Green Carnation – A Dark Poem, Part II: Sanguis

03.04.2026 – Progressive Rock, Art Rock, Dark Rock – Season Of Mist – 37:16 Minuten

Alte Hasen aus Norwegen kommen oft mit schwarzmetallischen Requisiten auf den Plattenteller. Green Carnation aus dem südnorwegischen Kristiansand starten 1990 im Death Metal, sind aber seit vielen Jahren in progressiven Gefilden unterwegs. Bandauflösungen und Neugründungen gehören ebenfalls zur langen Geschichte. Aus den Anfangstagen ist nur noch Gitarrist Tschort dabei, der eventuell auch von seiner aktiven Zeit bei Emperor, Carpathian Forest und Blood Red Throne bekannt sein könnte. 2026 folgt A Dark Poem, Part II: Sanguis, der Nachfolger von A Dark Poem Part I: The Shores of Melancholia.

A Dark Poem, Part II: Sanguis: der zweite Teil einer Trilogie

Die Idee für die Albumtrilogie A Dark Poem beruht auf Shakespeares tragischer Ophelia. Mit The Shores Of Melancholia verließen Green Carnation den vertrauten Ort der Melancholie. Bei Sanguis befindet sich die Band weit draußen auf See und kämpft gegen den Sturm, der in ihren Gedanken tobt, um über Wasser zu bleiben. Anfänglich tobt die Hammondorgel, sodass sich beim Auftakt Sanguis ein Uriah-Heep-Feeling breitmacht. Im weiteren Verlauf gibt es einen düstern, aber flott vorangehenden, progressiven Rocker über knapp neun Minuten, bei dem zwischenzeitlich gutturale Töne zu hören sind und so die Brücke zu den frühen Death-Metal-Tagen von Green Carnation hergestellt wird.

Deutlich verträumter und melancholischer wird es mit Loneliness Untold, Loneliness Unfold, der Kontrast folgt mit Sweet To The Point Of Bitter, der auf seinen Vorgänger aufbaut und ein ordentliches Soundgewitter liefert, aber nicht so zwingend rüberkommt wie der Opener.  Als eine Kombination der beiden vorigen Tracks agiert I Am Time, bei dem sich ruhigere Passagen mit Keyboard und Saiten zu einem interessanten Mix verweben.

In Richtung Finale gibt es sieben Minuten Fire In Ice, das sich getragen und melancholisch seinen Weg bahnt. Die Saitenarbeit kommt zu selten intensiv rüber, sodass die Nummer etwas vor sich hindümpelt und erst im hinteren Teil richtig zupackt. Lunar Tale, melancholischer Art Rock mit Klavierbegleitung, bringt die LP über die Ziellinie.

Hier geht es für weitere Informationen zu Green CarnationA Dark Poem, Part II: Sanguis in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Green Carnation – A Dark Poem, Part II: Sanguis
Fazit zu A Dark Poem, Part II: Sanguis
Dass wir von Green Carnation auf A Dark Poem, Part II: Sanguis technisch exzellent produzierte Musik bekommen, versteht sich bei der Truppe von selbst. Gefühlt verheddern sich Green Carnation etwas zu sehr in ihrer melancholischen Note. Die progressiven, intensiven Ausbrüche sind da, könnten aber noch intensiver sein. In Teilen verschwimmt A Dark Poem, Part II: Sanguis zwischen Art Rock und progressivem Rock. Wirklich progressiver Metal ist nur beim Opener Sanguis zu finden. Anschließend versinkt die Platte zu sehr in ihrer eigenen Melancholie, wobei der Abschluss Lunar Tale den melancholischen Höhepunkt darstellt.

A Dark Poem, Part II: Sanguis ist nicht nur etwas für Fans progressiver Musik. Auch die Anhängerschaft von Dark Rock oder Gothic sollte ein Ohr riskieren. Die Musik ist vielfältig und selten sperrig. Auf der anderen Seite sitzt die Platte zwischen den Stühlen. Progressive-Fans dürften nur bedingt Freude an zum Beispiel Lunar Tale empfinden. Der zweite Teil der A Dark Poem-Trilogie ist Geschmackssache und dürfte bezüglich des Genre-Mix nicht generell auf offene Ohren treffen.

Anspieltipps: Sanguis, Sweet To The Point Of Bitter und I Am Time
Jürgen F.
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