Metal Hammer Paradise 2016 vom 11.11. – 12.11.2016 im Ferienpark Weissenhäuser Strand

Festivalname: Metal Hammer Paradise 2016

Bands: Almanac, Annihilator, ANVIL, Apocalyptica, Blues Pills, Brainstorm, Crowbar, Dew Scented, Die Kassierer, Dirkschneider, Enslaved, Equilibrium, Erik Cohen, Grand Magus, Iced Earth, Lost Society, Mantar, Onkel Tom, Overkill, Pentagram, Pretty Maids, Primal Fear, RAM, Saxon, Schandmaul, Secrets Of The Moon, Stallion, Sulphur Aeon, Year Of The Goat

Ort: Weissenhäuser Strand, Schleswig Holstein

Datum: 11.11.2015 – 12.11.2016

Kosten: Ausverkauft ca 5000 Besucher

Genres: Metal, Rock

Link: www.metal-hammer-paradise.de

Metal Hammer Paradise 2016 Banner

Freitag:

Die recht späte Anreise pünktlich zu den Bands gegen 16.30 Uhr kann ohne große Hürden genommen werden, da fast alle Besucher bereits eingecheckt haben und in ihren Quartieren verweilen. Wie es vorher beim Check-In des Metal Hammer Paradise 2016 aussah ist uns nicht bekannt, durch die Erfahrungen der letzten Jahre ist eine schnelle Abwicklung jedoch fast schon Standard im Weissenhäuser Strand in Schleswig Holstein.

Als Opener fungieren Pentagram pünktlich um 17.00 Uhr auf der Ballroom Stage. Bevor die Amerikaner jedoch loslegen dürfen, eröffnet Herr Zahn vom Metal Hammer das Event und gibt zeitgleich den Ersatz für Iced Earth bekannt, die ja abgesagt haben. Die Deutsche Power Metal Formation Freedom Call konnte kurzfristig gewonnen werden und übernimmt am Samstag den Slot.

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Das Doom Metal-Quartett um Mastermind Bobby Liebling legt furios los. Als Opener eine sehr gelungene Wahl, bei der man gleich ordentlich Dampf ablassen kann. Bobby Liebling, der eigenwillige Sänger, zieht wie eh und je kuriose Grimassen und wirkt, als wäre er in Trance, während seine Pentagram Kollegen in die Instrumente hacken. Mitten auf ihrer Europa-Tour perfekt eingespielt, beginnt die Session zielstrebig. Bei Dead Bury Dead ist der Bann im Publikum schlussendlich gebrochen. Des weiteren legt die Höllenmaschine mit unter anderem Dying World, Devil Playground und 20 Buck Spin nach, bevor sie gen Skandinavien verschwinden.

Während Pentagram noch zocken, geht es auf der Hauptbühne ebenfalls hoch her. Die Kassierer laden zum Saufgelage, dabei hält sich die Stimmung von Befürwortern und Gegensprechern in etwa die Waage. Musikalisch definitiv das schwächste, was das Metal Hammer Paradise 2016 zu bieten hat. Das war schon mit dem Blick aufs Line Up klar. Die Männer aus NRW schlagen nun mal genau in die Kerbe und zelebrieren ihren Punk, der eben gerne unter die Gürtellinie geht und auf Saufen, Saufen und noch mal Saufen zielt. Um das Publikum gleich mal abzufüllen, keine schlechte Wahl. So dringen Titel Wie Das Schlimmste ist wenn das Bier alle ist oder Ich töte meinen Nachbarn und verprügel seine Leiche aus der Anlage im Zelt.

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Bei bester Stimmung steigt die nächste Party im Baltic Ballroom. Die Power Metal-Protagonisten Brainstorm aus dem Süden Deutschlands bitten zum Tanz. Der Sound dringt vorzüglich ins weite Rund, Sänger Andy B. Franck und Konsorten haben gleich alles fest im Griff. Die fünf Weggefährten bewegen sich wie Wölfe im Rudel auf der Bühne. Der Eine gibt auf den Anderen acht und bleiben im Kollektiv unglaublich gefährlich. Falling Spiral Down bildet den Anfang eines bunten Mixes. Vom aktuellen Langeisen Scary Creatures schafft es lediglich We Are… zu Metal Hammer Paradise. Dafür zelebrieren Brainstorm ihre Kracher Firesoul, Shiver und das abschließende All Those Words.

Zeitgleich öffnet die Kultlocation und kleinster Austragungsort, die Riff Alm, zum ersten Mal. Dort finden nur ca. 300 Headbanger Platz und machen die einzelnen Auftritte zu einem familiären Metal Ereignis, welches man in der Form nirgends wo anders findet. Year Of The Goat wurden in der Vergangenheit mit ihrem Okkult Metal herzlich aufgenommen. An der Ostsee ist es nicht anders, als die Schweden, die bei Napalm Records unter Vertrag stehen, mit The Key And The Gate ins Horn blasen. Fehlen darf nichts Spirits Of Fire, Angels‘ Necropolis und Vermin, alle drei Stücke werden mit ins Set gemischt. Insgesamt zocken  Year Of The Goat zehn ihrer Hymnen und machen einen frischen Eindruck.

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Was die dänischen Hard Rocker Pretty Maids vor wenigen Tage mit dem neuen Studioalbum Kingmaker geliefert haben, ist famos. Die Herren aus dem Norden können es also noch und legen trotz der langen Karriere mal eben ein derart perfektes Album aufs Parkett, da darf der Titeltrack heute Abend nicht fehlen. Die Quittung ist ein volles Zelt und reges Treiben vor der Maximum Metal Stage sowie ein fleißiges Quartett, welches nicht gekommen ist, um irgendwo im Mittelfeld unterzugehen. Einzig und allein die recht frühe Spielzeit ist etwas verwunderlich. Das stört den agilen Sänger Ronnie Atkins in keinster Weise. Jeder Künstler darf und muss seine Klasse unter Beweis stellen. Titel wie Bull’s Eye oder Back To Back sitzen wie die berühmte Faust aufs Auge. Alt und Jung feiert bei traditionellen Hard Rock Riffs mit immer wieder schönen Refrains, die süffig heruntergespielt werden. Klasse Show, ohne einen Ansatz von Abstrichen. Das wird für alle anderen schwer, an die Performance heran zu kommen.

Die Qual der Wahl um 20:45 Enslaved oder Almanac heißt die schwere Entscheidung. Die Norweger aus Bergen lassen das Extrem Metal-Herz höher schlagen. Live kann man von Ivar Bjørnson, Grutle Kjellson, Ice Dale, Herbrand Larsen und Cato Bekkevold eh‘ nicht genug bekommen, die letzten Alben waren alle brillant und können nur steil gehen. Ruun, The Watcher und Building With Fire bilden das anfängliche Spektakel. Fenris und The Crossing lassen nicht lange auf sich warten. Die Meute im Baltic Room ist zurecht begeistert, und man bekommt den Wunsch auf ein wenig mehr Krach im Billing, welches doch schon sehr Heavy Metal-lastig angeboten wird.

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Eine dieser Heavy Metal Bands kommt von einem der sympathischsten Musiker überhaupt in der Szene, nämlich Ausnahmemusiker Victor Smolski, der nach der Trennung von Rage das heutige Projekt Almanac gründete. Herrn Smolski in der Riff Alm zu sehen, verschlägt einem fast die Sprache, aber der authentische und stets warmherzige Künstler hat mit seinen Männern sichtbar Spaß an der Show im überschaubaren Rahmen.

Hinter Dirkschneider steckt natürlich unser lieber UDO, die herbe Goldkehle, die uns allen bereits bei Accept viel Freude bereitet hat. Auf der Bühne macht man dem gestandenen Musiker eh‘ nichts mehr vor, dafür hat er mehr Erfahrung als viele seiner Anhänger Lebensjahre. Musik hat die deutsche Heavy Metal-Legende auch dabei, als er die Hauptbühne zerlegt. Just A Gigolo, Starlight, Living For Tonite und Flash Rockin‘ Man setzen schnell ein starkes Zeichen. Udo Dirkschneider ist alles andere als müde, die Gesangsfarbe erklingt, wie vor einigen Jahrzehnten. Natürlich ist die absolute Spritzigkeit auf der Strecke geblieben, wie bei allen Bands, an denen der Zahn der Zeit nagt. Trotzdem dürfen viel Musiker noch zu UDO aufblicken und denken „Mensch, so muss man also das Publikum animieren, um erfolgreich durchzustarten bis zum allerletzten Song“.

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Das Ende des ersten Tages ist greifbar. Alle drei Bühnen haben noch ein Konzert durchzustehen, dann ist der Metal Hammer Paradise-Freitag bereits Geschichte. Die Deutsche Pagan Metal Gruppierung Equilibrium hat zwar vor einigen Jahren den ganz rauen Weg verlassen, kommt aber mit moderneren Klängen verdammt gut an und kann das schlechter werdende Interesse an heidnischen Metal Stücken gut kompensieren. Party pur mit Frontman Robert „Robse“ Dahn der Born To Be Epic Wort wörtlich nimmt.

Kann man einer Band überdrüssig werden, wenn man sie oft zu Gesicht bekommt? Ja, das kann passieren, und im Thrash Metal geht so was noch einen Ticken schneller als in anderen Genres. Gut, dass Dust Bolt auf der Bühne, egal wo man sie loslässt, herumwirbeln, als würde es kein morgen mehr geben. Da kommt man erst gar nicht auf den Gedanken, gelangweilt zu werden, auch wenn man sie zum zigsten Mal dieses Jahr erleben kann.

In Gedenken an den frisch verstorbenen Leonard Cohen wird die legendäre Ballade Hallelujah, die im Publikum wohl jeder kennt und andächtig mitsummt, vom Headliner Apocalyptica performt. Andächtig ist ein gutes Stichwort, und es ist fast schon makaber, wenn Apocalyptica im Anschluss loslegen und Probleme haben die Besucher vor der Bühne zu halten. Reign Of Fear oder Grace zünden nur bedingt, besser gehen Tracks wie Master Of Puppets. Das ganz große Feuerwerk bleibt aus, was nicht am Können an den Violoncelli liegt, sondern eher am drückenden Sound und der Tatsache, dass der Stil auf die Dauer etwas anstrengend nach einem langen Festivaltag erscheint. Auf ihre Kosten kommen im Prinzip nur die eingefleischten Anhänger, alle anderen sehen mal kurz rein und beenden den Tag in den eigenen Unterkünften.

 

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Samstag:

In Sachen Thrash Metal geht Leif mit seiner Formation Dew-Scented stets seinen ganz eigenen Weg. Als Opener am zweiten Festival-Tag recht früh am Start darf ab 14.15 kräftig gebangt werden. Feuer frei heißt es nach dem ersten Track Sworn To Obey, der gleich mit ordentlich Schwung aus den Boxen anrückt. Ausgeschlafen dürften die meisten am frühen Nachmittag bereits sein. Das merkt man direkt am Tresen, wo kräftig Nachschub organisiert wird, während die Krackcombo Soul Poison oder Never To Return anschlägt. Seit dem letzten großen Umbruch vor acht Jahren  präsentieren die Musiker eine eingeschworene Einheit, die mit Acts Of Rage und Turn To Ash den Arbeitstag auf der Bühne beenden.

Neben Dew-Scented bekommen Conclusion Of An Age eine Chance auf dem Event. Mit Modern Metal bzw. Hard Rock konnten die jungen Männer aus Rothenburg ob der Tauber beim Bandcontest gewinnen und dadurch den Slot in der Riff Alm ergattern. Die Freude ist natürlich groß, wie soll es auch anders sein, wenn man ein Wochenende mit den Idolen die Bühne teilen darf. Noch auf der Riff Alm, mal sehen wohin die Reise noch geht, denn wie man sieht, ist ein Sprung in professionelle Gefilde in der Szene noch möglich.

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Von Null auf 100 gehen Anvil auf der Hauptbühne ins Geschäft. Völlig On Fire wirbelt das Trio aus Kanada mächtig viel Staub auf. Wenn man überlegt, wie viel bei Apocalyptica am Abend vorher los war, können das die Nordamerikaner fast verdoppeln. Das Anvil Old School Like viele Freunde der ersten Stunde auf ihre Seite ziehen können, ist bekannt. Doch das sie das Metal Hammer Paradise ohne einen Ansatz von Problemen als Opener derart um den Finger wickeln können, wirkt verblüffend. Damit geht der Preis des Überraschungsacts ohne Gegenstimme an Lips, Robb Reiner und Chris Robertson. Bei March Of The Crabs und 666 verschwinden die Protaganisten im Nebel der Bühne und erstrahlen im Licht der Scheinwerfer, als sie Tracks wie Metal On Metal, Die For A Lie oder Mothra anstimmen. Lips Dildo-Einlage an der Gitarre bleibt der schlüpfrige Höhepunkt der starken Show.

Zeitgleich starten Ram und Stallion ihre Session. Während Stallion mit ihrem Speed Heavy Metal die Riff Alm mit Rise And Ride, Stigmatized, The Devil Never Sleeps oder Canadian Steele zum Schwingen  bringen, beackern die Schweden Ram die Bühne mit ihrem heißen Eisen Svbversvm im Gepäck den Baltic Ballroom.  Zwei Mal Heavy Metal zur selben Stunde wirkt etwas unglücklich, auf der anderen Seite können es sich alle Anvil-Fans nach der Show aussuchen, ob es zu Ram oder Stallion geht, die beide ein gepflegtes Brett auffahren.

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„In München steht ein Hofbräuhaus“, aber bitte wen interessiert so etwas an der Ostsee? Na klar die Thrash Jünger um den geliebten Tom Angelripper, der als Onkel Tom das Tanzbein schwingt. Schnaps, das war sein letztes Wort darf bei der feucht-fröhlichen Sause nicht außen vor bleiben. Wie vorher bei Anvil ist es im Maximum Metal Zelt kuschelig voll. Die deutlich gesteigerten Tagestickets am Samstag merkt man im Verhältnis zum Vortag deutlich. Für Musikfreunde aus Kiel, Flensburg oder Hamburg lohnt ein Tagesausflug zum Weissenhäuser Strand. Das Vorprogramm am Nachmittag ist ausgeglichen und die Headliner stark. Weiter zu Onkel Tom, der mit Gefolge eine tolle Party inszeniert. Auf immer und ewig, Alkohol und das abschließende Es gibt kein Bier auf Hawaii lassen bei den Knappen keine Wünsche offen.

Das erste mal beim Metal Hammer Paradise agieren Crowbar. Wenn man eine Band als Maschine bezeichnen darf, dann die Amerikaner mit ihren Auswüchsen aus der Hölle, die sie selber in folgende Genres katapultieren: Metal, Sludge Metal, Doom Metal und Doomcore. Dieser Bastard lässt wilde Mosh Pits zu, keine Stirn trocken und keinen Nackenmuskel locker. Die Doom Beats zwingen zum Kopfnicken, während der markante Kirk Windstein seine Show durchzieht. Heute bleibt der exzentrische Musiker ganz brav, zu meckern darf er auch nichts haben. Die Fans bilden eine Wand vor der Bühne und drängen von hinten nach vorne, viele Plätze bleiben nicht im Baltic Ballroom, der wie die Riff Alm limitiert ist und nicht für alle Besucher Platz hat. Fleißig zählen die stets freundlichen Ordner mit und lassen immer wieder neue Musikfreunde in die Schlacht, wenn die ersten müde abdanken. All I Had (I Gave), High Rate Extinction und To Build A Mountain bleiben Killer in einem druckvollen Set.

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Sulphur Aeon sind nicht weniger böse und dürfen ihr kleines Wohnzimmer-Konzert parallel zu Crowbar austragen. Mit 4 Euro pro 0,4 Jever Bier lässt sich dieses sehr gut aushalten. Wie schon im Sommer festgestellt, haben sich die Deutschen ganz schön gemausert. Der Death Metal rollt kernig wie die tosende Brandung ca 300 Meter weiter am Strand an. Zeit für eine Pause bleibt nicht, denn Overkill stehen parat, um ihren Thrash Metal an den Mann, wahlweise an die Frau, zu bringen.

Overkill aus New Jersey, die unter der Flagge von Nuclear Blast segeln, legen mit Armorist ohne Berührungsängste los. Rotten To The Core und gleich den Titeltrack Electric Rattlesnake von der vorletzten Platte The Electric Age nachzulegen, ist kein schlechter Schachzug. Vom aktuellen Langeisen, dem zwei Jahren alten White Devil Armory bleibt es tatsächlich beim Intro XDM und Armorist. Alle anderen Nummern kommen von älteren Scheiben, was die Stimmung nicht trübt, sondern eher sogar beflügelt.  Sänger Bobby „Blitz“ Ellsworth genießt permanent die Unterstützung seiner Mitstreiter. Eingeschworen stimmen sie In Union We Stand, Hammerhead und Feel The Fire an. Insgesamt gibt es vierzehn Einschläge der Amerikaner, die immer noch nicht zum alten Eisen gehören.

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Ebenfalls bei Nuclear Blast zu Hause sind die Overkill-Kollegen Lost Society,  die im Februar einen Kracher in die Thrash-Szene hämmerten. Das Album Braindead verkörpert typische Thrash Merkmale mit finnischem Metal-Scharfsinn. Der Titeltrack bleibt eine wahre Pracht, und  dass die Skandinavier auf der kleinen Bühne nicht ganz von der Leine gelassen werden können, macht da gar nichts. Hollow Eyes oder Riot setzten weitere Ausrufezeichen einer Band, die man markieren sollte, wenn man Kutten trägt und neuen Stoff braucht.

Auch wenn man Primal Fear des öfteren erlebt hat oder einer ihrer Alben das Laufwerk besuchen, es bleibt dabei, Ralf Scheepers ist nicht von dieser Welt. Gesanglich 100% eigenständig, in den höchsten Tönen unterwegs und trotzdem brutaler Heavy Metal, der gerne auf der Klischeekeule durchs Land reitet. Wer nach Final Embrace direkt In Metal WeTrust anstimmt, kann nur dicke Eier haben. Zu versuchen, die aufgescheuchte Meute zu bändigen, brauchen die Künstler jetzt eh‘ nicht mehr. Angels Of Mercy, Nuclear Fire oder Chainbreaker sind nur drei Titel, die unterstreichen, was Primal Fear in kürzester Zeit abbrennen. Da bleibt es bis zum Schluss dabei Metal Is Forever!

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Wie schon erwähnt müssen Iced Earth passen, dafür gibt es deutschen Happy Power Metal aus den Äxten von Freedom Call. Kaum zu glauben, der zweite Tag auf dem immer schönen Metal Hammer Paradise geht kurz nach 20 Uhr langsam auf die Zielgerade. Noch stehen jedenfalls fünf Stunden Stormgitarren auf dem Plan. Sänger Chris Bay von Freedom Call erklärt, dass sie selber alle überrascht waren, kurzfristig die Anreise anzutreten. Sehr sympathisch die Aussage, dass sie direkt zugesagt haben, als es hieß, eine Band könnte krankheitsbedingt nicht spielen. Diese eine Band waren Iced Earth, und seine Jungs fingen an zu schwitzen. Auf dem Punkt gebracht, Chris Bay braucht die eigene Kunst gar nicht schlechter machen als sie ist. Ärgerlich bleibt es für alle Iced Earth-Fans, die jetzt mit den schön fröhlichen Heavy Metal-Klassikern aus Deutschland vorlieb nehmen müssen. Zudem für die Band eine gute Vorbereitung für ihre anstehende Südamerika-Tour. Farwell bleibt eine bildhübsche Hymne, die auf jeder Veranstaltung herzlich zelebriert unter die Haut geht. Hammer Of The Gods gefolgt von diversen anderen Refrain-Bomben mag man ebenfalls nicht missen.

Die nächste Überraschung kommt nach Anvil erneut aus Kanada. Wobei man mit dieser Aussage bei Annihilator vorsichtig sein sollte, schließlich führt kein anderer als Metal Ikone Jeff Waters die Thrash Combo. Die Bude bis auf den letzten Platz gefüllt, bringt Suicide Society und King Of The Kill zum Beben. Jeff Waters klebt förmlich an der Kante der Bühne, um noch näher an den Fans zu sein. Immer wieder schüttelt er nach den einzelnen Werken die Hände, die ihm entgegengestreckt werden, oder klatscht diese ab. No Way Out, Set World On Fire und ein geschicktes Medley, und die halbe Show ist bereits Geschichte. Es folgt der erste große Song Alison Hell, Second To None, Phantasmagoria und W. Es .T.Y.D.. Klasse Gig der nimmersatten Annihilator.

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Die Tore der Riff Alm schließen mit Erik Cohen und Secret Of The Moon, die musikalisch nicht wirklich viel gemeinsam haben. Zweitere zerlegen Black Metal Salven in feine Details und schießen stets scharf. Erik Cohen schlägt Doom Pop, und wer es mag, kommt auf die bekannten Kosten, alle anderen haben genug Ausweichmöglichkeiten!

Kein Mittelalter Rock auf dem Metal Hammer Paradise? Nein, keine Panik, die Tradition behält der Veranstalter bei. In dieser Auflage dürfen Schandmaul ran, um das altertümliche Gefolge abzufüllen und mit ihnen Schabernack zu betreiben. Auf der Stimmung von Freedom Call fällt es der ebenfalls deutschen Gruppe nicht schwer, die Texte in der Landessprache anzubringen. Es fließt der Wein es fließt das Bier passt wunderbar in die allgemeine Stimmung, die durch das breit aufgestellte Festival immer wieder neue Abwechslung anbietet.

Wie bereits angesprochen, schließen Secrets Of The Moon die Riff Alm, während die Retro Rock-Überflieger Blues Pills den Fans im Baltic Ballroom die letzte Ehre erweisen. Mitten auf ihrer Europa Tour machen Sängerin Elin Larsson und die drei Männer an den Instrumenten einen Abstecher zum Metal Hammer Paradise. Eine gute Wahl für beide Seiten. Blues Pills gelten nicht ohne Grund als Senkrechtstarter und genießen einen guten Ruf in der Psychodelic Rock Szene, und der Veranstalter hat noch einen Leckerbissen, der was ganz anderes anschlägt als bislang am Wochenende gehört.

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Last but not least die NWOBHM Legende Saxon. Die Briten haben auch aktuell was Neues gemacht, wie jedes Jahr fluten Biff und Co die Stores mit neuem, alten oder Live-Material. Ein Jahr ohne Saxon in den Metal News kaum vorstellbar. Gerade einen Monat ist Let Me Feel Your Power, die Live DVD, auf dem Markt und bleibt Thema des Abends, denn es werden viele Songs harmonisch vorgetragen. Wer mit folgenden drei Werken ein Konzert beginnen kann, der steht ganz oben im Metal-Zirkus: Battering Ram, Heavy Metal Thunder und Sacrifice vom Start weg zu bringen, ist mutig und auf der anderen Seite ein Zeichen von Klasse. Weitere Hymnen folgen bei einem würdigen Headliner, der die Maximum Metal Stage in voller Breite ausnutzt. Wheels Of Steel oder Princess Of The Night haben unsere müden Ohren noch vernommen im fast 20 Song starke Set, nur einer fehlt, nämlich Crusader, der tatsächlich nicht gespielt wird. Ein kleiner Wermutstropfen, nicht mehr, nicht weniger!

Fazit:

Das Metal Hammer Paradise bleibt ein Festival mit Wohlfühlcharakter. Neben den einzelnen Konzerten der Bands, die nicht mit 30-Minuten-Slots abgefrühstückt werden, bleibt ein Rahmenplan von Autogrammstunden, Work Shops usw., die das Metal Herz höher schlagen lässt. Wer von Alkohol und lauten Riffs Pause braucht, geht ’ne Runde plantschen oder räumt beim Bowling gewaltig ab. Organisatorisch gibt es rein gar nichts auszusetzten mit dem Vermerk, dass wir nicht vor Ort einquartiert waren und beim Check-In nur für die Pässe kurz vor der ersten Band fix durchgehuscht waren. Somit Daumen hoch, und 2017 wird wieder an der Ostsee gerockt!

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