Mastodon – Marrow Deep

28.08.2026 – Progressive Metal, Progressive Rock – Loma Vista Concord / Universal Music – 65:23 Minuten

Was ist alles passiert in den vergangenen fünf Jahren im Hause Mastodon nach dem Release von Hushed And Grim im Herbst 2021? Die Geschichte bezüglich des tragischen Unfalltodes von Brent Hinds soll nicht Teil der Betrachtung des neuen Kapitels sein. Das neue Kapitel nennt sich Marrow Deep und liefert satte 65 Minuten Musik.

Marrow Deep und das neue Kapitel Mastodon

Wer die Truppe aus Atlanta, Georgia, im Sommer erleben durfte, wird sich eventuell an die Bandbesetzung erinnern. Ein Quintett und ein Keyboarder namens João Nogueira waren auf der Bühne zu finden. Dazu gibt es mit Nick Johnston ein neues Gesicht an der Gitarre. Nein, Mastodon sind anno 2026 nicht auf den Spuren von Uriah Heep und Deep Purple unterwegs. Der nachdenkliche und rockige Anteil ist auf Marrow Deep aber sehr präsent.

Mastodon – Docks, Hamburg – 2026

Laut eigenen Aussagen der Bandmitglieder haben drei Schicksalsschläge das Songwriting von Marrow Deep entscheidend mitgeprägt. Brent Hinds ist somit auch auf der neuen Platte vertreten. Nicht ohne Grund widmeten Mastodon die Single Your Ghost Again den verstorbenen, langjährigen Weggefährten auf den Gigs im Sommer. Wer tiefer in die Thematik einsteigen möchte, sei auf den Kurzfilm von Mastodon verwiesen, in dem die Bandmitglieder auf das Thema detailliert eingehen.

Barbarians Blood nennt sich der Opener und klingt durchaus vertraut. Die Nuancen sind es, die im Gehör hängen bleiben. Ein elektronisches Einsprengsel, das sich mit dem markanten Riffing und den treibenden Drums die Hände reicht. Die Nummer kommt trotzdem aggressiv rüber, spätestens wenn Troy Sanders aus den Boxen keift. Wem der Auftakt zu rund und eingängig war, bekommt mit Poisonous Weapons genau den Sound, für den Mastodon stehen. Zwischen brachial und zerbrechlich, technisch immer hochklassig und dazu abwechslungsreich. Auch 2026 liefern Mastodon Hochkaräter.

Your Ghost Again gedenkt Brent Hinds

Die bereits vorab veröffentlichte Single Your Ghost Again wirkt in Teilen wie ein Durcheinander, das sich immer wieder sortiert. Die Nummer ergibt im Zusammenhang mit dem Kurzfilm Sinn und ist die musikalische Verarbeitung der Vorkommnisse um Brent Hinds in den vergangenen fünf Jahren.

Ebenfalls bereits veröffentlicht haben Mastodon Snakes For Dinner, wo Josh Homme (Queen Of The Stone Age) zu hören ist. Die Nummer fällt etwas gitarrenlastiger aus, ohne dass Mastodon zu verkopft oder in endloses Saitenzupfen verfallen.

Eher ruhigere Nummern und Passagen (Out Like A Lamb, In The Ruins) wechseln sich mit progressiven, aber trotzdem zugänglichen, Elementen ab. Als Beispiel sei der Anfang von They’re Coming For You erwähnt. Viel besser lassen sich Progressivität, Nachdenklichkeit und Eingängigkeit nicht verbinden.

Etwas aus dem Rahmen fällt der vordere, verträumte Teil von Moth And Bone, wo der neue Keyboarder seine DNA hinterlässt. Irgendwann übernimmt Sanders und reißt die Nummer samt Keyboard ins Mastodon-Universum. Ein sehr hörenswertes Stück Musik, bei dem Proggis auf ihre Kosten kommen.

Den Härtegrad zieht A Vampire’s Demeanor ordentlich an, natürlich mit der klaren Mastodon-DNA, wobei zerbrechlich und brachial aufeinanderprallen. Über den an die Musik der 70er-Jahre erinnernden progressiven Rocker The Vanishing geht es zum Finale mit knapp acht Minuten The Three Fates. Im Vergleich zu zum Beispiel A Vampire’s Demeanor kommt der Langläufer eher etwas zu experimentell und langatmig daher, ohne dass die Nummer schwach oder schlecht wäre. Nur als der progressive und mitreißende Abschluss kommt The Three Fates nicht so stark rüber, wie andere Stücke auf der Platte.

Hier geht es für weitere Informationen zu MastodonMarrow Deep in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Mastodon – Marrow Deep
Fazit Marrow Deep
Es hat sich viel verändert im Hause Mastodon in den vergangenen fünf Jahren. Doch wo Mastodon draufsteht, da ist auch 2026 Mastodon drin. Mit mehr als 65 Minuten Musik gibt es einen ordentlichen Brocken, der die Fans auf Entdeckungsreise schickt. Diese Reise durch den neuen Mastodon-Kosmos ist vielfältig, wobei auch das Keyboard seinen Beitrag leistet.

Mit kleinen Nuancen können Mastodon anno 2026 überraschen. Eine Hammondorgel beim Abschluss The Three Fates oder das fast nach Krautrock klingende The Vanishing zeigen das Quintett mutig und experimentierfreudig, ohne dass die bisherige DNA vernachlässigt wird, sodass Fans bedenkenlos zugreifen können. Menschen, die bisher wenig mit Mastodon anfangen konnten, wird Marrow Deep nicht vom Gegenteil überzeugen. Wer grundsätzlich mit progressivem Rock und Metal der moderneren Gangart etwas anfangen kann, sollte seinen Ohren die neue Platte von Mastodon gönnen. Marrow Deep ist technisch herausragend gespielt und hervorragend produziert. Das neue Opus der zum Quintett angewachsenen Band ist eine klare Empfehlung für die Anhängerschaft von progressiver Musik.

Anspieltipps: Poisonous Weapons, Soul Stealers, Moth And Bone und A Vampire’s Demeanor
Jürgen F.
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