltipps: Amber, Fear Forest und Witchcraft Island
Juergen S.
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