Der Name Melancholost wirkt zunächst etwas plakativ, doch für melancholisch gefärbte Musik habe ich grundsätzlich immer ein offenes Ohr. Auch die Bezeichnung Gothic Rock weckt bei mir gewisse Erwartungen, wobei meine persönlichen Bezugspunkte eher bei den klassischen Vertretern des Genres wie Sisters Of Mercy oder Fields Of The Nephilim liegen. Melancholost schlagen jedoch einen moderneren Weg ein und bewegen sich musikalisch irgendwo zwischen Gothic Rock, Dark Rock und atmosphärischem Metal.
Handwerklich gibt es an Tales From The Poisoned Apple wenig auszusetzen. Die Songs sind sauber produziert, die Arrangements durchdacht und die düstere Stimmung zieht sich konsequent durch das gesamte Album. Wer Bands wie HIM, The 69 Eyes, oder auch neuere Dark-Rock-Vertreter schätzt, dürfte hier durchaus auf seine Kosten kommen.
Dennoch stellte sich bei mir nach einiger Zeit ein merkwürdiges Gefühl ein. Je länger ich das Album hörte und je mehr ich über die Band erfahren wollte, desto stärker wirkte das gesamte Projekt auf mich wie ein sorgfältig konstruiertes Kunstprodukt. Das okkulte Konzept, das sich durch Artwork, Texte und Außendarstellung zieht, bleibt für meinen Geschmack zu sehr an der Oberfläche. Gerade in Genres, die sich seit Jahrzehnten mit Mystik, Dunkelheit und Esoterik beschäftigen, hätte ich mir etwas mehr Tiefgang und Persönlichkeit gewünscht.
Hinzu kommt eine Außendarstellung, die stark auf KI-generierte Bilder und moderne Visuals setzt. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden – schließlich experimentieren inzwischen viele Künstler mit diesen Werkzeugen. Bei Melancholost entsteht dadurch jedoch stellenweise eine gewisse Distanz. Wo andere Bands Ecken, Kanten und eine spürbare menschliche Komponente besitzen, wirkt hier vieles sehr kontrolliert und beinahe steril.
Dabei scheint hinter Melancholost durchaus eine reale Person mit langjähriger Musikerfahrung zu stehen. Doch trotz aller technischer Qualität wollte der berühmte Funke bei mir nicht überspringen. Mir fehlte über weite Strecken etwas, das sich nur schwer beschreiben lässt: Seele, Charakter und das Gefühl, einer echten künstlerischen Vision zu begegnen, statt einem perfekt inszenierten Konzept.
Das bedeutet nicht, dass Tales From The Poisoned Apple ein schlechtes Album wäre. Ganz im Gegenteil: Fans moderner Gothic- und Dark-Rock-Klänge sollten dem Werk durchaus eine Chance geben. Für mich persönlich blieb am Ende jedoch zu wenig hängen, um dauerhaft in Erinnerung zu bleiben.
Kunst ist immer subjektiv, und das gilt natürlich auch für Musik. Jeder Künstler bringt seine eigenen Gedanken, Emotionen und Vorstellungen zum Ausdruck, und nicht jeder Rezipient wird denselben Zugang dazu finden. Entsprechend respektiere ich es selbstverständlich, wenn jemand seinen ganz persönlichen künstlerischen Ausdruck erschafft und veröffentlicht.
Gerade deshalb fällt meine Bewertung hier eher zurückhaltend aus. Denn so sehr ich die handwerkliche Arbeit und die Mühe hinter diesem Album anerkenne, fehlt mir persönlich etwas, das für mich zu den wichtigsten Bestandteilen von Kunst überhaupt gehört: Seele. Und genau deshalb bleibt am Ende vor allem die Anerkennung dafür, dass hier etwas erschaffen wurde, auch wenn mich das Ergebnis selbst nicht wirklich erreichen konnte.
Hier gibt es weitere Informationen zu Melancholost – Tales From The Poisoned Apple in unserem Time For Metal Release-Kalender.



