Gold + Support am 09.11.2019 im UT Connewitz, Leipzig

Wenn der (gold)ene Herbst furchtbar dunkel wird

Headliner: Gold

Vorband(s): Hitten und Motorowl

Ort: UT Connewitz, Leipzig

Datum: 09.11.2019

Genre: Doom Rock, Psychodelic Rock, Heavy Rock, Heavy Metal

Link: https://www.facebook.com/events/3492680027424834/

Setlisten:

Hitten:

  1. Take It All
  2. Final Warning
  3. Liar
  4. Lady Killer/Endless Race
  5. Twist Of Fate
  6. Flight To Freedom
  7. On The Run
  8. Rocking Out The City
  9. In The Heat Of The Night
  10. State Of Shock

Gold:

  1. Wide-Eyed
  2. He Is Not
  3. Things I Whish I Never Knew
  4. Summer Thunder
  5. Old Habits
  6. I Do My Own Stunts
  7. Taken By Storm
  8. Please Tell Me You’re Not The Future
  9. You Too Must Die
  10. Why Aren’t You Laughing?
  11. O.D.I.R.
  12. Till Death Do Us Part
  13. Mounting Into Bitterness
  14. Truly, Truly Disappointed

Motorowl

Das UT Connewitz, ursprünglich ein alter Kinosaal im gleichnamigen Leipziger Stadtteil, ist schon seit einigen Jahren zu einer Veranstaltungsperle geworden. Es ist sogar das älteste noch erhaltene Lichtspielhaus der Stadt und somit etwas ganz Besonderes. Der ruinöse Charme der Anfangsjahre ist mehr und mehr einer behutsamen Restauration gewichten und mittlerweile ist es urgemütlich im UT. Das hat sich längst herumgesprochen und Gäste strömen in großer Zahl heran, die Halle wird voll. Selbst schon bei der ersten Band des Abends, Motorowl. Irgendwo zwischen Doom Metal und Psychedelic Rock mit ein paar Schleifen zu Progressive und Post Rock lässt sich der Sound von Motorowl beschreiben. Die Thüringer, seit 2014 aktiv, haben im letzten Jahr ihr zweites Album Atlas veröffentlicht, aus dem auch größtenteils an diesem Abend gespielt wird.

Die Musik lässt sich ein wenig mit jener der amerikanischen Sludge- und Mathcore-Band Mastodon vergleichen, in anderen Songs mehr mit den polnischen Progressive Rockern von Riverside. Die hin und wieder verwendete Hammondorgel schiebt den Klang in manchen Momenten in eine Retrorichtung, schwere Gitarren ergeben einen erdigen, tiefen Sound. Auf jeden Fall baut die Truppe um Sänger und Gitarrist Max Hemmann einen intensiven Klangteppich aus verschiedensten Elementen auf, der hypnotisiert. Gespielt werden vornehmlich neuere Songs aus dem letzten Album, wie To Give oder zum Schluss des Gigs Norma Jean. Der nicht allzu große Saal ist übrigens von Anfang an mit mehreren hundert Besuchern recht gut gefüllt und Motorowl haben die Stimmung gut für die nachfolgenden Bands bereitet.

Hitten

Die Band aus dem südspanischen Murcia, im Moment auf ihrer Twist Of Fate-Tour, spielt waschechten Heavy Metal, als ob es die letzten 30 Jahre gar nicht gegeben hätte. Selbstverständlich patzen sie auch beim Outfit nicht. Es macht den Eindruck, als seien viele Besucher auch gerade wegen Hitten gekommen. Der Saal ist jetzt noch etwas stärker gefüllt und das Publikum feiert die Band. Die fünf Spanier lassen sich auch nicht lumpen und liefern ihre Show mit sichtbarem Spaß an den Instrumenten ab. Das letzte Album der Metaller erschien 2018 und heißt Twist Of Fate. Insgesamt hat die 2011 gegründete Band mittlerweile drei Alben veröffentlicht und sich von klassischem britischen Rock inspiriertem Metal hin zu Speed und Power Metal bewegt, dabei immer ihrer True-Metal-Ausrichtung treu bleibend.

Das Konzert beginnt mit Take It All und Final Warning, den ersten beiden Tracks des letzten Albums. Gerade der erste steht nicht umsonst auch am Anfang des Longplayers. Der Track kommt direkt zur Sache und zeigt die DNA der Band und wofür sie steht. Ohne lange Umschweife wird hier dem Heavy Metal der 80er gehuldigt, samt theatralischem Gesang, der bis in Falsetttöne geht. Das hätte so auch in den Billboard Charts der 80er laufen können neben Dokken oder Warrant. Heutige Vergleichsbands heißen eher Enforcer, Striker oder RAM. Sänger Alex Panza, erst seit 2017 dabei, hat die Songs im Griff. Seine Stimme passt perfekt zur Musik. Die Gitarren heulen auf, treiben den Rhythmus voran und die Soli erinnern herrlich an den Speed Metal der 80er. Gitarrist Johnny Lorca, seit 2016 bei Hitten, liefert hier eine großartige Performance ab.

Mit Liar und einem Medley aus Lady Killer und Endless Race (beide aus unterschiedlichen Alben stammend) folgt nun ein Rückgriff auf älteres Material aus den beiden Vorgängeralben, ehe mit dem Titeltrack Twist Of Fate, Flight To Freedom, On The Run, Rocking Out The City und In The Heat Of The Night wieder viel aktuelles Material am Stück präsentiert wird. Bei dieser Musik gleitet man unweigerlich ab in alte Zeiten, als die Metalwelt noch einfach war, es noch nicht zahlreiche Subgenres gab (die allerdings auch alle interessant sind und die man nicht missen möchte) und in der Metal noch als Mainstream-Radiotauglich angesehen wurde und zwischen all den anderen Songs hohe Chartpositionen erreichte. Das ist hier reine Nostalgie. Nach State Of Shock und einer Zugabe ist jedoch leider schon wieder Schluss mit der Zeitreise. Die gute Stunde ist wie im Fluge vergangen.

Gold

Höhepunkt des Abends ist der Auftritt der belgischen Post-Metaller von Gold. Die Setlist der Headliner entpuppt sich als ganz auf das aktuelle, im April dieses Jahres veröffentlichte Album konzentriert. Was auch keine Überraschung ist, handelt es sich doch bei ihrer Would It Kill You To Smile?-Konzertreihe um eine Tour für eben dieses Album namens Why Aren’t You Laughing?. Allerdings werden auch einige Songs aus den letzten beiden Vorgängeralben mit eingestreut. Man merkt schon, die Band um Sängerin Milena Eva ist nicht ganz neu im Geschäft und hat ihren Stil längst gefunden.

Der Werbetext zur Tour spricht davon, dass die sechs Rotterdamer in keine Schublade passen würden. Zu konstatieren ist, dass Gold tatsächlich einen sehr speziellen, ganz eigenen Stil haben, der irgendwo zwischen Post-Rock, Alternative, Dark-Rock und Post-Metal mäandert und sich nie eindeutig festlegen lässt. Mit dem hypnotischen Wide-Eyed, bei dem die Rhythmus-Fraktion aus Schlagzeuger Igor Wouters und Bassistin Leyla Overdulve mit ihrem Spiel weite Teile des Songs tragen, dem Starttrack des aktuellen Albums He Is Not und dem melancholisch-repetitiven Things I Whish I Never Knew samt fieselnder Gitarrenwand beginnt das Konzert gleich mit drei aktuellen Tracks. Gold leisten sich nicht umsonst drei Gitarristen: Thomas Sciarone, Kamiel Top und Jaka Bolič bauen eine Soundkulisse mit ihren Saiteninstrumenten auf, die beeindruckt. Zwischen leise und hintergründig bis zu gewaltig röhrend werden alle Nuancen abgedeckt und die Songs zuverlässig mit dem nötigen Druck und mehrstimmiger Melodik versorgt. Die sanfte, helle, manchmal klagende, manchmal fordernde Stimme von Sängerin Milena Eva kann sich dort perfekt einpassen.

Bestreitet Milena Eva den Anfang des Konzerts in einen langen schwarzen Mantel gehüllt fast unbeweglich, so steigert sich ihre Performance dann immer weiter. Nach und nach werden ihre Bewegungen eindringlicher, so zu älteren Songs wie Summer Thunder, Old Habits und I Do My Own Stunts. Es geht weiter mit dem treibenden Taken By Storm und Please Tell Me You’re Not The Future. Besonders das zweite Stück steigert sich in seinem Verlauf von einer gefällig dahinplätschernden Melodie mit einigen düsteren Einsprengseln zu einem aufwühlend-anklagenden Crescendo am Schluss des Songs langsam immer weiter zu seinem Höhepunkt.

Der Titeltrack des aktuellen Albums Why Aren’t You Laughing? wird umrahmt von den älteren Stücken You Too Must Die und O.D.I.R. Mit dem nachdenklichen Till Death Do Us Part, dem Wave-lastigen Mounting Into Bitterness und zum Schluss Truly, Truly Disappointed, bei dem die Gitarrenfront noch einmal zeigt, was sie kann, schließt nicht nur das aktuelle Album, sondern auch der Konzertabend im gut gefüllten UT Connewitz.

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