Monosphere sind der beste Beweis dafür, dass sich harte Arbeit irgendwann auszahlt. Das Debüt The Puppeteer erwischte mich vor fünf Jahren kalt und beamte sich direkt in mein Herz sowie in meine Top-5 des Jahres. Doch was dann folgte, damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Die Jungs teilten sich Bühnen mit Bands wie Imperial Triumphant, Cradle Of Filth, Gaerea, Karnivool, Wheel und zuletzt mit Between The Buried And Me. Vor allem die Tour mit der letztgenannten Band fühlt sich laut Aussage von Drummer und Hauptsongwriter Rodney Fuchs noch immer surreal an. Da ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ebenso in der Vita von Monosphere taucht das Euroblast auf, auf dem sie ihr Festivaldebüt direkt als Headliner der zweiten Bühne feierten. Das zweite Album Sentience folgte 2023 und sorgte für weiteres Aufsehen, fiel bei mir aus persönlichen Gründen unter den Tisch. Doch eines ging nie verloren: mein Interesse am Werdegang der Band. Seit der Anfang 2025 veröffentlichten Doppel-Single Lapse bin ich wieder voll im „Modus“, was Monosphere angeht. Auch wenn der Release des Albums Amnesia schon ein paar Tage zurückliegt, so möchte ich dennoch die Aufmerksamkeit auf das dritte Album der Post-Metaller lenken.

Vertonter Schmerz, der den Geist erhellt
Ohne Intro legt die Band in Collapse mit verzerrten, eindringlichen Synth-Läufen los. Tiefe Growls schleichen sich an, ehe Stakkato-Riffs das Kommando übernehmen. Ohne Ankündigung drängen sich ruhige Parts in den Vordergrund – ein Stilmittel, welches von mir bereits auf dem Debüt geschätzt wurde. Verändert hat sich lediglich der Umstand, dass Monosphere jetzt in der Lage sind, die Übergänge harmonischer zu gestalten. Die Leitmelodie zu Anomia bahnt sich ihren Weg durch meine Hirnwindungen. Das gut dreiminütige Stück legt sich tonnenschwer auf meine Brust. Der Part ab Minute 2:26 ist Katharsis in Reinkultur. Wut, Verzweiflung, aber auch glockenhelle Cleans, bestimmen den Gesang. Durfte ich Shouter Kevin bereits auf The Puppeteer mein Lob aussprechen, so kann ich auf Amnesia meinen Hut gar nicht oft genug vor seiner Leistung ziehen. Was für eine enorme Steigerung! Im Post-Black-Metal-Fiebertraum namens Nadir bekommt der Sänger Unterstützung von Despite-Exile-Frontmann Jei Doublerice. Blastbeats mitsamt verträumten Melodien sind einfach eine geile Kombination. Das ist vertonter Schmerz, der gleichzeitig den Geist erhellt. Achtet auf jeden noch so kleinen Akzent: die hintergründigen Gitarren, das Gefauche von Jei, die sehnsuchtsvollen Melodien, das tiefe Luftholen vor dem nächsten Schlag.
Tanze, als gäbe es kein Morgen
Allusion ist ein Intermezzo, welches ich persönlich nicht gebraucht hätte. Limbic rifft alles in Grund und Boden, dazu versucht Kevin, die Stimmen in seinem Kopf zu vertreiben. Highspeed-Drumming trifft auf kurze, prägnante Shouts. Im Mittelteil wird’s dann so proggy, dass BTBAM stolz auf ihre Support-Band sein dürften. Eine erneut vor Sehnsucht berstende Melodie läutet das wahnwitzige Idiomorph ein. Die Zeile „She was a silhouette in strobe light“ läuft mir eiskalt den Rücken runter. Dass ich kurz darauf Lust bekomme, zu tanzen, daran ist der Reggaeton-Beat „schuld“. Drummer Rodney hatte „einfach mal Bock, das in den Monosphere-Kosmos einzubauen“. Gute Idee! So bewege ich mich tanzend, aber gleichzeitig mitfühlend durch dieses grandiose Stück Musik. Die immer verzweifelter gesungenen Lyrics erinnern mich an die wiederbelebten Nevermore. Ein größeres Kompliment kann ich an dieser Stelle nicht vergeben. Angestaute Wut entlädt sich im folgenden Zenith. Die Thrash-Keule wird ausgepackt und fügt sich nahtlos in den Gesamtsound des Albums ein. Ein Highlight sind die fernen „Rufe“, gepaart mit abgrundtief bösen Growls. Auf unzählige Breakdowns folgt ein längerer Part zum Verschnaufen.
Monumentaler Hassbrocken
Das gesprochene Stück Engram leitet das knapp zehnminütige Finale namens Dissolve ein. Ich dachte, die Band hätte bereits alles in die Waagschale geworfen, doch dieser monumentale Hassbrocken belehrt mich eines Besseren. Bereits zu den ersten harten Snare-Hits breite ich meine Arme aus und empfange jede Note mit offenen Armen. Wilde Raserei, Stakkatofeuer, orchestrale Erhabenheit, zerbrechliche Momente, schräges Gitarrenspiel und wiederkehrende Elemente sowie ein gelungenes Gastspiel von Mark Garrett (Kardashev) – Dissolve hat einfach alles und markiert den bisher stärksten Song aus dem Hause Monosphere.
Getreu dem Motto „Wir können uns nur noch selbst schlagen“ hat Hauptsongwriter Rodney Fuchs schon wieder Lust, an neuem Material zu arbeiten. Bis dahin wird Amnesia bei mir ganz sicher nicht in Vergessenheit geraten.
HIER! geht es für weitere Informationen zu Monosphere – Amnesia in unserem Time For Metal Release-Kalender.



