Grave Miasma – Abyss Of Wrathful Deities

Morbide Gänsehautmomente aus den Gruften Englands

Artist: Grave Miasma

Herkunft: England

Album: Abyss Of Wrathful Deities

Spiellänge: 52:51 Minuten

Genre: Death Metal, Black Metal

Release: 14.05.2021

Label: Dark Descent Records

Link: https://gravemiasma.bandcamp.com/

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Y
Gitarre und Bassgitarre – T
Schlagzeug – D

Tracklist:

  1. Guardians Of Death
  2. Rogyapa
  3. Ancestral Waters
  4. Erudite Decomposition
  5. Under The Megalith
  6. Demons Of The Sand
  7. Interlude
  8. Exhumation Rites
  9. Kingdoms Beyond Kailash

Nach zwei Splits, einem Demo und einer EP nannten sich Goat Molestör nach vier Jahren Bandgeschichte um. Dieses war im Jahre 2006. Das Ende der einen Band ist der Beginn einer neuen Band und Grave Miasma waren geboren. Nach zwei EPs kam dann endlich im Jahre 2013 das Debüt der Band heraus. 2016 folgte eine weitere EP, der Basser A verließ die Band und wurde durch T ersetzt. 2019 verließ der zweite Gitarrist R auch die Band und T übernahm auch diesen Job. 2020 brachte man in neuer Besetzung ein Demo heraus und nun folgt das Album Nummer zwei.

Oh, der Anfang von Guardians Of Death ist schon einmal vielversprechend. Die Produktion ist düster. Das mag ich, sofern die Instrumente klar zu vernehmen sind. Dieses ist hier der Fall und somit steht einem flauschigen Zuhören nichts im Wege. Die Vocals gehen in Richtung Black Metal und sind stark verhallt. Auch dieses sagt mir zu. Dass eine gewisse Affinität zum Black Metal besteht, war ja von vornherein eindeutig. Ich hatte zwar schon was von denen gehört, konnte mich aber jetzt nicht wirklich daran erinnern. Okay, sei es, wie es ist und weiter im Text. Was ist mit dem Riffing? Dieses ist eher eingängig und walzend als verschachtelt oder vertrackt. Ja, das kann man so machen. Ich habe es lieber, wenn die technischen Fähigkeiten unterschwellig eine Rolle spielen. Der Drummer heizt der restlichen Instrumentenfraktion ordentlich ein, ohne zu viel Sturm zu erzeugen. So muss dass. Ein langes, melodisches und beinahe schon hypnotisches Solo darf nicht fehlen und so stellt der Opener schon einmal einen fetten Bastard aus Black und Death Metal dar. Es wird sehr viel Wert auf Atmosphäre, anstatt auf Geschwindigkeit und Technik gelegt.

Dieses beherrschen die Burschen natürlich auch, muss man nicht extra erwähnen. Klar zu hören beim nächsten Song Rogyapa. Hier wird schon auch beim Riffing klargemacht, dass sie ihre Instrumente beherrschen, keine Frage, aber gerade der Einsatz der Vocals zur rechten Zeit und das sirenenartige Solo bringen eine sehr düstere und verwirrende Grundstimmung mit. Das Tempo wird variiert und erschafft somit eine gelungene Abwechslung. Das Chaos wird dadurch kontrolliert und erschafft sich selber eine dunkle Wolke, aus der sich die drei Protagonisten immer wieder befreien können.

Das Erschaffen einer dunklen Atmosphäre ist definitiv eine Stärke der Band. Da muss ich mich wiederholen, denn der Fokus ist so ausgelegt. Die Riffs sind schon sehr finster und werden mit Death Metal Parts ergänzt.

Dabei sind die Songs recht lang. Ancestral Waters geht z.B. fast sieben Minuten und drückt von der ersten Minute an. Obwohl alles ein wenig unkontrolliert und wild klingt, hat der Song eine klare Struktur. Das Tempo wird auch hier variiert. Teilweise schleppt man sich sehr bedrohlich durch das Universum, bis dann ein sehr beängstigendes und melodisches Solo erklingt. Bevor man das Tempo ganz herausnimmt, erfolgt ein dunkler, groovender Part. Nun wechselt man im Midtempo zwischen wilden Gitarrenklängen und groovenden Momenten hin und her und dann erhöht man das Tempo wieder. So zieht sich der Song und strahlt eine gewisse bedrohliche Schwere aus. Durch die dauernden Wechsel klingt die ganze Geschichte auch sehr abwechslungsreich. Gerade dieser drückende Groovepart knallt ohne Ende. Am Ende lässt man das Drumming noch mal kurz allein ran. Auch eine interessante Variante. Der Song erinnert mich, wie so viele andere Sachen auch, an die Finnen von Demigod.

Bei Erudite Decomposition holen sie gleich zu Beginn den Hammer heraus. Hier gibt es voll auf die Zwölf und der ganze Song hört sich wie eine einzige Vernichtung an. Man wird quasi überrollt und ist völlig geplättet. Auch hier klingt alles irgendwie nach kontrolliertem Chaos. An einigen Stellen ist mir das dann echt zu viel und der Song im Ganzen ist mir auch zu lang, muss ich sagen. Natürlich wird hier aber auch mit dem Tempo variiert und gerade bei den langsamen Momenten zeigt D sein Können an den Drums, sei es durch die Doubelbassattacken oder die betonenden Beckenschläge. Wie immer ist auch hier ein wildes Solo am Start.

Überraschungen bieten die drei Engländer nicht wirklich, aber dafür sehr viel Düsterheit und einige wirklich geile Riffs. Immer wieder schaffen sie es, ein dunkles und mystisches Gänsehautgefühl zu erzeugen, auch wenn mich nicht alles vom Hocker haut. Man kann aber mit Fug und Recht behaupten, dass die Kombination aus Death Metal und Black Metal durchaus geglückt ist. Die transzendentale Essenz und die Natur des Todes wurden fachgerecht erkundet und in musikalische Ergüsse umgesetzt. Überall riecht es nach Verwesung und es klingt nach Morbidität. Auch textlich sehr interessant. Der bereits angesprochene Song Rogyapa handelt z.B. von einem tibetanischen Totenritual. Dazu passen natürlich die düsteren, finsteren und atmosphärischen Grabkammerspiele der Band. Die Band verzichtet überwiegend auf Gefrickel, bietet aber anspruchsvolle Riffs und hat das Wesentliche im Auge. Dieses ist das Erschaffen einer Atmosphäre, welche die Morbidität in die Ohren der Zuhörer transportiert. Dieses ist ihnen überwiegend geglückt. Und so richtig episch können die Burschen es auch, wie sie es mit dem Song Exhumation Rites bewiesen haben. Morbide Gänsehautmomente aus den Grüften Englands! Anchecken!

Grave Miasma – Abyss Of Wrathful Deities
Fazit
Die Engländer von Grave Miasma sind nicht erst seit gestern dabei und dieses hört man auch durchaus. Die Band möchte eine dunkle Atmosphäre erschaffen und verwendet dabei gekonnt Elemente aus dem Death- und Black Metal Sektor. Dazu Hall auf dem Gesang und fertig sind die morbiden Gänsehautmomente.

Anspieltipps: Ancestral Waters und Exhumation Rites
Michael E.
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