Ricardo Proença (Ex-Analepsy) und der Gitarrist Sérgio Páscoa (Ex-Downfall Of Mankind) hatten Bock auf Veränderungen und beschlossen im Dezember 2024, eine neue Band zu gründen. Also holten sie ihr Kontaktbuch aus Lissabon heraus und scharrten eingefleischte Szene-Musiker um sich, um den Hafen von Lissabon mit einer Welle musikalischer Gewalt zu überschwemmen. Stark motiviert machte man sich ans Songwriting, konnte einen Deal mit Testimony Records ergattern und zwei Jahre später erscheint nun das Debüt namens Desecration.
Natürlich gehört zu einem extremen Album ein Intro. Dieses hört auf den Namen The Crucivore’s Feast und klingt wie eine Szene aus Herr Der Ringe mit weiblicher Erzählerin. Ganz cool, eigentlich. Nach 78 Sekunden geht es dann aber mit Memento Mori so richtig in die Vollen. Langsames Riffing zu Beginn, welches in ein melodisches Lead herübergeht. Growls dazu und dann ins Uptempo mit Blastbeats. Ja, das macht Laune. Cooles Riffing und recht zügig marschiert man vorwärts. Ja, das schockt. Gefällt mir. Tempo wieder raus und die Anfangspassage inklusive melodischem Lead wird wiederholt. Der Song nimmt noch einmal Fahrt auf, klingt sehr dynamisch und man wechselt Rhythmus und das Tempo. Dann ein Break und der Slam übernimmt das Geschehen, aber nicht einfach. Schon technisch, kombiniert mit Pig-Squeals. Ansonsten beherrscht natürlich das tiefe Growling das Geschehen. So möchte man aber nicht enden und holt noch einmal zum Gehacke aus. Der Gesang wird gedoppelt (Growls und Screams) und das Riffing ist fett. Mit langsamen Klängen und Growls endet der Spaß. Lecker Ding!
The Banished Torment kommt mit einigen Klanglandschaften zu Beginn und baut dann eine bedrohliche Klangkulisse auf. Hier geht es hin und her. Die schnellen Elemente mit dem recht technischen Riffing sind ziemlich geil. Klingen abwechslungsreich, aber nicht überladen. Und dann kommen ja noch diese groovigen Passagen, die dann später ins Slammige gehen und immer wieder wild unterbrochen werden. Hier regiert das chaotische Chaos, kann man sagen.
Zu Beginn von Condemned geht man dann erst einmal slammig zur Sache und bleibt dem gediegenen Tempo erst einmal treu. Hier und da trommelt der Meister etwas schneller, während die Gitarren ihr Tempo beibehalten. Man steigert sich mit der Geschwindigkeit ein wenig, wird aber nicht richtig fix. Obertöne werden mit eingebaut und nach knappen zwei Minuten ist der Song auch schon zu Ende. Fühlt sich aber auch nach dreifachem Hören ein wenig unvollendet an der Song. Mir kommt es zumindest so vor.
Whispers From Eternal Sickness kommt dann gleich mit dem Vorschlaghammer um die Ecke und rasiert einem gnadenlos den Schädel. Brutaler Death Metal, so wie er klingen soll. Die Gitarren spielen kurz vor und dann volle Attacke. Die Band klingt zu keiner Sekunde stumpf, sondern nutzt ihr technisches Potenzial absolut aus. Dabei gefallen sowohl die Blastbeat-Passagen als auch die groovigen Passagen. Letztere werden differenziert und ausgereift vorgetragen und bauen unheimlich Druck auf. Da wird es vor der Bühne definitiv einen Kreisverkehr geben. Dann wird noch einmal Fahrt aufgenommen und auch dieser Song ist ruckzuck zu Ende.
Die Burschen verstehen ihr Handwerk und bauen bei The Oracle sogar atmosphärische Klänge mit ein. Gefällt mir absolut, denn der weitere Verlauf ist absolut brutal, aber eben auch abwechslungsreich. Der Gesang dringt tief in die Seele. Ein Slam-Part darf nicht fehlen. Der anschließende atmosphärische Teil mit fiesem keifigem Gesang ist zwar sehr gewöhnungsbedürftig, zeigt aber absolute Wirkung. Starker und abgedrehter Tobak, aber irgendwie kommt das geil. Das nachfolgende Geknüppel ist technisch und präzise und macht das Ganze zu einer heiklen Angelegenheit, die absolut sitzt.
Und so geht es weiter. Hier und da kleine Klanglandschaften eingebaut und fertig ist der brutale und slammige Death Metal portugiesischer Art. Hier regiert zwar teilweise das Chaos, aber in diesem leben wir doch alle gerne. Alleine schon der brutale Track Triumph Of The Grotesque Disorder – sehr geil.
Hier geht es für weitere Informationen zu Crucivore – Desecration in unserem Time For Metal Release-Kalender.



