Event: Sanctuary – 40 Years Of Sanctuary Tour 2026
Bands: Sanctuary, Martyr
Ort: Logo Hamburg, Grindelallee 5, 20146 Hamburg
Datum: 25.04.2026
Kosten: VVK circa 25 € plus Gebühren, AK 30 €
Zuschauer: ca. 120 Leute
Genre: Heavy Metal, Power Metal, Progressive Metal, US Power Metal, Thrash Metal
Link: https://www.logohamburg.de/
Setlist Sanctuary:
- Die For My Sins
- Battle Angels
- Future Tense
- Taste Revenge
- Long Since Dark
- White Rabbit (Jefferson Airplane Cover)
- The Third War
- The Mirror Black
- Seasons Of Destruction
- One More Murder
- Epitaph
- Sanctuary
- Veil Of Disguise
- Arise And Purify
- The Year The Sun Died
- Soldiers Of Steel
Der schwarze Spiegel ruft und kaum jemand hört es. Sanctuary und ihr 1990er-Release Into The Mirror Black sind in unzähligen Bestenlisten des vergangenen Jahrtausends zu finden. 1990 lassen Warrel Dane und seine Mitstreiter die Genregrenzen zwischen Thrash Metal, Heavy Metal und US-Power-Metal verschwinden und verweben einen sehr speziellen Sound, der auch als Progressive Power Metal bezeichnet wird. Im Gegensatz zu zum Beispiel Queensrÿche liefern Sanctuary einen deutlich höheren Härtegrad.
Über die zukünftige musikalische Ausrichtung werden sich die Herren aber nicht einig. Sanctuary lösen sich auf und Nevermore entstehen. Das soll aber nicht das Thema des heutigen Abends sein. Heute Abend geht es um das Erbe von Warrel Dane mit Sanctuary. Drei Alben, wovon vor allem das 87er-Werk Refuge Denied und das bereits erwähnte Into The Mirror Black auch fast 40 Jahre nach der Veröffentlichung sehr hohes Ansehen genießen. Trotzdem sind auf einem Sonntagabend gerade einmal 120 Nasen im Logo. Die Truppe lieferte richtungsweisende und technisch hochwertige Kost. Wie bereits bei Witherfall im Winter 2024 hätten auch Sanctuary eine volle Hütte verdient.

Bevor die Kirsche auf die Torte kommt, steht der Tortenboden an. Der heißt Martyr und kommt aus Utrecht. For The Universe und Darkness At Time’s Edge nennen sich die beiden Platten, die die Truppe vor circa 40 Jahren auf den Markt brachte. Der Erfolg blieb jedoch aus, ähnlich wie bei anderen Benelux-Bands, die sich im Speed- und Heavy-Metal tummelten. Das führte zur Auflösung 1989. Seit 2005 sind Martyr wieder aktiv und veröffentlichten vier weitere LPs, aktuell 2025 Dark Believer.
Martyr liefern ein solides Vorprogramm
Musikalisch geht es weit rudimentärer zur Sache als bei Sanctuary. Klassisches Material der einfachen Bauart, das durch die Vereinfachung von Produktion und Aufnahme mittlerweile jeden Monat im Dutzend ausgeliefert wird. Von den alten Sachen aus den 80ern gibt es mit Speed Of Samurai und dem Titeltrack Darkness At Time’s Edge zwei Kostproben, die sich aber zum aktuellen Material einsortieren und nicht besonders auffallen. Ein solides Vorprogramm, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Als Opener für Sanctuary zu agieren, ist ein undankbarer Job.

Der Umbau der Bühne verschlingt circa eine halbe Stunde, dann stehen Santuary auf der Bühne und hauen mit Die For My Sins gleich mal einen raus. Sänger Joseph Michael ist kein Warrel-Dane-Klon. Er liefert seine eigene Interpretation der Sanctuary-Nummern, aber einen ähnlichen Wahnsinn, wie ihn Warrel Dane einst auf Platte presste. Dass es Highlights nur so hagelt, war vor dem Start klar. Battle Angels, Future Tense, Taste Revenge – die Protagonisten springen zwischen ihren beiden Klassikern und holen damit die Fans komplett ab. Was Lenny Rutledge auf seiner Gitarre abliefert, ist sensationell. Das ist technisch vergleichbar mit Savatage oder eben Nevermore, wo nicht nur der Gesang die Stücke definiert, sondern auch und vor allem die Gitarrenläufe.
Schau in den schwarzen Spiegel!
Spätestens beim Blick in den schwarzen Spiegel kreischt und singt der ganze Saal. Wer solche Tracks Ende der 80er produzierte, hat mehr verdient als einen Klassikerstatus. Das ist die hohe Kunst der Verschiebung von Genregrenzen, ohne dass etwas abrupt oder unpassend rüberkommt. Die grauen Haare der Fans fliegen durch das Logo bei einer intimen Atmosphäre, in der Band und Publikum immer mehr verschmelzen.

Das aktuelle Tagessgeschehen interpretieren Sanctuary als Seasons Of Destruction. Mehr als 35 Jahre auf dem Buckel, aber noch immer passende Lyrics. Sieben Mal Into The Mirror Black und sechs Stücke von der Refuge Denied, wo vor allem Veil Of Disguise aus dem Set noch hervorsticht. Die neuen Songs kommen aus dem Jahr 2014 und der Platte The Year The Sun Died, wovon Sanctuary zwei Kostproben Richtung Set-Ende liefern. Eigentlich steht kein Track mehr auf der Setliste. Aber die Fans holen das Quintett nochmals auf die Bretter und mit Soldiers Of Steel endet die grandiose Performance einer unterbewerteten Band.
Selbst die aktuelle Single Not On The Living bringen die Herren nicht. Aber es ist eine Platte in Arbeit, die in diesem Jahr aufgenommen wird und 2027 zur Veröffentlichung ansteht. Die Kostprobe im angehängten Video zeigt: Sanctuary liefern den Spirit, den die bisherigen drei LPs haben, auch 2026. Dann bitte wieder auf Tour und wieder nach Hamburg. Gegen 23 Uhr endet ein großartiger Gig in einem kleinen Club, bei dem selbst Fans dabei waren, die Sanctuary zwei Tage vorher auf dem Keep It True Festival gesehen hatten und mit folgendem Fazit nach dem Konzert um die Ecke kommen: Die knapp 30 Euro haben sich mal richtig gelohnt.



















