Cortez – Phoebus

“Ein dunkler Mahlstrom“

Artist: Cortez

Herkunft: Schweiz

Album: Phoebus

Spiellänge: 52:04 Minuten

Genre: Post-Hardcore, Noisecore

Release: 26.01.2013

Label: Get A Life!, Basemant Apes Industries, Throatruiner, Lost Pilgrims

Link: http://cortez.bandcamp.com/

Klingt wie: Swans, Altar of Plagues, The Ocean und Dillinger Escape Plan

Produktion: REC Studio, Genf von Serge Morattel und Autoclave Studios von Cortez

Bandmitglieder:

Gesang – JR
Gitarre – Antoine
Produktion, Komposition – Sam
Schlagzeug, Komposition – Greg

Tracklist:

  1. Temps-mort
  2. Transhumance
  3. Au delà des flots
  4. Arrogants que nous sommes
  5. Un lendemaine sans chaine…
  6. L’autre estime
  7. Sulfure
  8. Nos souvenires errants
  9. Idylle
  10. Borrelia

Cortez - Phoebus

Ein düster wummerndes Brummen und schicksalsschwangere Streicher schleichen sich aus der Tiefe des Raumes heran. Lauter und immer lauter werden sie, bis sie sich schließlich in einer Kaskade aus polterndem Schlagzeug und wild flirrenden Gitarren ergießen. Während Ersteres sich von diesem Kraftakt erst einmal erholen muss, schrebbelt die Gitarre stoisch weiter. Ganz alleine und doch in völliger Überzeugung, dass das, was sie tut, richtig ist. Und tatsächlich schließen sich die anderen Instrumente an: Das Schlagzeug setzt wieder ein und bringt den Bass gleich mit. Wie ein Gewitter brechen Phoebus über den Hörer herein. Und das gerade einmal in den ersten Minuten des zweiten Full-Length-Albums der Schweizer Post Hardcore-Heroen von Cortez.

Stilistisch changieren Cortez in ihren Songs irgendwo zwischen Hardcore-Bands wie Dillinger Escape Plan, Black Metal-meets-Shoegaze wie Deafheaven und Progressive Metal im Stile von Swans. Und das tun sie mit höchster Finesse und einem Tempo, das es schwer macht, ihnen zu folgen. Zugegeben, fällt es so zunächst schwer, einen Zugang zu diesem Album zu finden – dennoch sind die einzelnen Parts so einprägsam, dass sie den Hörer zwangsläufig in den düster schimmernden Schlund der Platte ziehen.

Die Stimme des Sängers erinnert dabei noch am ehesten an Hardcore. Zeit für sanfte Töne haben andere – Cortez sind dafür zu zornig. Mit fast schon an The Wave-Bands (Touche Amoré, La Dispute, Pianos Become The Teeth, etc.) erinnernder Eindringlichkeit keift er über die Arroganz der Menschen und den Tod. Die Gitarren klingen wie eine ganze Hundertschaft perfekt koordinierter Djent-Drescher: So wirr und schwurblig die Black Metal-Passagen auch wirken, so pointiert und genau sind die Riffs und Breaks gespielt. Zu alledem fegen die Drums wie das bereits beschriebene Unwetter daher und prasseln mit ungeheurer Macht auf den Zuhörer ein. Dabei scheinen sie immer eher dem Gestus der Musik zu folgen, als irgendwelchen vorgeschriebenen Regeln. 1-und-3-Schunkel-Klatscher sind genau so raus wie 4-to-the-floor-Headbanger. Zum Glück.

Der Sound des Albums ist unheimlich fett und direkt, das Songwriting ist komplex und doch auch zugänglich und die Einflüsse der Band sind so wenig eindeutig zuzuordnen, wie das wohl überhaupt möglich ist. Cortez haben scheinbar einfach alles richtig gemacht und legen mit Phoebus ein wahres Meisterwerk vor. Wenn man nur erst einmal den Zugang gefunden hat, lässt einen dieser düstere Mahlstrom so schnell nicht mehr los. Und wenn nach fast einer Stunde der nicht enden wollende Total-Annihilation-Blast am Ende von Borrelia in einer Explosion und einem Synthie-Nachhall gipfelt, kann man nicht anders als sofort wieder die Play-Taste zu drücken.

Fazit: Phoebus ist ein anspruchsvolles, aber auch sehr lohnenswertes Album, das sich stilistisch in einem sehr weiten Feld von Hardcore bis Black Metal austobt.

Anspieltipps: Temps Mort, Arrogants que nous sommes und Borrelia
Soeren R.
9
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