Sigh – Goh-ka

04.09.2026 – Black Metal, Avant-Garde, Progressive Metal, Folk Metal, Extreme Metal, Elektronik – Peaceville Records – 57:54 Minuten

Wie oft klagt die schreibende Zunft über das drölfhundertste Album, das überproduziert daherkommt und sich immer wiederholt. Trotzdem gibt es genügend Fans, die diese Art der metallischen Verköstigung genießen. Für Menschen mit einem besonderen Geschmacknerv haben die Japaner Sigh etwas zusammengebraut. Das neue Album nennt sich Goh-ka und kommt via Peaceville Records auf den Markt.

Goh-ka von Sigh ist für den speziellen Geschmacksnerv

Die erste Frage, die sich grundsätzlich bei einer neuen Platte stellt, ist die Art der Musik. Dafür muss es doch schon passende Schubladen geben, oder? Bei den Schubladen kommen wir zu einem entscheidenden Punkt. Sigh und Schubladen – da treffen zwei Dinge aufeinander, die überhaupt nicht zueinander passen.

Sigh existieren seit mehr als 35 Jahren und haben ihre Wurzeln im Black Metal mit Platten wie Scorn Defeat von 1993. Die weitere Entwicklung ist aber keine schwarzmetallische Karriere. Bandchef Mirai Kawashima verarbeitet unterschiedlichste Einflüsse in seiner Musik. Celtic Frost trifft auf japanische Folklore, Horrorelemente der Marke Alice Cooper und on top eine Prise psychedelischen Rock. Was sich auf Papier nach einer wilden und schrägen Mischung anhört, klingt auf der LP genauso schräg und wild, aber auch einzigartig und speziell. Ein Beispiel wäre Kuso-shi 4, 5, And 6, bei dem sich folkloristische Parts mit harschen Vocals, Chören und elektronischen Elementen vermengen und eine hochinteressante Melange ergeben.

Wenn Musik speziell und einzigartig ist, dann darf eine Szenegröße nicht fehlen. Bei Unputenpu steuert Opeth-Chef Mikael Åkerfeldt ein Gitarrensolo bei. Weitere Gastmusiker sind Raven-Drummer Mike Heller und der Kreator-Bassist Frédéric Leclercq.

Die Platte hat ein übergeordnetes japanisches Thema. Es geht um Kuso-zu, eine Reihe buddhistischer Gemälde, die die Vergänglichkeit des Lebens darstellen. Egal wie schön der Mensch ist, irgendwann ist er tot und verrottet. Das Cover ist mit den Gemälden verziert.

Hier geht es für weitere Informationen zu SighGoh-ka in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Sigh – Goh-ka
Fazit Goh-ka
Sigh und ihr neues Album Goh-ka ist der Gegenentwurf zu den überproduzierten und in Richtung Unterhaltungsmusik schielenden Produktionen. Wild, schräg und unberechenbar präsentieren sich die japanischen Avantgardisten anno 2026. Diese Platte will nicht auf den Massenmarkt. Die Platte will eine spezielle und anspruchsvolle Hörerschaft für sich gewinnen.

Wer grundsätzlich mit avantgardistischen und progressiven Klängen etwas anfangen kann, sollte Goh-ka eine Chance geben. Aber selbst geübte und langjährige Proggis können bei dem Gebräu an ihre Grenzen stoßen. Einfach ausprobieren, ob Sigh und Goh-ka gefällt. Wer Spaß an der neuen LP findet, bekommt eine knapp 60-minütige Entdeckungsreise auf die Ohren, die zwischen verschiedenen Stilelementen umherwirbelt und immer wieder aufs Neue überraschen kann. Insgesamt gibt es das Prädikat sehr hörenswert, wenn es den Geschmacksnerv trifft.

Anspieltipps: Jigoku-Zoshi 2: Tokatsujigoku, wenn das Ding mundet, sollte auch das weitere Material nicht enttäuschen
Jürgen F.
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