Interview mit Frontfrau Julie und Gitarrist Daniel Wikenhauser von In Control

#isso #metoo #sexismus #kurwa

Artist: In Control

Herkunft: Radolfzell, Deutschland

Genre: Alternative Rock, Modern Rock

Links: http://in-control-band.de und https://www.facebook.com/incontrolband/


Vor einigen Wochen spielten In Control zusammen mit Scarcrow im Emmendinger Schlosskeller, wir haben berichtet: 019-im-schlosskeller-in-emmendingen/ So ergab sich nun die Gelegenheit, mit Frontfrau Julie und Gitarrist Daniel Wikenhauser über Band, geplantes Album, Touren und Zukunftsträume zu plaudern, welche wir gerne genutzt haben.

Time For Metal / Andreas F.:

Hallo zusammen, schön dass ihr euch die Zeit für ein TFM-Interview nehmt. Ihr seid seit 2011 aktiv und, konntet mit eurer EP Modern Fairy Tale im Jahr 2017 ein erstes Ausrufezeichen setzen. In der Regio-Szene konntet ihr euch auch einen Namen als gute Liveband erspielen, ansonsten haben aber vermutlich viele noch nie von euch gehört. Stellt euch bitte kurz vor, wer seid ihr und was macht ihr?

In Control / Frontfrau Julie:

Hallo erst mal. Wie du schon erwähnt hast, nennen wir uns In Control und haben unsere Homebase in Radolfzell am Bodensee. Seit der von dir besagten Zeit lieben wir, was wir tun. Was wir tun? Gute Frage! Das lässt sich nur sehr schwer definieren, deshalb verpacken wir alles unter dem Genre-Decknamen Alternative Rock. Mir ist bewusst, das bringt euch jetzt nicht wirklich weiter, aber mein Ratschlag hierbei lautet immer: Kommt vorbei und schaut, b. z. w. hört es euch an …

Time For Metal / Andreas F.:

Wie sind In Control entstanden und wie kam es zu dem Bandnamen?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Ich habe Julie im Jahr 2011 bei einer Jam-Session kennengelernt. Da ich gerade keine Band am Start hatte, fragte ich sie, ob sie Lust hätte, etwas Neues zu starten. Sie hat sofort ja gesagt. Anfangs war es dann sehr schwierig, überhaupt einen Proberaum zu finden. Nach langer Suche fanden wir dann endlich einen Kellerraum in einer alten Lagerhalle. Das war schon echt spannend. Der Raum wirkte fast so, als hätte man den ersten Film der Saw-Reihe dort gedreht und das Licht auf der Toilette ging auch nicht. Das war aber irgendwie auch besser so … (lacht). Wir fingen dann auch gleich mit dem Songwriting an, da wir beide keine wirkliche Lust auf Coversongs hatten. Irgendwie mussten wir ja beginnen, aber die Suche nach weiteren Musikern für das neue Baby gestaltete sich wirklich schwierig. Das hat alles sehr lange gedauert und war manchmal sehr ermüdend. Da kamen dann Leute, die sich für die Größten hielten und uns dann wieder verließen, da sie lieber auf Europatournee gehen wollten. So nach und nach kamen und blieben dann aber auch einige Musiker, so wie unser Drummer Michael Neik. Ich bin sehr froh, dass er geblieben ist. Die Zeit war echt turbulent wegen all der Wechsel in der Bandbesetzung und manchmal war es fast schon aussichtslos und wir dachten uns, wie schön es doch wäre, wenn einfach mal alles so laufen würde, wie wir uns das vorstellten. Einfach mal alles unter Kontrolle haben …

In Control / Frontfrau Julie:

Ja, das wäre schön gewesen. Anfangs hatten wir uns mit dem Namen Thoughtless angefreundet, mussten dann aber schließlich feststellen, dass es bereits eine größere Band mit dem Bandnamen gibt. Gut …, da lief dann mal wieder alles außer Kontrolle, so wie eigentlich fast immer alles außer Kontrolle geriet. Dann kam die Idee, warum nennen wir uns nicht einfach Out Of Control? Hätte ja gepasst. Da uns der Name aber als zu lang erschien, entschieden wir uns kurzerhand für das genaue Gegenteil, In Control. Da wir aber bis heute eigentlich out of control sind, belustigt mich der Name bis zum heutigen Tag.

Time For Metal / Andreas F.:

Nun ja, die Pleiten, Pech und Pannen aus der Anfangszeit kann ich natürlich nicht beurteilen, aber wenn man Julie heute so auf der Bühne erlebt, dann hätte Out Of Control durchaus gepasst. Seid ihr musikalisch in irgendeiner Art vorbelastet, hattet ihr vorher schon Banderfahrung, b. z. w. habt in anderen Bands gespielt?

In Control / Frontfrau Julie:

Also ich für meinen Teil durfte schon während meiner Kindheit musikalische Erfahrungen machen. Das hat mich wirklich sehr geprägt. Von klein auf wusste ich irgendwie, dass ich in ferner Zukunft irgendwann eine Band haben würde. Für diesen Wunsch habe ich sehr viel getan und es hat mir immer große Freude bereitet, neue Erfahrungen zu sammeln und mich diesbezüglich weiter zu entwickeln.

In Control / Daniel Wikenhauser:

Ich habe meine ersten Gehversuche in einer Band mit fünfzehn Jahren gemacht. Damals versuchte ich mich als Sänger, was allerdings nie wirklich gut funktioniert hat. Dann passierte lange Zeit nichts und ich fing irgendwann mit Gitarrespielen an. Ich stieg dann kurz darauf in einer Partyband ein. Das war eine schöne Zeit, aber meine Motivation überstieg irgendwann die der anderen Bandmitglieder. Als sich das Projekt dann auflöste, wollte ich aber weitermachen und hatte immer mehr das Bedürfnis, eigene Songs zu schreiben.

Time For Metal / Andreas F.:

Jetzt habt ihr euch aber gefunden und ihr spielt in der jetzigen Besetzung seit 2015 zusammen. Ein bisschen was habt ihr ja schon durchblicken lassen, aber wahrscheinlich wollte nicht jeder sofort auf Europatournee gehen. Was war in den Jahren zuvor los? Warum hat es nicht funktioniert und was war der Grund, dass ihr quasi dann den Neustart angegangen seid?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Na ja, die Gründe sind vielfältig. Unser erster Drummer hatte nie wirklich Zeit, der zweite hatte keine wirkliche Lust auf das Projekt, der dritte brach sich beim Skilaufen das Knie und zog dann nach Hamburg. Genauso lief es mit unserem ersten Bassisten Berni, der zum Studieren wegzog. Teilweise kamen auf persönliche Differenzen hinzu, weshalb z. B. unser früherer Gitarrist Martin ausstieg. Heute verstehen wir uns wieder gut, aber damals wollten wir einfach zu unterschiedliche Dinge. Julie und ich sind aber eben so richtige Dickköpfe und so haben wir uns von alldem nicht beeindrucken lassen und haben einfach weiter gemacht. Und ey, was soll ich sagen, ich mache sehr gerne Musik mit ihr!

In Control / Frontfrau Julie:

Viele unserer Songs, die auf der Modern Fairy Tale-EP zu hören sind, sind schon mit der alten Besetzung entstanden. Bei Berni war es von Anfang an klar, dass er die Band über kurz oder lang, wegen dem Studium wieder verlassen wird, aber umso trauriger war es, als es dann wirklich so weit war. An dieser Stelle deshalb liebste Grüße an unseren Berni …! Natürlich auch an Martin, der so viele Ideen und verschiedene Einflüsse eingebracht hat. Da ich persönlich sehr an den beiden hing, fiel es mir natürlich umso schwerer, sie einfach so gehen zu lassen. Aber das darf man nun nicht falsch verstehen, ich würde keinen der jetzigen Besetzung missen wollen.

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr habt es selbst am Anfang erwähnt, dass ihr nur schwer zu definieren seid. Dennoch wurdet ihr irgendwann in die Alternative Rock / Modern Rock-Schublade gesteckt, aber wenn man eure Songs hört, so fließen da viele verschiedene Einflüsse zusammen. Beschreibt euren Sound mal jemandem, der euch nicht kennt. Wer waren eure großen Idole, b. z. w. welche Einflüsse haben euch zu dem bewogen, was ihr jetzt macht?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Es ist auch gut so, dass wir so viele verschiedene Einflüsse haben. Mit den Genres tun wir uns immer sehr schwer …, machen wir tatsächlich Alternative Rock? Keine Ahnung. Uns ist dieses Schubladendenken eher egal, wir machen einfach was wir wollen und für richtig halten. Die Leute wollen aber trotzdem immer eine Klassifizierung haben und deshalb rechnen wir uns dem Alternative Rock zu, weil er wohl das größte Spektrum abdeckt. Unser Sound geht von traurig / melodisch bis hin zu sehr treibenden Rhythmen. Wir experimentieren sehr viel und spielen die Songs so, wie wir es für gut empfinden. Es gilt für uns eigentlich nicht die Maxime, ein bestimmtes Genre, oder die Erwartungen daran, immer und zu jeder Zeit erfüllen zu müssen. Ich glaube, das würde auch gar nicht funktionieren, wenn man sich anschaut, welche Einflüsse auf uns wirken. Da ist dann von AC/DC bis Korn, von Prog Metal bis hin zu französischem Chanson alles dabei. Jeder von uns kommt aus einer ganz anderen stilistischen Richtung und all das fließt mal mehr, mal weniger, in unsere Musik ein. So wurden wir schon mit Bands wie Evanescence, Rage Against The Machine oder sogar Doro Pesch verglichen. Das zeigt dann schon recht deutlich, dass man sich unsere Musik einfach anhören muss, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Wobei ich mich bei manchen Vergleichen schon echt fragen muss, warum man uns gerade mit dieser, oder jener, Band verglichen hat.

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr habt vor zwei Jahren eure bereits erwähnte EP Modern Fairy Tale veröffentlicht. Was hat sich danach für euch verändert, hat die Scheibe irgendwelche Türen für euch geöffnet?

In Control / Frontfrau Julie:

Die EP hat uns vor allem den Vorteil gebracht, dass wir besser im Gedächtnis der Leute bleiben und natürlich auch, dass wir nun Material haben, mit dem wir uns bei Veranstaltern bewerben können.

In Control / Daniel Wikenhauser:

Na ja, verändert hat sich für mich, vor allem meine eigene Herangehensweise an Aufnahmen und Songwriting. Außerdem hat mir die Aufnahme viel für mein Zusammenspiel mit Mike gebracht, denn ich achte seit den Aufnahmen viel deutlicher auf das Schlagzeug. Ich hatte bis dahin das Zusammenspiel von Drums und Gitarre nie als so wirklich wichtig empfunden … Mann, war ich früher dumm … (lacht). Dahingehend habe ich extrem viel gelernt. Aber natürlich wird man von den Leuten auch automatisch besser wahrgenommen. Es gibt nichts Ätzenderes, als die Frage „Kann man euch auch irgendwo anhören?“, mit einem Nein beantworten zu müssen.

Time For Metal / Andreas F.:

Wie zufrieden seid ihr jetzt, mit Abstand, noch mit den Songs und würdet ihr heute irgendetwas anders machen?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Puh, schwierige Frage. Wir hatten ja damals kaum Vorstellungen davon, wie das alles am Ende klingen soll. Ich selbst habe seitdem extrem viel gelernt und würde, was meine Spieltechnik angeht, vieles noch einmal besser einspielen wollen. Ansonsten denke ich aber, dass die Scheibe für ein Erstlingswerk ganz gut geworden ist. Modern Fairy Tale ist für mich eine Basis, zu der ich nun zurückblicke und mir sage; „Hey, das ist `ne geile Sache, ich habe eine CD mit meinen eigenen Songs gemacht!“ Für mich war es ein großer persönlicher Erfolg.

In Control / Frontfrau Julie:

Für mich persönlich ist die EP wie meine ersten Tattoos, weil sie einen Teil meiner Geschichte erzählt und die Songs haben In Control über so viele schöne Jahre begleitet, sodass ich keinen mehr missen möchte. Andererseits sind die neuen, Songs sowie Tattoos, technisch und künstlerisch viel versierter. Jede Geschichte braucht aber eben auch einen Anfang und einen Grundbaustein für alles, was da ist und noch kommen wird.

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr arbeitet gerade an eurem ersten Album. Könnt ihr dazu schon etwas sagen, was haben wir zu erwarten und wann können wir damit rechnen?

In Control / Frontfrau Julie:

Einige unserer Songs, die wir schon auf der Tour dabei hatten, werden wir definitiv, eventuell etwas abgeändert, auf das Album packen. Ansonsten befinden wir uns gerade in einer kreativen Phase, scheuen das Tageslicht und arbeiten neues Material aus. Wann es so weit ist …, gute Frage …, hoffentlich sehr bald.

In Control / Daniel Wikenhauser:

Manchmal gibt es so etwas wie echte Magie im Proberaum, wenn wir jammen und plötzlich ein neues Lied entsteht. Manchmal brauchen wir Monate, wenn nicht sogar Jahre, bis die zündende Idee kommt. Es ist also sehr schwierig zu sagen, wann wir fertig sind. Wir lassen uns nicht hetzen und gehen sorgfältig an die Sache ran.

Time For Metal / Andreas F.:

Oje, das hört sich an, als müsstet ihr eventuell noch sehr lange das Tageslicht scheuen müssen. Wie entsteht eure Musik? Schreibt ihr die Songs im Kollektiv, oder wie seid ihr da aufgeteilt?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Im Normalfall schreiben wir die Songs im Kollektiv. Irgendjemand bringt eine Idee für ein Riff, eine Akkordfolge, oder eine Gesangsmelodie mit und wirft es in den Ring. Dann wird die Idee durch die Mangel gedreht und jeder gibt seinen Senf dazu. Dann überarbeiten wir alles noch einmal und schreiben es auf. Ja, wir schreiben die Songs tatsächlich auf. Das hilft ungemein, um Harmonien oder Rhythmen, b. z. w. Fehler darin zu erkennen. Manchmal gehen Fehler im Proberaum ganz einfach unter, weil man nicht alles haargenau hören kann, schon mal gar nicht, wenn man mit spielen beschäftigt ist. Ist aber alles aufgeschrieben, können wir es uns noch mal anhören und gegebenenfalls etwas ändern. Die Texte kommen eigentlich immer von Julie und sie ist auch immer fleißig im Vorlauf und hat immer einen Text parat, den sie aus dem Hut zaubern kann.

Time For Metal / Andreas F.:

Wovon handeln eure Texte und wie entstehen die? Basieren sie auf persönlichen Erfahrungen / Einstellungen, wollt ihr mit den Texten etwas vermitteln, oder werden doch eher die typischen Klischees abgearbeitet?

In Control / Frontfrau Julie:

Musik ist und war schon immer mein Ventil. Persönliche Erfahrungen und Begebenheiten, die mich prägen und/oder geprägt haben, können somit auf besondere Art und Weise verarbeitet werden. Wenn sie dann noch von der instrumentalen Fraktion musikalisch abgeholt und live auf der Bühne performt werden, gibt es nichts Größeres für mich.

Time For Metal / Andreas F.:

Female Fronted Bands haben ja allein aus optischer Sicht oft einen Vorteil. Frauen sind aber bei einigen Metalheads noch immer nicht so gerne im hardrockenden Geschäft gesehen und werden leider immer noch oft als Aushängepüppchen abgetan, mit denen man leichter Aufmerksamkeit erregen kann. Was habt ihr da für Erfahrungen gemacht?

In Control / Frontfrau Julie:

#isso #metoo #sexismus #kurwa – Haha, Spaß beiseite! Ich glaube, dass es tatsächlich schwieriger ist, das Publikum ernsthaft für die Musik zu begeistern. Da bekommt man dann doch öfter mal eine abfällige und vorurteilsbelastete Bemerkung im Sinne von „Tittenbonus!“ zu hören. Umso schöner ist es dann, wenn dann Metal-Kuttenträger ernsthaft unsere Musik feiern und die Texte mitgröhlen.

In Control / Daniel Wikenhauser:

Man merkt schon an der Fragestellung, dass die Musikszene ein enormes Problem mit Sexismus hat. Es gibt nun wirklich keinen Grund, Frauen in irgendeiner Weise abzuwerten und auf ihr Aussehen zu reduzieren. Aber das ist ein allgemeines gesellschaftliches Problem, das nur gelöst werden kann, wenn die Männer dieser Welt endlich mal begreifen, dass Frauen ihnen in nichts nachstehen. Ich habe schon so viele Frauen gesehen, die wesentlich besser Gitarre spielen als wie ich. Schau dir z. B. Nita Strauss oder Orianhti an. Auch Taylor Swift ist eine richtig gute Gitarristin, obwohl man das von einem Popstar nicht unbedingt erwartet. Da können sich viele Männer eine Scheibe abschneiden!

Time For Metal / Andreas F.:

Oha, eine klare Ansage an die Männerwelt, die jetzt mal beide Lauschlappen auf Empfang stellen sollten. Für mich eine Steilvorlage …, Julie ist auf der Bühne ein kleiner Wirbelwind, der keine Sekunde still stehen kann, quasi eine richtige Rampensau, die alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Herren der Schöpfung stehen dadurch immer in der zweiten Reihe, wie ist das für euch?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Julie ist eben die Frontfrau. Es ist ihr Job, vorne zu sein, und das macht sie auch sehr gut. Zwar wundere ich mich auch immer, dass sie bei ihrem Herumgehüpfe noch nie von der Bühne gefallen ist … (lacht). Äh, doch, es ist ihr tatsächlich schon einmal passiert … (lacht). Ich denke, dass die Leute, die wirklich interessiert sind, auch auf die anderen, sprich auf uns, achten. Ich meine, es ist doch bei extrem vielen Bands so, der Sänger, oder die Sängerin, ist der-/ diejenige Person, die bei den Leuten im Gedächtnis bleibt. Das ist schon okay so, solange sich die Leute an In Control erinnern, aber dafür sorgt die Julie schon …

Time For Metal / Andreas F.:

Bei euren Auftritten fallen immer zuallererst eure Outfits auf. Während die männlichen Bandmember oft schick im Anzug aufspielen, was ja im Rock-Business auch nicht so alltäglich ist, betritt Julie immer in wechselnden und sehr auffallenden Outfits, wie z. B. als Nonne, oder als blutverschmierte Braut, die Bühne. Wer ist bei euch der kreative Kopf, der sich all das einfallen lässt und was hat es damit auf sich?

In Control / Frontfrau Julie:

Hihi, i bims vong Kreativitätigkeit her. Haha …! Was die Jungs angeht, würde ich mal behaupten, dass Mike, unser Drummer, den Rest beeinflusst hat, da dieser von Anfang an sehr stilvoll gekleidet hinter dem Schlagzeug saß. Bühnenshow-technisch ergreife ich meistens die Initiative – da sprudeln die Ideen nur so aus mir heraus. Budget und Bühnengröße bremsen mich aber leider des Öfteren aus. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass einige meiner Outfits und Make-ups durch das kreative Talent von Nati entstanden sind. Die Frau ist einfach unfassbar genial! Ohne sie würde ein wichtiger Teil von uns fehlen …

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr spielt auffallend oft gemeinsam mit den Düster-Rockern Scarcrow aus Donaueschingen. Was verbindet euch und wie kommen die häufigen Gigs zustande?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Wir haben uns bei einem Bandcontest kennengelernt und haben uns gleich extrem gut verstanden. Mittlerweile wurden wir zu richtigen Freunden. Ich habe noch nie eine so entspannte und unkomplizierte Truppe wie die Jungs von Scarcrow erlebt. Das geht schon los beim Teilen der Backline. Beide Bands wissen einfach, wie bereichernd es ist, sich keinen Stress miteinander geben zu müssen. Man muss nicht fragen, ob mal jemand beim Aufbau des Equipments helfen kann. Man greift einfach zu und hilft beim Auf- und Abbau …, es ist ein echtes Hand-in-Hand-Arbeiten. Was die Konzerte angeht, war klar, dass beide Bands mal so richtig auf Tour gehen wollten, alleine trauten sich aber nicht so richtig. Also haben wir es zusammen gemacht und organisieren auch weiterhin gemeinsam Konzerte. Wir passen auf der Bühne einfach gut zusammen, ohne wirklich ähnlich zu sein. Und die Partys nach den Konzerten sind einfach großartig.

In Control / Frontfrau Julie:

Die Jungs sind nicht nur unheimlich talentiert in dem, was sie tun, sondern lieben es zudem, das Publikum mit ihren geilen Shows für sich zu gewinnen. Das hat mich von Anfang an fasziniert. Umso schöner ist es, diese geilen Typen Freunde nennen zu dürfen. Und das sind sie wirklich! Egal zu welcher Uhrzeit, die Krähen sind immer für uns da. Muchos love ihr Säcke!

Time For Metal / Andreas F.:

Okay, ihr spielt bisher eher auf kleineren Events, aber da erlebt man euch immer als sehr publikumsnahe Band. Ihr bewegt euch vor und nach den Auftritten locker und ungezwungen, seid immer zu Smalltalk, Fotos, Autogrammen bereit. Für viele kleine Bands ist das völlig selbstverständlich, für euch offenbar auch. Viele große Bands wie z. B. Kissin` Dynamite, Kiss, Metallica und Devin Townsend lassen sich solche Extras mittlerweile ordentlich bezahlen. Wie seht ihr solche Entwicklungen und wie steht ihr zu den V. I. P.-Tickets und bezahlten Meet & Greets?

In Control / Frontfrau Julie:

Wer vergessen hat, weshalb er so groß geworden ist, hat die wahre Liebe zur Musik eventuell an den Profit verloren.

In Control / Daniel Wikenhauser:

Ich kann schon verstehen, dass man sich so etwas bezahlen lässt, denn auch die großen Bands bekommen knallharte Konditionen in ihren Verträgen vorgesetzt. Da muss man sich neue Wege einfallen lassen, um Geld verdienen zu können. Allerdings ist es für Fans, die eventuell schon seit Jahren CD´s, Merch und Konzerttickets kaufen, ziemlich frustrierend, wenn sie jetzt auch noch für Autogramme und ein Foto ordentlich in die Tasche greifen müssen, während es früher solche Dinge umsonst gab. Aber ich mache mir keine Gedanken darüber, so etwas für In Control einzuführen.

Time For Metal / Andreas F.:

Na, da können eure Fans ja durchaus noch ruhig schlafen. Aber auch das Konzertverhalten der Menschen hat sich in den letzten Jahren maßgeblich geändert. Die Leute sind bereit, für Tickets der bekannten Acts wie Metallica, Kiss, Slayer und Iron Maiden teils utopische Summen zu zahlen, sind aber kaum noch bereit 20 Euro für ein kleines Klubkonzert mit drei Undergroundbands zu zahlen. Und während des Konzertes sind viele damit beschäftigt, durch das Display ihres Handys zu glotzen, um ein verwackeltes Video mit miesem Sound aufzunehmen, anstatt das Konzert zu genießen und der Band etwas zurückzugeben. Wie bewertet ihr solches Verhalten?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Diese Entwicklung ist natürlich sehr, sehr schade. Das macht es für neue Bands natürlich völlig unmöglich, jemals von der Musik leben zu können. Die Streamingdienste mit ihren utopischen Verträgen tun ihr übriges dazu. Von Audioverkäufen kann man nur noch leben, wenn man millionenfache Streams einfährt. Für uns unmöglich. Ich habe in meinem Leben viele große und kleine Bands gesehen. Manche Undergroundbands waren einfach beeindruckend und zeigten, dass die Leute da auf der Bühne eine große Leidenschaft hatten, für das, was sie da machten. Es ist dann extrem frustrierend, wenn man vor leeren Klubs spielen muss, oder die Leute kein echtes Interesse an der Musik haben. Es macht wirklich keinen Spaß, wenn man nicht einmal mit Aufmerksamkeit belohnt wird und die Leute es absolut nicht würdigen, wenn man sich den Arsch aufreißt und eine gute Show bietet.

Time For Metal / Andreas F.:

Geht ihr privat auch auf Konzerte und wenn ja, welche Bands bevorzugt ihr da?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Klar, große Festival genauso gerne wie normale Konzerte. Ich mag Livemusik einfach. Es ist immer ein ganz anderes Gefühl, als sich die Bands zu Hause anzuhören. Natürlich schaue ich mir gerne die Bands an, die mir selbst gut gefallen, Alter Bridge, Dream Theater und Rammstein bieten immer eine gute Show. Manchmal wage ich auch Experimente und schaue mir Bands an, die ich bis dahin nicht wirklich verfolgt habe, Walk Off The Earth zum Beispiel, eine großartige Liveband!

In Control / Frontfrau Julie:

Na, aber sicher doch. Es gibt nichts Geileres, als sich live Konzerte anzuschauen. Das bedeutet für mich auch immer Inspirationen einzufangen. Ich liebe es, mich zu bewegen, da ist Musik einfach die Basis für fast alles. Ob große Festivals oder kleine Juze`s um die Ecke – Hauptsache live und echt! Meine persönlichen Dauerbrenner hier um die Ecke sind natürlich Scarcrow, Remain A Mystery, Unredd, Pat West und The Lionhearts.

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr könnt aus den Vollen schöpfen, wie würde eure Wunschtour / Festivalauftritt aussehen und mit welchen Bands würdet ihr dort gerne spielen? Lieber großes Festival, oder doch Klubtour?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Geil wäre natürlich eine Tour in Amerika oder Asien, das wäre schon ein großer Erfolg für uns. Aber Festivals in Europa zu spielen wäre auch super. Völlig egal wo, Hauptsache auf der Bühne stehen. Wobei Klubtouren natürlich auch viel Spaß machen können, ich bin da völlig offen. Ob ich mich allerdings trauen würde, mit Größen wie Slash oder Alter Bridge auf die Bühne zu gehen, weiß ich nicht. Es wäre jedenfalls ziemlich abgefahren …

In Control / Frontfrau Julie:

Egal was oder wo, eines wäre sicher, ich würde die Jungs von Scarcrow überall hin mitnehmen!

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr seid ja nun als Band schon einige Jahre aktiv, was würdet ihr ändern, wenn ihr im Musikbusiness was zu sagen hättet?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Definitiv die Verhältnisse, wenn es um das Marketing geht, denn Musiker sollten auch von ihrer Kunst leben können. Und diese blöden Castingshows würde ich allesamt abschaffen …, ganz ehrlich, wer braucht das? Nur die Produzenten, die mit der Hoffnung der Leute spielen und sie gnadenlos ausnutzen, um die Geldmaschinerie am laufen zu halten.

In Control / Frontfrau Julie:

Jugendzentren und Live-Musik-Locations finanziell unterstützen, da die allermeisten Mitarbeiter, darunter auch die Tontechniker, auf ehrenamtlicher Basis arbeiten. Einfach nur, um Undergroundbands eine Bühne bieten zu können, die für mich die wahren Helden sind, was jedoch viel zu selten anerkannt wird. Grüße ans Bokle, You Rock Emmendingen, Grusy Emden, Schlosskeller Emmendingen und all die anderen tollen Leute da draußen!! Zudem würde ich jeder Band Bühnenwasser zur Verfügung stellen und diese doofe GEMA abschaffen.

Time For Metal / Andreas F.:

Welche Highlights aus eurer bisherigen Bandgeschichte sind euch besonders im Gedächtnis geblieben und woran denkt ihr nicht so gerne zurück?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Da muss ich direkt daran denken, wie unser Proberaum nach einem Sturm mal unter Wasser stand. Das war ziemlich beschissen, aber zum Glück ist nicht allzu viel passiert. Aber ich glaube, das Dämlichste, was uns je passiert ist, war, dass man uns auf der Bühne den Strom abstellte, weil wir nicht weiterspielen durften. Es hieß, der Zeitplan müsse eingehalten werden, dabei passierte nach uns dreißig Minuten lang nichts mehr auf der Bühne. Das war schon echt mies! Das Schönste war, glaube ich, als wir unsere erste signierte CD übergeben durften. Das war grandios. Was mir allerdings im Gedächtnis bleiben wird, ist der Abschluss unserer Tour in diesem Jahr, denn das Konzert in Selb beim Rockclub Nordbayern war einfach großartig. So liebe Menschen, die so hingebungsvoll arbeiten, um kleinen Bands eine Möglichkeit zu bieten, findet man immer seltener.

In Control / Frontfrau Julie:

Highlights waren definitiv unsere Touren. Was man da so alles erlebt, ist einfach unbeschreiblich. Vor allem, wenn man diese unbeschreibliche Zeit mit Freunden teilen kann – was gibt es Schöneres?! Zudem bin ich immer noch begeistert von meinem Patenkind, welches stundenlang für unser EP-Cover gemodelt hat und wenn sie dann noch ganz stolz unsere Musik hört, dann bin ich so was von glücklich! Ich könnte noch so viele Geschichten auspacken …, aber dann werden wir heute Abend nicht mehr fertig. Negative Erfahrungen gibt es natürlich auch immer – manche Veranstalter sind so unfreundlich, dass sie einem das Bühnenwasser aus der Hand reißen, wenn man es mit von der Bühne nimmt, weil sie befürchten, man könnte das Pfand klauen. Andere wiederum sprechen kein Wort mit dir, und erst durch die Kommunikation mit den Local Bands vor Ort erfährt man den geplanten Ablauf. Zum Glück überwiegen aber immer die positiven Momente …

Time For Metal / Andreas F.:

Steht in 2019 noch irgendein Highlight an, auf das ihr euch als Band besonders freut?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Nicht direkt. Wir haben noch ein paar wenige Konzerte geplant und werden ansonsten den Rest des Jahres mit Songwriting beschäftigt sein. Ich freue mich schon sehr auf die Ergebnisse, denn die ersten Ideen sind bisher ganz spannend.

In Control / Frontfrau Julie:

Ich freue mich schon jetzt riesig auf die Überarbeitung der Bühnenshow. Das gemeinsame kreativ sein ist immer mit viel Herzblut verbunden. Ich liebe es!

Time For Metal / Andreas F.:

Manche Bands träumen ja davon, einmal im Leben in Wacken zu spielen. Wovon träumt ihr, b. z. w. welche Hürden würdet ihr gerne in nächster Zukunft nehmen?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Wacken wäre schon geil! Aber die nächste Hürde wird erst einmal das Album sein, an dem wir gerade arbeiten. Das verlangt mehr als genug Energie von uns. Mein persönlicher Traum ist allerdings, einmal ein Konzert auf jedem Kontinent zu spielen. Das wäre mit Sicherheit eine spannende Reise …

In Control / Frontfrau Julie:

Weiterhin touren, das wäre mein Traum, denn ich bin wirklich nach jeder Tour etwas deprimiert, da es dann wieder zurück in die Realität geht.

Time For Metal / Andreas F.:

Ich bin mit meinen Fragen soweit durch, aber gibt es etwas, was ihr den Time For Metal-Lesern zum Schluss noch sagen wollt?

In Control / Daniel Wikenhauser:

Keep on rockin` und supportet kleine Bands. Auch Metallica und die Beatles haben einmal sehr klein angefangen. Wenn keiner mehr zu den Konzerten geht, werden die kleinen Bands bald aussterben. Genauso die Klubs, in denen man Konzerte spielen kann. Geht zu den Konzerten, habt Spaß, genießt es, lasst es auf euch wirken. Davon habt ihr mehr als von schlechten Handyvideos!

In Control / Frontfrau Julie:

Vielen Dank, hat uns wirklich sehr gefreut! Da gibt es an dieser Stelle wohl nur noch einen Insider rauszuhauen: Stay true and don`t talk to the showers!

Time For Metal / Andreas F.:

Ich habe zu danken. Super, das ihr euch die Zeit genommen habt und so ehrlich wart.

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