Deliver The Galaxy – Those Who Came From Heaven

04.09.2026 - Melodic Death Metal, Modern Metal - Gottesrache Records - 45:27 Minuten 

Die Götter müssen verrückt sein oder – im Fall von Deliver The Galaxy – außerirdisch. Zwei Jahre nach Bury Your Gods gibt es mit Those Who Came From Heaven sozusagen ein Prequel. Gab es jemals Götter oder schritten außerirdische Mächte ein, um die Kontrolle über die Schöpfung der Menschheit zu übernehmen? Dieser Frage gehen Deliver The Galaxy auf ihrer vierten LP nach, die am 4. September beim Münchner Underground-Label Gottesrache Records erschienen ist. Können Rocky (Leadgitarre), Matze (Vocals/Rhythmusgitarre), Danny (Bassgitarre) und Paul (Schlagzeug) ihr Niveau, das sie auf Bury Your Gods an den Tag legten, halten oder gar ausbauen? Lasst uns gemeinsam den Legenden der alten Sumerer lauschen und tief in irdische sowie außerirdische Abgründe abtauchen.

Deliver The Galaxy | Heimburger Metalnacht 2026 | Foto: S. Bollmann

Orientalisch anmutendes Universum

Im peitschenden Opener, der sogleich der Titelsong des neuen Albums ist, horche ich ehrfürchtig auf, als der Sprechgesang von Matze wie der einer Gottheit klingt, die zu ihren Untertanen spricht. Beim ersten Durchlauf im Auto sollte sich mir noch nicht jedes Detail erschließen, welches jetzt unter dem Kopfhörer zutage gefördert wird. Hier passiert eine ganze Menge im Hintergrund: Synthies, Percussions sowie orientalisch anmutende Melodien unterfüttern die massiven Riffs und Drumpattern. Während beim ersten Durchgang vor allem die Moshparts im Vordergrund standen, fügt sich jetzt alles wie ein Puzzle zusammen. Dieser starke Einstieg markiert meinen ersten Anspieltipp.

Das Grundgerüst bleibt in Children Of The Stars erhalten, jedoch mit mehr Hang zur Wiederholung. Die komplexen Strukturen weichen eingängigen Melodien. Perfekt für eine Single, dachten sich die Jungs und veröffentlichten die Nummer im Juli als ersten Vorgeschmack auf das Album. Der hymnische Refrain bleibt zwar im Kopf hängen, könnte für meinen Geschmack etwas mehr Durchschlagskraft vertragen. Apropos Durchschlagskraft: Davon hat Revelation eine ganze Menge zu bieten. Wie schon beim Opener gefallen mir die „Spielereien“ im Hintergrund. Matze legt noch mal eine Schippe Kohlen nach und keift in unnachahmlicher Manier die Zeilen „ancient fire inside my veins, I walk through dust, I break your chains“ ins Mikro. Wilder Raserei folgt ein stampfender, heroischer Rhythmus, der live nach der Unterstützung der Fans schreit. Der ruhige Part im letzten Drittel währt nicht lange und wird von Blastbeats überrannt. Sogleich sind die Untertanen, aka Fans, wieder gefordert. Aurora ist der bis dato singbarste Song der im Harz gegründeten Band. Selten genutzter Cleangesang sorgt für Abwechslung.

Göteborger Schule und eine faustdicke Überraschung

 Egal, wie groß das Universum ist, irgendwann landen wir alle wieder in der viel zitierten Göteborger Schule. Deluge hat die Trademarks zahlreicher schwedischer Bands im Gepäck. Das klingt jedoch nicht angestaubt, sondern nach Spaß im Circlepit. „Nach mir die Sintflut“, denke ich mir, und ab geht’s in die schwitzende Menge. Im Gegensatz dazu taucht The Unknown tief in emotionale Abgründe ein – ein intensiver Abstieg in die eigene Dunkelheit, geprägt von Angst, Schmerz und der magischen Anziehungskraft des Unbekannten. Das „Duell“ der verschiedenen Stimmfarben macht richtig was her. Tief durchatmen lässt mich das federleichte Instrumental I.C.E. Diese Auszeit habe ich wohl gebraucht, denn Bleeding hätte mich sonst vermutlich noch kälter erwischt. Fast schon ein Stilbruch zum bisher Gehörten, der mit modernem Songwriting und Cleanvocals glänzt. Was für ein intensiver Ritt, der nicht mal vor Streichinstrumenten zurückschreckt. Dieses „Experiment“ geht voll auf und stellt für mich einen der Höhepunkte auf Those Who Came From Heaven dar. Treibt mir glatt die Freudentränen in die Augen. Das Riffing in Cold macht mich ebenfalls verdammt glücklich. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich die Band gegen Ende noch einmal aus ihrer Komfortzone wagt. Gut so!

Stranded schlägt zunächst ruhige Töne an, gefolgt von einem geschmackvollen Drumfill und einer ungeahnten Aufbruchstimmung. Bittersüße, vertonte Melancholie, die trotzdem einen Funken Hoffnung verbreitet und somit einen gelungenen Schlusspunkt setzt. Als Bonus gibt es noch eine klassische Version der Hymne Unsterblich, die im Original auf dem Vorgängeralbum zu hören ist. Kann man machen, hätte ich allerdings nicht gebraucht.

HIER! geht es für weitere Informationen zu Deliver The Galaxy – Those Who Came From Heaven in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Deliver The Galaxy – Those Who Came From Heaven
Fazit zu Those Who Came From Heaven
Hoch hinaus oder tief gefallen? Nicht immer muss eine Band zwingend einen draufsetzen, wenn sie ein starkes Album abgeliefert hat. Manchmal reicht es völlig, wenn sie imstande ist, das Niveau zu halten. Das ist Deliver The Galaxy mit Those Who Came From Heaven ohne Zweifel gelungen. Vor allem zum Ende des Albums ergreift die Band den Mut, anders zu klingen, ohne ihren bekannten Sound vollends in den Orbit zu schießen. Liebe zum Detail zeichnet dieses Werk aus. Deliver The Galaxy haben viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Dieses Album ist der endgültige Beweis.

Anspieltipps: Those Who Came From Heaven, Deluge und Bleeding
Flo W.
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