Mahlstrom Open Air 2026 am 12. und 13. Juni 2026 am Herthasee, Holzappel – Tag eins

Der erste Tag: Freitag, 12. Juni 2026

Seine ersten Sporen verdiente sich das noch junge Mahlstrom Open Air bereits mit seinem Debüt im Jahr 2018. Schon ein Jahr später konnte die zweite Ausgabe den gelungenen Einstand sogar noch übertreffen. Wie so viele andere Veranstaltungen fiel das Festival 2020 der Corona-Pandemie zum Opfer. Umso bemerkenswerter war die Rückkehr 2021: Unter strengen Auflagen gelang es den Veranstaltern dennoch, ein Festival am Herthasee auf die Beine zu stellen, das sämtliche Erwartungen sprengte. Nicht nur das Wetter spielte mit – auch die Fans strömten in Scharen nach Holzappel und unterstützten das Festival eindrucksvoll.

Impressionen, Mahlstrom Festival 2026. Pic by Big Simonski

Seit vielen Jahren begleiten wir von Time For Metal das Mahlstrom Open Air. Nach den Pandemie-Jahren entwickelte sich die Veranstaltung kontinuierlich weiter und hat sich mittlerweile einen festen Platz in der deutschen Festivallandschaft erarbeitet. Musikalisch liegt der Schwerpunkt auf Black Metal, Pagan Metal und Viking Metal, dennoch bleibt immer genügend Raum für stilistische Ausflüge in angrenzende Genres.

Bereits der Donnerstag fungiert traditionell als Warm-up. Mit der Öffnung des Campingplatzes und ersten Konzerten auf dem Infield beginnt das Festivalwochenende entspannt und vor allem kostenlos – ein Angebot nicht nur für Festivalgäste, sondern auch für Wanderer und spontane Besucher.

Regen, Leidenschaft und ganz viel Herzblut am Herthasee – der erste Tag: Freitag, 12. Juni 2026

Für uns beginnt das Festival allerdings erst heute, am Freitag. Verpflichtungen verhindern leider die Anreise zum Tagesbeginn, weshalb wir den Opener Magefa verpassen.

Astral Spectre eröffnen im Regen

Pünktlich zum zweiten Act Astral Spectre erreichen wir den Herthasee und das Festivalgelände. Das Trio präsentiert einen atmosphärischen Mix aus traditionellem Heavy Metal mit deutlichen Black-Metal-Einflüssen. Hinter dem Projekt steckt mit Tenebros ein Multiinstrumentalist, der sich live von Befana (Gitarre, Klarinette und Mandoline) sowie Moroi am Schlagzeug begleiten lässt. Gemeinsam spielen die drei Nagolder Musiker zudem bei Mournful Winter. Während ihres Auftritts macht das Wetter seinem wechselhaften Ruf alle Ehre: Immer wieder ziehen kräftige Regenschauer über das Festivalgelände. Doch weder Band noch Publikum lassen sich davon beeindrucken.

Astral Spectre, Mahlstrom Festival 2026. Pic by Big Simonski

Nach den ersten Begrüßungen vieler alter Bekannter wartet bereits die erste große Überraschung des Tages auf uns.

Wesen – der Geheimtipp des Tages

Mit Wesen betritt eine Band die Bühne, die ich zuvor überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Die erst 2024 gegründete Melodic-Black-Metal-Band aus Tirol überzeugt vom ersten Ton an. Obwohl bislang lediglich das Debütalbum Abwesend erschienen ist, wirkt das Quintett erstaunlich eingespielt und souverän.

Wesen, Mahlstrom Festival 2026. Pic by Big Simonski

Vor allem die beiden Perchta-Musiker Lukas Massinger und Simon Schmückel prägen den charakteristischen Sound der Band. Nach diesem beeindruckenden Auftritt führt der Weg direkt zum Merchstand – die Vinyl-Ausgabe von Abwesend muss einfach mit nach Hause.

Agrypnie liefern die erwartete Klasse

Als Nächstes übernimmt Torsten, besser bekannt als Der Unhold, die Bühne. Spätestens durch Nocte Obducta dürfte der Hesse jedem Black-Metal-Fan ein Begriff sein. Auch als Live-Gitarrist von Harakiri For The Sky war er bereits unterwegs.

Agrypnie, Mahlstrom Festival 2026. Pic by Big Simonski

Mit seinem Soloprojekt Agrypnie entfacht er eine dichte Atmosphäre aus Progressive- und Post-Black-Metal. Düster, intensiv und emotional entfalten sich die Songs über dem Festivalgelände, während der Wind die Melodien über den Herthasee trägt. Agrypnie gehören zweifellos zu den musikalischen Schwergewichten des Tages und liefern genau die Qualität, die man von ihnen erwartet.

Desaster – kompromisslos wie eh und je

Danach folgt für mich ein Wiedersehen mit meinen Freunden von Desaster, die ich kurz zuvor bereits Backstage begrüßen durfte. Dabei fiel scherzhaft der Satz, dass ich die Koblenzer wohl noch nie bei Tageslicht gesehen hätte. Tatsächlich beginnt ihr Set ungewöhnlich früh, da die Band bereits am nächsten Tag beim nächsten Festival auf der Bühne stehen muss.

Desaster, Mahlstrom Festival 2026. Pic by Big Simonski

Seit 1989 gehören Desaster zur absoluten Speerspitze des deutschen Black- und Thrash-Metals. Mit Kill All Idols erschien im vergangenen Jahr ihr aktuelles Album, das selbstverständlich ebenfalls seinen Platz in der Setlist findet. Zu diesem Anlass hatte ich ein Interview (hier) mit Infernal gemacht.

Kaum betreten Infernal, Odin, Sataniac und Hont die Bühne, wird klar, dass jetzt keine Kompromisse mehr gemacht werden. Ohne große Ansagen entfesselt das Quartett einen brachialen Sturm aus Black, Thrash und Speed Metal. Die ersten Reihen vor der Bühne versinken förmlich im Chaos. Headbanger, Circlepits und fliegende Haare bestimmen das Bild. Ein Höllenritt, wie ihn wohl nur Desaster entfachen können.

Vogelfrey sorgen für den Stilbruch

Nach dieser brachialen Abrissbirne folgt der größtmögliche Kontrast. Vogelfrey aus Hamburg bringen ihren augenzwinkernden Folk Metal auf die Bühne und machen mit ihrem aktuellen Motto „Make Mittelalter Great Again“ schnell klar, dass hier der Spaß im Vordergrund steht. Und das sowohl auf als auch vor der Bühne.

Vogelfrey, Mahlstrom Festival 2026. Pic by Big Simonski

Und tatsächlich funktioniert dieser Stilwechsel erstaunlich gut. Wo eben noch Nackenwirbel strapaziert wurden, wird nun getanzt, geschunkelt und gefeiert. Das Publikum nimmt den Wechsel dankbar an. Auf der Bühne tummeln sich eine Menge Musiker/innen mit ihren Instrumenten. Mit dabei: E‑Geige und E-Cello.

Aephanemer begeistern auf ganzer Linie

Mit Aephanemer aus Toulouse folgt die nächste positive Überraschung des Tages. Die Symphonic-Melodic-Death-Metal-Band um Frontfrau, Sängerin und Gitarristin Marion Bascoul beeindruckt mit technischer Präzision, großen Melodien und einer enormen Bühnenpräsenz. Seit 2013 stehen vier Alben auf der Habenseite. Ich hätte mir gerne etwas auf Vinyl mitgenommen, allerdings sagte man mir: „Sorry, Vinyl is sold out!“

Viele Besucher dürften die Franzosen zuvor kaum gekannt haben. Nach diesem Auftritt dürfte sich das schlagartig geändert haben. Der Andrang und die Schlange an Fans am Merchstand sprechen jedenfalls Bände.

Aephanemer, Mahlstrom Festival 2026. Pic by Big Simonski

Harakiri For The Sky setzen den Schlusspunkt

Zum Abschluss wartet schließlich der Headliner des Freitags: Harakiri For The Sky. Passend zum emotionalen Charakter ihrer Musik öffnen sich erneut die Himmelsschleusen. Doch Regen scheint an diesem Abend niemanden zu interessieren.

Die Wiener gehören seit Jahren zu den prägendsten Bands des modernen Post Black Metals. Besonders freue ich mich auf das Wiedersehen, nachdem ich die Band zuletzt vor rund drei Jahren live erleben und damals sogar mit M.S. (alle Instrumente) und Sänger J.J. ein Interview (hier) machen durfte. Live wächst das Duo zum Quintett an und liefert eine beeindruckende Performance. Große Gesten oder aufwendige Kostüme braucht diese Band nicht. Stattdessen sprechen die Musik und die Intensität für sich.

Harakiri Of The Sky, Mahlstrom Festival 2026. Pic by Big Simonski

Die melancholischen Harmonien, die emotionale Wucht und das ständige Wechselspiel zwischen Verzweiflung und Hoffnung ziehen das Publikum vollkommen in ihren Bann. Sänger J.J. (auch Frontmann bei Karg) schreit sich förmlich die Seele aus dem Leib, während M.S. und seine Mitmusiker eine monumentale Klangwand errichten.

Jede Bewegung wirkt authentisch, jeder Song sitzt. Über die gesamte Spielzeit hinweg beweisen Harakiri For The Sky eindrucksvoll, warum sie längst zur internationalen Spitze des Progressive- und Post-Black-Metals gehören. Im Anschluss nach dem Gig treffe ich beide Musiker noch kurz, um mich mit ihnen zu unterhalten.

Fazit des Freitags

Auch wenn das Wetter den Besuchern immer wieder nasse Kleidung beschert, kann es der Stimmung nichts anhaben. Das Mahlstrom Open Air beweist erneut, warum es sich innerhalb weniger Jahre einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. Familiäre Atmosphäre, ein hervorragend ausgewähltes Billing, Fannähe der Bands und ein Publikum, das jede Band gleichermaßen unterstützt, machen den Herthasee zu einem ganz besonderen Festivalort.

Persönliche Highlights sind zweifellos die Überraschungen Wesen und Aephanemer, die kompromisslose Machtdemonstration von Desaster sowie der emotional starke Abschluss durch Harakiri For The Sky.

Impressionen, Mahlstrom Festival 2026. Pic by Big Simonski