Artist: Desaster
Herkunft: Koblenz, Deutschland
Label: Metal Blade Records
Link: http://www.total-desaster.com/
Bandmitglieder:
Gitarre – Infernal
Gesang – Sataniac
Bass – Odin
Schlagzeug – Hont

Desaster sind am 22.08.2025 mit ihrem neuen Album Kill All Idols zurück! Also mal wieder Zeit, mit Mastermind Infernal ein Interview zu machen. Dieses Mal kommt er zu mir in meinen heimischen Gadda Da Vida auf 1, 2, 3 Astra Pils und es entwickelt sich ein wirklich langes Gespräch. Wer Infernal kennt, kann sich bestimmt vorstellen, dass es eine Freude ist, sich mit ihm zu unterhalten, und dass Humor dabei nie zu kurz kommt. Das Review zum neuen Album Kill All Idols bekommt ihr hier bei uns von Time For Metal demnächst natürlich auch! Hier das Interview:
Time For Metal / Juergen S.
Hallo Markus, schön, mal wieder ein Interview mit dir zu machen. Ich habe mal nachgeschaut: Seit 2017 machen wir alle vier Jahre ein Interview. Dieses hier ist nun unser drittes (ok, das vierte, wenn wir das Moontowers-Interview noch mitzählen). Und wie immer war es nicht so einfach mit der Terminfindung. Bist du viel beschäftigt?
Desaster / Infernal
Ja, doch tatsächlich (lacht). Man hat ja so seinen regulären Job, mit dem man Geld verdienen muss, um sich dann um die schönen Dinge im Leben kümmern zu können. Das sind Musik und Bier trinken. Ich habe ja noch ein paar andere Projekte nebenbei, außer Desaster.
Time For Metal / Juergen S.
Erzähl bitte welche.
Desaster / Infernal
Moontowers nach wie vor. Moontowers ist auch eine eigenständige Band, nicht nur ein Projekt oder sowas. Da proben wir sogar häufiger und regelmäßiger als mit Desaster. Und dann habe ich tatsächlich noch, als hätte ich nicht genug Arbeit und nichts zu tun, im Suff zugesagt, als Bassist noch bei einer Band einzusteigen. Das kam so: Wir haben eine Nachbarband im Proberaum, Doom Cult Commando heißen die, und Black Metal machen die. Die zwei Jungs haben gesagt, sie hätten keinen Bassisten. Und dann haben wir ein paar Bierchen getrunken, mitten in der Woche. Und zu später Stunde bin ich dann als Bassist eingestiegen. Das habe ich am nächsten Tag ein bisschen bereut. Aber die Jungs sind ganz entspannt, die sagen: Komm dazu, wenn du Zeit und Lust hast. Ich muss auch zugeben, die haben jetzt eine Demo rausgebracht, da hat der Gitarrist den Bass eingespielt. Ich bin als Live-Bassist dann dabei. Und ich freue mich immer, wenn ich mit den Jungs dann noch mal ein Bierchen trinken kann beim Proben.

pic by Big Simonski
Time For Metal / Juergen S.
Kann man denn schon mal ein Konzert mit denen sehen?
Desaster / Infernal
Wir hatten das Debüt-Konzert im Florinsmarkt schon zusammen mit Nocturnal. Da hatten wir dich auch eingeladen, du konntest aber leider nicht.
Time For Metal / Juergen S.
Ja, ich kann mich erinnern. Habe halt auch viel zu tun (lacht).
Desaster / Infernal
Das Konzert kam auch gut an. Manche konnten allerdings damit gar nichts anfangen. Also mit dem rohen Black Metal, das ist schon sehr harte Musik. Aber ich finde es total geil. Der Marc, der Haupt-Songwriter, der hat richtig geile Ideen. Und ja, ich habe echt viel zu tun. Dieses Jahr vor allem wegen zwei Produktionen. Ein neues Moontowers-Album kommt auch noch dieses Jahr. Und halt das neue Desaster-Album. Wir haben Ende letzten Jahres schon angefangen mit beiden Sachen. Mit dem Moontowers-Album sogar noch früher. Aber wir sind immer noch nicht fertig mit dem Album. Ende des Jahres, denke ich mal.
Time For Metal / Juergen S.
Letztes Jahr hattest du mit Desaster dein 35. Bandjubiläum. Wie fühlen sich 35 Jahre Desaster für dich an?
Desaster / Infernal
Ja, es fühlt sich gut an, es macht immer noch total Bock. Jedes Mal, wenn ich die Jungs im Proberaum treffe, sind die immer noch heiß. Vielleicht liegt es auch daran, dass es immer seltener wird, dass wir proben. Es sind eben auch andere Verpflichtungen da. Dann trifft man sich seltener, aber es ist richtig cool, wie ein Familientreffen. Man grillt zusammen, man trinkt ein bisschen was. Irgendwann macht man auch ein bisschen Musik. Der Spaßfaktor ist da. Wobei, Deaster ist keine Spaßband, denn da ist schon eine gewisse Ernsthaftigkeit beim Songwriting immer da. Das ist wirklich so wie eine Messe, die man dann zelebriert, wenn man zu den Instrumenten geht und die dann in die Hand nimmt. Dann kommt wirklich der Spirit, der Heilige Geist. (lacht). Hört sich wirklich bescheuert an, aber das ist so. Und wenn der Spirit nicht da wäre, dann würde alles scheiße klingen oder keinen Sinn mehr ergeben. Aber solange das so funktioniert und die Energie da ist, ist es geil. Unser Sänger sagt immer: Solange dieser Evil-Intent da ist, macht das doch weiterhin Spaß. Ich denke mal, wir haben ein gutes Album gemacht, weil immer noch so die Energie da ist.
Time For Metal / Juergen S.
Zum Album kommen wir gleich, zuerst aber noch ein paar andere Sachen: Was waren so die Höhepunkte in den letzten 35 Jahren? Gab es auch Tiefpunkte?
Desaster / Infernal
Der schlimmste Tiefpunkt für mich persönlich war, dass wir uns von unserem langjährigen Drummer trennen mussten. Vom Husky / Tormentor. Das war wirklich ein Tiefpunkt. Wenn du 22 Jahre zusammen Musik machst, und dann geht es halt leider nicht mehr. Das war schon eine Scheißsituation für uns. Da haben wir uns alle schlecht gefühlt. Aber es ging halt nicht mehr anders. Wir sind eine Band, die im Proberaum lebt. Wir können nicht per Internet proben, brauchen den persönlichen Kontakt, den Austausch, die Proben, das Zusammensein. Wir sind wirklich eine Gang. Das war wirklich einer der Tiefpunkte. Andere Tiefpunkte gab es manchmal, wenn man irgendwo im Ausland stundenlang unterwegs war und Bier getrunken hat. Das war manchmal wirklich anstrengend, das ganze Drumherum. Auf der Bühne ist es immer total geil. Die Fans, wenn die ausrasten. Das gibt einem so viel Energie.
Im März waren wir für vier Shows in Brasilien. Das war wieder so geil. Das Drumherum, das Reisen ist aber natürlich anstrengend, auch der Schlafmangel. Der Konsum, den man nebenbei noch betreibt. Das ist im Alter nicht mehr so einfach. (lacht) Das sind so die Tiefpunkte.
Höhepunkte gibt es natürlich viele. Ich werde nie vergessen, das erste Mal die eigene Vinyl-Scheibe auf den Plattenteller zu legen. Das war damals 1995, die Split-Single mit Ungod. Das war die erste Single von uns. Das war geil, die eigene Musik auf einer Schallplatte zu hören. Demos hat man zwar vorher schon gemacht auf Kassette. Aber eine Schallplatte auf Vinyl war noch einmal etwas anderes. Das Debütalbum physisch natürlich auch geil. Das waren die Highlights. Konzertmäßig muss ich die Konzerte in Brasilien, Südamerika nennen, aber auch in Osteuropa, wo die Leute noch richtig heiß sind auf die Musik. Da sind die Fans nicht so übersättigt, wie leider oft hier in unseren Gefilden. Die Leute zelebrieren dort ein Konzert, genau wie wir, weil es für uns auch immer was ganz Besonderes ist. Das ist wie so eine Messe, wo alle Spaß haben und abgehen.
Time For Metal / Juergen S.
Du bist das einzig verbliebene Urmitglied. Ein paar Besetzungswechsel gab es in der Historie zwar, allerdings ist aus meiner Sicht Desaster immer Desaster geblieben. Woran liegt das, deiner Einschätzung nach?
Desaster / Infernal
Gut, ich war natürlich immer schon der Haupt-Songwriter der Band. Ich will mich nicht selbst loben, aber ich war immer der Haupt-Ideengeber, der Antreiber der Band. Ich denke, deswegen gibt es da so einen Grundfaden. Und ich habe es immer geschafft, letztendlich Mitstreiter zu finden, die auch toll dabei sind. Wie gesagt, mit Husky das war wirklich traurig (ist jetzt sieben Jahre her). Aber auch jetzt mit Hont ist es richtig geil. Mit Hont haben wir jetzt auch wieder so eine perfekte Gang. Wir sind richtig coole Kumpels und haben unheimlich viel Spaß, wenn wir unterwegs sind, wenn wir uns zum Proben treffen und so weiter. Da gibt es kaum Reibereien.
Time For Metal / Juergen S.
Der letzte Besetzungswechsel war 2018 am Schlagzeug. Husky (hatten wir eben schon erwähnt) zog von Koblenz an die holländische Grenze und kümmerte sich um Asphyx und Sodom (auch schon wieder Geschichte). Es wurde in Teilen geunkt, das kann nicht gut gehen. Dann übernahm Hont die Sticks … Veni, Vidi, Vici kann man da allerdings nur sagen. Hont brachte mit seinem eigenen Drumspiel einiges in Desaster rein. Siehst du das auch so, dass Hont ein absoluter Aktivposten ist und Desaster noch mal etwas Drive gegeben hat?
Desaster / Infernal
Auf jeden Fall. Es war auch tatsächlich so, dass Hont am Anfang versucht hat, Husky zu imitieren, um die Fans nicht zu enttäuschen mit seinem Spiel. Aber wir haben ihn wirklich immer ermutigt, ruhig auch seine eigenen Ideen, seinen eigenen Stil reinzubringen. Das kann der Musik auf jeden Fall nur guttun. Er bringt meiner Meinung nach einen frischen Wind rein. Hont hat so eine andere Herangehensweise und ist immer gut drauf. Er ist ein richtiger Sonnenschein. Den habe ich noch nie mit schlechter Laune erlebt. Das ist wirklich toll, den Hont in der Band zu haben. Mit Husky war auch immer alles gut. Der Hont hat der Band wirklich noch mal so ein paar neue Elemente reingebracht. Gerade jetzt auf dem neuen Album. Das letzte Album hat er noch so ein bisschen Dienst nach Vorschrift gemacht. Aber wir haben ihn ermutigt, wirklich noch mal so ein bisschen mehr von sich selbst zu zeigen. Er hat ein paar innovative Sachen drin. Wenn ich dem beim Schlagzeugspielen zuschaue, denke ich, der ist ein Oktopus am Schlagzeug. Es ist echt unglaublich, ihm zuzuschauen. Und mit welcher Präzision, aber auch Härte, der da reinhaut, das ist der Hammer. Und der übt nicht. Wer übt, kann nichts (lacht). Der hat zu Hause gar kein Schlagzeug stehen oder so. Der kommt wirklich nur jeden Monat. Meistens schaffen wir es nur alle zwei Monate mal zu proben. Im Proberaum steht sein Kit. Und dann haut er da rein und man denkt, der probt jeden Tag.

pic by Big Simonski
Time For Metal / Juergen S.
Live macht ihr euch in deutschen Landen etwas rar, meist seid ihr am Wochenende irgendwo in Europa unterwegs. Keinen Bock mehr, große Festivals zu spielen? Anfragen sind doch bestimmt da! Ach so: Ihr hattet euch mal wieder nach Südamerika auf Tour begeben. Erzähl doch mal.
Desaster / Infernal
Klar, wir haben Anfragen ohne Ende, aber wir wollen natürlich auch nicht an jeder Steckdose spielen. Das haben wir nicht nötig, denn wir haben alle unsere Jobs und verdienen unser Geld mit anderen Sachen. Wir machen das Ganze wirklich nur aus Spaß. Spaß finde ich immer das falsche Wort. Aus Passion, so kann man vielleicht sagen. Da suchen wir uns wirklich die Gigs aus, noch nicht mal die, die am meisten Geld bringen oder so, sondern wo andere geile Bands spielen, die man selber gucken will. Oder Festivals, die eine geile Location haben, wo wir vielleicht noch nie waren. Wir waren froh, endlich mal in Frankreich spielen zu können, vor zwei Jahren. Wenn gute Angebote kommen, spielen wir auch gerne, aber wir spielen halt nicht so oft.
Wir spielen nur einmal im Monat, mehr als zwölf Konzerte gibt es von uns meistens nie im Jahr. Da wählen wir natürlich aus. Und klar, wir spielen auch gerne im Ausland, auch wenn wir da, wie gesagt, finanziell weniger positiv rauskommen. Ich will jetzt nicht sagen, dass wir drauflegen, es wird schon alles immer bezahlt. Wir könnten natürlich mehr Geld verdienen, wenn wir hier alle Festivals jedes Mal mitnehmen. Machen andere Bands ja auch, aber das ist nicht unser Ziel.
Im März dieses Jahres waren wir dann noch mal nach langer Zeit in Brasilien. Das war richtig geil. Ich habe mich am Anfang so ein bisschen gesträubt, weil es schon immer anstrengender wird, solch eine lange Reise zu machen. Man sitzt 15 Stunden im Flugzeug. Das ist für einen, der ein bisschen Flugangst hat, dann auch nicht so toll (lacht). Und wie gesagt, das ist immer sehr aufwendig. Aber ich habe mich dann noch mal breitschlagen lassen. Das hat sich gelohnt, das war super. Total geil, die Fans, die schon 2003, als wir das erste Mal in Brasilien waren, dabei waren und die wir wiedergetroffen haben. Die kamen an mit ihren Fotos und haben gesagt: „guck mal hier, das war hier vor über 20 Jahren. Du siehst viel älter aus als ich jetzt.“ Man hat geredet mit denen, Bierchen getrunken. Das war auch wieder ein Familienfest. Das war echt schön und cool.
Time For Metal / Juergen S.
Unser letztes Interview hatten wir in eurem Proberaum in Prüm anlässlich eures damals neuen Albums Churches Without Saints. Heute kommst du zu mir und hast wieder ein Album dabei. Wie ist der Titel und wann wird es veröffentlicht? Wie war der Songwriting-Prozess?
Desaster / Infernal
Genau. Ich glaube, es sind vier Jahre vergangen. Das neue Album heißt Kill All Idols und kommt am 22.08.2025 offiziell raus. Wir sind eigentlich immer permanent am Songwriten. Wir haben zum Beispiel, obwohl das Album noch gar nicht draußen ist, schon wieder einen neuen Song gemacht. Das ist für mich Sinn und Zweck, in einer Band zu sein. Es ist für mich eine Befriedigung, Songs zu schreiben. Irgendwann war es so weit, da hatten wir zehn Songs fertig. Und dann haben wir das natürlich dem Plattenlabel mitgeteilt. Klar, ein Album ist immer sehr willkommen bei Metal Blade.
Time For Metal / Juergen S.
Kann man jetzt sagen: Die Heiligen haben die Kirche verlassen und killen jetzt ihre Idole? Erzähl mal, um welche Idole handelt es sich? Was sind die Themen des Albums?
Desaster / Infernal
Ja, also jetzt muss ich mich ein bisschen outen. Wir haben jahrelang vorgegeben, dass wir die bösen Satanisten sind! Das sind wir gar nicht. Das neue Album, man darf es fast gar nicht in den Mund nehmen, hat schon gesellschaftskritische Anwandlungen. Um es jetzt ernsthaft zu sagen: In der Vergangenheit waren wir sehr klischeebehaftet, was die Texte anging. Wir hatten Songs wie Devil’s Sword, dem Teufel sein Schwert. Da hatte man auch ein bisschen Fantasy drin, weil die Bibel, in der die Hölle und der Teufel vorkommen, ja nichts anderes ist Lord Of The Rings und das ist ein Fantasybuch. Und natürlich haben wir dazu auch Songs gemacht. Heutzutage bevorzugt unser Sänger lieber reale Themen. Die wirkliche Hölle, die reale Hölle, die findest du hier auf der Erde. Das ist sie ja im Moment, guck dich um, mach dir die Nachrichten an. Was da täglich abgeht, das wird immer schlimmer. Und unser Sänger ist tatsächlich eigentlich ein lustiger, umgänglicher, positiver Typ, aber in seinen Texten doch sehr pessimistisch. Er sagt, wir werden uns wahrscheinlich in absehbarer Zeit selbst zerstören. Der Erde wird es egal sein, die wird irgendwie überleben. Irgendwann regeneriert sich die Natur, die wir ja auch kaputtmachen. Aber wenn es uns nicht mehr gibt, so wie die Dinosaurier, wird alles wieder besser.
Time For Metal / Juergen S.
Wie lange war dieses Mal der Prozess der Entstehung des Albums bis zur Veröffentlichung? Wie ist es entstanden?
Desaster / Infernal
Wir sind ja immer kontinuierlich im Songwriting. Und direkt nach der Veröffentlichung von Churches Without Saints haben wir wieder neue Songs geschrieben. Da wir heutzutage nur noch sehr, sehr selten proben, dauert halt alles immer so ein bisschen, bis so ein Song dann letztendlich fertig ist. Die Songs entstehen bei den Proben. Ich habe da immer meine Riffideen, dann setzt der Hont am Schlagzeug ein. Dann sagen die anderen: Ja, das ist geil, oder: Das ist vielleicht noch nicht so gut, das könnte mal wiederholt werden, das ist zu viel, usw.
Und so entstehen die Songs wirklich zusammen im Proberaum. Im Anschluss werden die Texte geschrieben, der Bass schreibt seine Linien. So entstehen die Songs. Da die Proben selten stattfinden, dauert dieser ganze Songwriting-Prozess unheimlich lang und es wird auch unheimlich anstrengend, bis du zehn neue Songs hast. Du probst natürlich auch noch dein Live-Set ein. Dann werden die Proben immer länger und immer aufwendiger und immer schwieriger. Man kommt kaum noch zum Trinken, das ist dann sehr schlecht. Da entstehen auch keine Songs mehr. Also, du siehst, es ist ein Dilemma, es ist ein Desaster (lacht). Und deswegen kann es sein, ich will jetzt nicht beschreien / never say never, aber vielleicht ist Kill All Idols das letzte Desaster-Album, weil eben der Aufwand, ein ganzes Album zu schreiben, es herauszubringen, unheimlich anstrengend wird.
Dieses Mal hatten wir zudem beim Aufnahmeprozess noch Pech. Das kommt vielleicht vom Bandnamen her, es sind unheimlich viele Desaster passiert. Das Schlimmste war, dass der komplette Gesang unbrauchbar war, den konnte man nicht verwenden. Sataniac musste noch einmal alles einsingen. Er ist fast ausgerastet, er wollte ein paar Leute töten. Kill All Idols und Tontechniker quasi.
Aber um es noch einmal zu sagen: Es ist geil, Songs zu schreiben. Das werden wir weiterhin tun. Aber mehr planbare Projekte werden wir in Angriff nehmen. Wir haben jetzt schon eine Idee für das nächste Projekt. Singles oder solche Sachen mit weniger Songs, was in einer kürzeren Zeit realisierbar ist. Mit einem Konzept dann auch, mit einer Idee. So wie die letzte Punk-Single, mit den Coverversionen, die wir zwischendurch machten. Solche Projekte, interessieren uns mehr. Wir machen das ja nicht für kommerziellen Erfolg, sondern weil wir Spaß am Songwriting haben.
Time For Metal / Juergen S.
Ihr müsst für die Plattenfirma jetzt nicht noch so und so viele Alben nehmen?
Desaster / Infernal
Nein, da sind wir nicht an Verträge gebunden. Da haben wir immer gut verhandelt. Mit Metal Blade ist auch ein super Partner an unserer Seite. Vielleicht können wir mit denen andere Projekte, kurzfristige Projekte machen.
Time For Metal / Juergen S.
Mit Churches Without Saints hattet ihr sogar eine Chartplatzierung. Platz 22 in den deutschen Charts. Es gab mehrere Auflagen der Vinyl. Damals sagtet ihr mir: Auf so was wie Hitparadenplatzierungen scheißen wir natürlich! War aber schon geil, oder!? Was meinst du, wird es wieder in die Charts gehen? Metal Blade geht wohl davon aus, denn es werden neben der CD wohl vier Vinylfarben zur Verfügung stehen.
Desaster / Infernal
Für die Plattenfirma ist das natürlich immer geil. Und die forcieren das ja auch. Die machen das mit Vorverkauf, dass dann wirklich an dem Release-Datum so und so viele Verkäufe gemeldet werden können. Und dann kommt man mit so einem Underground-Krach auch mal in die Charts rein. Weil die Metal-Fans halt Vinyl-Fans sind, die wollen auch Vinyl-Produkte kaufen.

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Time For Metal / Juergen S.
Ich glaube, Schlager und Metal tummeln sich mittlerweile ziemlich in den Charts (lacht).
Desaster / Infernal
Rap wird auch noch auf Vinyl veröffentlicht. Und ich weiß auch nicht, wie weit diese Streaming-Sachen und Spotify-Sachen da überhaupt eingehen in die Media-Control-Charts. Habe ich keine Ahnung von. Deswegen ist mir das alles ein bisschen zu suspekt. Da wird auch viel gemauschelt. Es ist nicht mehr so wie damals, als Sodom mit ihrem Agent Orange-Album auch wirklich in den Charts drin waren. Da waren noch physische Verkäufe von zig zehntausend Einheiten. Davon können wir natürlich nur träumen. Sonst würde ich vielleicht dann doch nicht mehr arbeiten.
Time For Metal / Juergen S.
Wie würdest du das Album selbst beschreiben? Ihr erfindet euch zwar nicht neu, aber ist das Album (ja, ich habe schon mal reingehört) nicht ein wenig punkiger/rotziger als der Vorgänger? Für mich wieder etwas mehr Back To The Roots und ungehobelter. Was meinst du?
Desaster / Infernal
Weil es das zehnte Album ist, haben wir uns viel Mühe gegeben, wirklich alles, was Desaster seit den letzten 36 Jahren ausmacht, noch mal in ein Album reinzupacken. Und da gehört natürlich auch so ein bisschen Punk dazu. Auch ein bisschen inspiriert durch unsere letzte Do-It-Yourself-Veröffentlichung, die Punk-Cover-Single. Da waren wir noch so ein bisschen im Punk-Fieber und haben tatsächlich einen Desaster-Punk-Song geschrieben, They Are The Law heißt das Stück auf dem neuen Album. Wir haben alles drin aus den letzten 36 Jahren. Es gibt Heavy-Metal, Speed-Metal, Thrash-Metal, Black-Metal, Death-Metal, Punk. Alles, was wir schon immer so ein bisschen in unserem Sound drinhatten, haben wir versucht, zu vereinen. Wir hatten sonst manchmal Alben, auf denen es mehr in die Black-Metal-Richtung ging, manchmal mehr in die Thrash-Metal-Richtung.
Aber diesmal ist wirklich alles dabei. Und trotzdem, finde ich, haben wir es noch geschafft, neue Elemente reinzubringen, vor allem schon das Drumming. Wir haben zum ersten Mal zum Beispiel auch so ein War-Black-Metal-Stück – Ash-Cloud-Ritual heißt der Song – eingebaut. Das haben wir noch nie gehabt. So extrem, so schnell haben wir bisher noch nichts gehabt.
Und wie gesagt, so manche Rhythmen sind neu. Stellar Remnant ist so ein Song, der ein bisschen ungewöhnlich für uns ist. Da hat der Hont sehr tolle Drums eingespielt. Also, wie gesagt, die alten Fans kriegen von allem etwas. Es sind aber auch ein paar neue Elemente drin im Album. Da bin ich ganz stolz drauf. Ich glaube, das abwechslungsreichste Album aller Zeiten, welches wir gemacht haben. Mit Album Nummer zehn muss man natürlich alles abdecken. Das ist ja Bandgeschichte.
Time For Metal / Juergen S.
In vier Jahren heißt es dann 40 Jahre Desaster. Das ist ja nicht mehr so lange bis dahin. Was können die Fans erwarten? Ein Desaster-Festival vielleicht in der Heimat? Also, ich fände es geil!!! Voll würde es doch bestimmt, ihr habt mit den Stormbringers doch auch einen riesigen Fanclub, die würden die Hütte doch bestimmt abreißen!
Desaster / Infernal
Ja gut, wenn es etwas Größeres werden soll, muss man natürlich noch planen. Aber da haben wir uns echt noch gar keine Gedanken gemacht. Wir hatten letztes Jahr erst ein kleines Jubiläum mit 35 Jahren. Da hatten wir eigentlich diesmal für unsere Verhältnisse wenig bis gar nichts gemacht. Wir hatten eine kleine Party in Winningen, wo wir andere Bands eingeladen haben, zu spielen. Weil wir selber zu faul waren, zu spielen (lacht). Wir wollten uns eher auf Trinken und Feiern konzentrieren. Es war (trotzdem) ein super Abend. Es hat unheimlich Spaß gemacht.
Wenn es 40 Jahre werden, dann müssen wir doch noch mal etwas Besonderes machen. So ein Desaster-Festival mit Bands, die wir uns aussuchen, in einem größeren Rahmen. Das wäre wirklich eine gute Idee. Könnte man zum Beispiel in Andernach machen. Da planen wir jetzt für nächstes Jahr auch was mit den Hellbangers, unserem Heavy Metal Club.
Time For Metal / Juergen S.
Wir sind schon am Ende. Lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Üblicherweise haben meine Gesprächspartner noch die Möglichkeit, etwas anzusprechen, was vergessen wurde, etwas über den Wind, das Wetter und das Schafsleben im Allgemeinen zu sagen, oder aber noch Grüße auszurichten. So long!
Desaster / Infernal
Solche Storys bringe ich immer gerne noch mal rüber, um unsere Einstellung zu demonstrieren. Wir haben eine große Plattenfirma im Hintergrund. Metal Blade Records ist ja nun keine kleine Klitsche. Trotzdem wollen wir natürlich unsere Freiheit und Eigenständigkeit bewahren, bei aller guten Zusammenarbeit. Vor genau 20 Jahren kam unser Angelwhore-Album bei Metal Blade Records raus, unsere erste Zusammenarbeit.
Trotz allem wollen wir unsere Verrücktheit bewahren, unseren eigenen Stil. Und die Plattenfirma braucht natürlich neben der Musik für Promotionszwecke auch Fotos von seiner Band. Unser Plattenboss hat uns noch gesagt: „Ihr habt doch genug Budget. Macht mal vernünftige Fotos diesmal.“ Fotos sind bei uns immer so ein bisschen schwierig. Die letzten Fotos bei Church Without Saints waren ein bisschen unscharf geworden … Dieses Mal wollten wir ein Foto am Lagerfeuer. Auf den Fotos sind wir allerdings kaum erkennbar. Wir haben alles Mögliche ausprobiert. War eine total geile Session. Unser Probenraumvermieter hat uns geholfen, das Feuer anzumachen. Sonst hätte es wahrscheinlich sowieso wieder ein Desaster gegeben. Wir hätten uns selbst verbrannt, oder wir hätten nur so ein Feuerchen gehabt. Und dann hat einer Fotos gemacht. Die sind natürlich viel zu dunkel, viel zu unscharf … Aber totaler Underground und Kult.

pic by Big Simonski
Time For Metal / Juergen S.
Ja, ich finde es auch geil. Ich sage jetzt mal keine Namen. Es gibt Kollegen, die machen immer gerne Hochglanzfotos. Aber für so eine Underground-Sache passen eben keine Hochglanzfotos. Das verstehen anscheinend auch manche Bands nicht. Es gibt Kollegen, da sieht jede Band wie die andere aus, wenn sie die Bands live ablichten und anschließend alle mit dem gleichen Blau-Filter bearbeiten. Da könnte dann Sabaton genauso aussehen wie Desaster. Das kann doch einfach nicht sein! Ich will sagen, den Fotos fehlt der Spirit!
Desaster / Infernal
Genau. Unser Platten-Boss hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als er die Fotos gesehen hat (lacht). Er meinte noch: „Leute, ihr habt doch ein Budget, macht doch mal vernünftig Fotos. Ich gebe euch schon mal extra was.“ Aber da scheißen wir drauf, denn das ist für uns authentisch!
Time For Metal
Ich finde, das ist ein klares Standing. Das passt auch zu euch. Eine Black-Metal-Band mit einem Hochglanzfoto, das geht nicht. Infernal darf nicht wie Doro aussehen (lacht). Zu Doro passen Hochglanzfotos, ist ja auch kein räudiger Metal.
Desaster / Infernal
Ja, wo dann auch noch die Schminke mehr zur Geltung kommt, als die Musik. Wir stecken mehr Energie in die Musik. Wir haben auch ein paar Fans, die das Foto gesehen haben. Die meinten: „Das ist total geil. Das passt wie die Faust aufs Auge. Zu der Musik, zu der Band.“ Ich glaube, unsere Fans honorieren das.
Grüße an alle zum Schluss. Vielen Dank für die jahrelange Unterstützung. Es ist immer wieder geil, Leute zu treffen, die uns von Anfang an unterstützt haben, schon die Demos gekauft haben. VHS, Videokassetten, die ich damals kopiert habe, selber zu Hause, noch daheim stehen haben. Das ist immer geil. Wir sind eine große Desaster-Familie. Das finde ich toll, das macht Spaß. Deswegen werden wir wahrscheinlich auch noch ein bisschen weitermachen. Vielleicht ohne Album. But never say never.



