Spidergawd am 25.04.2026 im Grünspan, Hamburg

Hochklassige Rundreise durch die Rockmusik der 80er-Jahre

Im klassischen Rock und Metal hat sich in den vergangenen Jahren die Truppe Spidergawd aus Trondheim um den ehemaligen Motorpsycho-Drummer Kenneth Kapstad einen Namen gemacht. Allen voran die Platte VII mit dem dazugehörigen Video zum ersten Track Sands Of Time, in dem unzählige Plattencover über’n Tisch gehen, hat den Norwegern einen größeren Bekanntheitsgrad eingebracht. Das einfache Durchnummerieren der Platten ist ins Stottern gekommen. Von I bis VII ist die kreative Namensgebung für die LPs beeindruckend. Was ist aber 2025 passiert? From 8 To ∞ heißt die aktuelle Scheibe. Es stellt sich die Frage, ob die Truppe musikalisch die Unendlichkeit erreicht hat, oder mit der neunten Ausgabe zum eigentlichen Rhythmus zurückkehrt.

Satanic Panik Attack und Håndgemeng

Håndgemeng – Grünspan, Hamburg – 2026

Bevor dieser Sachverhalt geklärt werden kann, geht es heute im Hamburger Grünspan zum Finale der aktuellen Tour. Der Zuschauerzuspruch ist eher dürftig, die Konkurrenz im Kulturpalast und Logo groß. Dazu kommt noch Fußball. Touren sind nicht unendlich und die von Spidergawd und Håndgemeng endet heute. Pünktlich um 20 Uhr steht der Support auf der Bühne und schmettert sechs Nummern in circa einer halben Stunde. Satanic Panic Attack ist das Motto und die aktuelle Platte von Håndgemeng. Es gibt dreckigen Hard Rock mit einer Prise Kvelertak-Irrsinn und einer ordentlichen Punk-Attitüde. Geschmackssache, aber musikalisch geht das Zeug durchaus nach vorne, auch wenn es keine hochwertige Kost mit filigraner Saitenarbeit ist. Wer auf dreckigen Rock & Roll steht, sollte die norwegische Band antesten. Bei den Fans im Grünspan kommt das Material an und der Sänger verkauft anschließend sowohl den Merch von Håndgemeng als auch den von Spidergawd.

Spidergawd und The Grand Slam

Spidergawd – Grünspan, Hamburg – 2026

Der Umbau benötigt etwas länger. Spidergawd haben ein Saxofon dabei und gleich drei mögliche Sänger. Pünktlich um 21 Uhr geht das Licht aus und mit dem Opener von der aktuellen Platte, The Grand Slam, legen die Herren los. Bereits beim ersten Track wechseln sich die Saitenarbeiter am Gesang ab. Ein Hauch von Thin Lizzy liegt in der Luft und der Spirit der 80er-Jahre schwebt durch die Location. Mit Revolution gibt es direkt Nachschlag vom neuen Album, dann geht es zur IV mit Is This Love..?, wobei selbst der Mensch am Saxofon mit ans Mikro geht. Die sich ständig ändernden und oft mehrstimmigen Vocals sind eines der hervorstechenden Merkmale von Spidergawd und sorgen für eine Sonderstellung. So viele Bands, in denen jeder Musiker auch die Vocals übernehmen kann, gibt es nicht. Das Ganze setzen die Herren mit einem Augenzwinkern um, wo die Frage in den Raum gestellt wird, wie viele Fans aus Norwegen heute hier sind.

Spidergawd – Grünspan, Hamburg – 2026

Den Hauptpart am Gesang übernimmt Gitarrist Per Borten. Aber auch der Bassist Hallvard Gaardløs sprintet immer wieder zum Mikro. Ob die Einsätze so abgesprochen sind oder willkürlich, lässt sich vor der Bühne nicht erkennen. Die Reise von Spidergawd geht über die Diskografie mit einem klaren Fokus auf From 8 To ∞, wovon gleich sechs Nummern zu erleben sind. Die Oldies stammen aus dem Jahr 2017 und der IV mit dem bereits erwähnten Is This Love..?, Heaven Comes Tomorrow und Stranglehold.

The Ghost Of Erik Raude widmen die Protagonisten der Vorband Håndgemeng. Ob jemand der Band einen Bezug zur Reiseroute von Erik den Roten hat, der gemäß Sage an der Ostküste Grönlands lebte, ist nicht übermittelt. Circa 90 Minuten beackert das Quintett die Bühne. Zum Finale bläst Saxofonist Rolf Martin Snustad mit einem langgezogenen Intro für All And Everything, was ein sehr passender lyrischer Abschluss des circa 90-minütigen Auftritts ist.

Wer generell etwas mit handgemachtem Rock anfangen kann und Bandnamen wie Thin Lizzy, Kyuss, Hellacopters oder auch der rockigen Seite der NWoBHM wohlgesonnen ist, sollte Spidergawd antesten. Die Liveperformance ist außergewöhnlich und technisch stark, aber trotzdem jederzeit geerdet und ohne jeden Kitschfaktor. In Zeiten von Backingtracks und Überproduktionen ein mehr als positiver Aspekt, den die Herren aus Trondheim liefern. Eventuell ist beim kommenden Stopp in der Hansestadt die Konkurrenz nicht so groß. Die Truppe war 2024 in der Fabrik im Stadtteil Altona, wobei der Zuschauerzuspruch unter der Woche deutlich höher war.