Apocalypse – Last Man Standing

25.09.2026 – Heavy Metal, NWoBHM, Progressive Rock – High Roller Records – 66:16 Minuten

High Roller Records sind mal wieder auf Tauchkurs gewesen. Das tiefe Eintauchen in die NWoBHM hat die Band Apocalypse bzw. Omega ans Tageslicht befördert. Die Truppe legte 1982 die Single Strom Child auf den Tisch, um sich anschließend in Omega umzubenennen. Als Omega folgte 1985 die LP The Prophet. Anschließend teilt die Band das sich wiederholende Schicksal vieler damaliger Kollegen, die nur kurzfristig als Kandidaten für den Metal- oder Rockolymp gehandelt wurden. Seit 2005 sind Apocalypse wieder aktiv und nun folgt, 41 Jahre nach der Debüt-LP, das Zweitwerk, das nach Hammerfall klingt: Last Man Standing.

Last Man Standing folgt nach 41 Jahren Pause

Nach der Wiederbelebung von Apocalypse gab es die eine oder andere Kompilation, die die Aktivitäten von Omega und Apocalypse zusammenfasste. Jetzt also neues Material, oder zumindest Material, welches bisher noch nicht veröffentlicht wurde. Die treibende Kraft hinter Last Man Standing ist Steve Grainger, der seit der Anfangszeit dabei ist und nach dem Tod seines Bruders und Drummers Marc und des Bassisten Dave Robertson der Last Man Standing ist.

Soweit zu den Rahmendaten, die bei mehr als 60 Minuten musikalischer Kost und den Eckdaten nicht unbedingt für Begeisterungsstürme sorgen. Viel zu oft haben die alten Bands, die Jahrzehnte nicht aktiv waren, enttäuschende Platten auf den Tisch gelegt. Wie ist es mit Last Man Standing?

Generell gehörten Apocalypse wie auch Omega nicht zu den gradlinigen Combos der NWoBHM. Hier würden sich als Vergleich zum Beispiel Saracen oder eventuell auch Pagan Altar und Anctus anbieten. Die Basis der Musik von Apocalyspe liegt im progressiven Rock der 70er‑Jahre. Dafür kommt der Opener Phoenix Rising als gradliniger Hard-Rocker um die Ecke, der genau die Trademarks der frühen NWoBHM vermittelt. Die Laufzeit mit mehr als sechs Minuten ist bereits ein Fingerzeig. Noch einige Sekunden länger läuft You Called The Fight, womit Erinnerungen in Richtung Spellbound von Tygers Of Pan Tang aufgefrischt werden. Wie beim Vorgänger, so läuft auch Titel Nummer zwei entspannt runter und macht mehr als eine passable Figur.

Apocalypse oder Omega?

Klavierklänge eröffnen This Is What It Feels Like, wobei Grainger nicht so zum Punkt kommt, dafür aber mehr auf Düsternis und Atmosphäre setzt, die aber nicht rüberkommen wollen. The Prophet (Redemption) ist eine knapp zehnminütige Neuauflage vom Titelsong aus dem Jahr 1985, der sich in progressiven Rockgewässern tummelt und wenig bis gar nichts mit der NWoBHM am Hut hat. Es gibt eher Art Rock und erinnert eventuell an Supertramp oder Yes, ohne annähernd an die Klasse der genannten Bands heranzukommen.

Die Chose nimmt mit Vulture Of The Skies endlich wieder NWoBHM-Fahrt, der sich als starker Banger entpuppt und auch gut auf eine Platte aus den 80ern passen würde. Gleiches gilt für Urban Decay, der weniger prägnant rüberkommt, aber den rockigen Geist der NWoBHM durchaus vermittelt.

Drei Stücke gibt es noch und die machen ein Drittel der Platte aus. Das langatmige, balladeske The Waning Moon, der Titeltrack, mit mehr als neun Minuten Laufzeit der Longtrack der Platte, und der Rocker We Are The Chosen sind das Schlusswort, wobei der berühmte Satz „weniger wäre mehr gewesen“ den Output perfekt zusammenfasst.

Hier geht es für weitere Informationen zu Apocalypse Last Man Standing in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Apocalypse – Last Man Standing
Fazit Last Man Standing
Apocalypse beziehungsweise Steve Grainger liefert mit Last Man Standing eine Platte mit Licht und Schatten. Der Titeltrack ist das beste Beispiel, der eine Laufzeit von knapp zehn Minuten hat. Die Hälfte der Zeit benötigt Grainger, um endlich Fahrt in Richtung Sound der NWoBHM zu bekommen. Klar, auch Omega war eine Mixtur aus progressivem Rock, Classic Rock und der NWoBHM. Hier sitzen Apocalypse anno 2026 zwischen den Stühlen. Eigentlich ist der Titeltrack nicht schlecht, auch der Rhythmuswechsel am Ende ist okay, aber das zu lange Intro reduziert den Spaß an der LP.

Auf der Habenseite stehen Phoenix Rising, You Called The Fight und der Schlusspunkt We Are The Chosen, womit Apocalypse keine famose Kost liefern, aber ordentliches Material zwischen Hard Rock und der NWoBHM. Ohne die progressiven Ausflüge hätten wir eine Platte mit einer Laufzeit von circa 45 Minuten, die die Geschichte der Rock- und Metal-Musik nicht neu schreibt, aber einen gut hörbaren Ausflug in die 80er liefert. Vielleicht wären zwei Platten, eine als Omega und eine als Apocalypse, die bessere Idee gewesen.

Anspieltipps: Phoenix Rising, Vulture Of The Skies und We Are The Chosen
Jürgen F.
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