Dunkle Rückkehr aus dem Untergrund
Am 23.01.2026 ist Revered By Death, das zweite Album von Karloff, beim deutschen Undergroundlabel Dying Victims Productions erschienen. Veröffentlicht wurde das Werk sowohl auf CD als auch auf Vinyl, wobei Sammler zwischen schwarzem und rotem Wachs wählen können (am besten natürlich beides). Inhaltlich wie klanglich fügt sich diese Veröffentlichung nahtlos ins Portfolio des Labels ein – roh, düster und frei von jeglichem Anbiederungswillen.
Verdichtung statt Neuerfindung
Mit Revered By Death setzen Karloff genau dort an, wo der Vorgänger The Appearing aufgehört hat, verschärfen jedoch die Atmosphäre spürbar. Der ohnehin schon schwere Metalpunk des Debüts wirkt nun noch zäher, dunkler und emotional ausgezehrter. Die Songs sind langsamer, schleppender und tragen eine depressive Grundspannung in sich. Gitarrist und Sänger Tom Horrified, der weiterhin Rhythmus- und Leadgitarre gleichermaßen bedient, lässt die Riffs nicht mehr hetzen, sondern bewusst lasten, wie ein stetig wachsender Druck auf Brusthöhe. Entscheidend für diese Entwicklung ist wohl auch die personelle Veränderung innerhalb der Band. Mit Bassist 733, der neu zum ursprünglich als Duo agierenden Kern gestoßen ist, sind Karloff erstmals zum Trio angewachsen. Gemeinsam mit H. T. Steinbrecher am Schlagzeug sorgt diese erweiterte Rhythmussektion für mehr Tiefe und Gewicht und verdichtet das Material spürbar.
Zwischen Studio-Düsternis und Live-Wucht
Dass Karloff diese Schwere nicht nur im Studio, sondern auch auf der Bühne transportieren können, konnte ich selbst bereits mehrfach erleben – unter anderem beim Hoflärm sowie beim Culthe Festival. Jedes Mal war es genau diese rohe, kompromisslose Live-Energie, die einen förmlich mitgerissen hat. Revered By Death trägt viel von diesem Gefühl in sich: Die Songs wirken, als seien sie weniger konstruiert als vielmehr aus dem Moment heraus entstanden, direkt, ungefiltert und körperlich spürbar.

Pic by Big Simonski
Klang zwischen Punk, Sludge und Post-Punk-Finsternis
Auffällig sind die verstärkt eingesetzten Chorus- und Hall-Effekte auf den Gitarren, die dem Material eine kalte, entrückte Note verleihen. Dadurch öffnen sich Karloff stilistisch leicht in Richtung Post-Punk, ohne ihre punkige DNA zu verleugnen. Besonders der instrumentale Track On Weathered Altar profitiert von dieser Herangehensweise und zeigt die Band von ihrer atmosphärischsten Seite.
Tom Horrifieds Gesang bleibt weiterhin ein zentraler Fixpunkt. Sein raues, verbittertes Organ, irgendwo zwischen Grollen und gesprochenem Nihilismus, fügt sich perfekt in die trostlose Grundstimmung ein. Inhaltlich geht es weniger um Provokation als um das sezierende Offenlegen menschlicher Abgründe.
Monotonie als Stilmittel
Der fast sechsminütige Longtrack When The Flames Devour You All bringt die Essenz von Karloff besonders deutlich auf den Punkt: schleppende Gewalt, dreckige Energie und eine konsequent durchgezogene Hoffnungslosigkeit. Einziger Wermutstropfen auf diesem Album ist die kurze Laufzeit von knapp 30 Minuten, weil das genau meins ist, was auf Revered By Death abgeht. Da hätte doch noch mehr draufgepasst!
Hier! geht es für weitere Informationen zu Karloff – Revered By Death in unserem Time For Metal Release-Kalender.



