Rhapsody, Turilli – Lione – Zero Gravity (Rebirth And Evolution)

Treffen den Nerv, den viele Fans seit langem offen liegen haben

Artist: Rhapsody, Turilli – Lione

Herkunft: Trieste, Italy

Album: Zero Gravity (Rebirth and Evolution)

Spiellänge: 57:48 Minuten

Genre: Symphonic Power Metal

Release: 05.07.2019

Label: Nuclear Blast

Link: https://tlrhapsody.com/

Produktion: Domination Studio, Fiorentino, Italy

Bandmitglieder:

Gesang – Fabio Lione
Gitarre und Keyboard – Luca Turilli
Gitarre – Dominique Leurquin
Bassgitarre – Patrice Guers
Schlagzeug – Alex Holzwarth

Tracklist:

  1. Phoenix Rising
  2. D.N.A. (Demon And Angel) [feat. Elize Ryd | Amaranthe]
  3. Zero Gravity
  4. Fast Radio Burst
  5. Decoding The Multiverse
  6. Origins
  7. Multidimensional
  8. Amata Immortale
  9. I Am [feat. Mark Basile | DGM]
  10. Arcanum (Da Vinci’s Enigma)
  11. 11. Oceano [feat. Sascha Paeth | Avantasia & Arne Wiegand | Santiano] – Bonus

Rhapsody? Was? Schon wieder? Wer blickt noch durch? Ich schlüssle das Ganze mal kurz für euch auf: Original Rhapsody haben sich nach dem Live In Canada Album in Rhapsody Of Fire umbenannt, da ein Künstler ein Patent auf den Namen Rhapsody hatte. 2011 hat Mastermind Luca Turilli die Gruppe verlassen und das cineastisch veranlagte Luca Turillis Rhapsody gegründet mit Alessandro Conti als Sänger. Nach Into The Legend verließ Fabio Lione dann Rhapsody Of Fire, um sich neu zu orientieren. Folglich löste Luca Turilli seine Version auf, Alessandro Conti wurde neuer Sänger von Twilight Force und Luca wollte sich auf Filmmusik konzentrieren. Es gab eine Farewell Tour, wo die alte Rhapsody Truppe zusammenkam, um die alten Songs nach 20 Jahren nochmal zu feiern, denn bei Rhapsody Of Fire gibt es zwischenzeitlich nur noch Alex Staropoli als Gründungsmitglied. Jener wollte nicht bei der Farewell Tour mitmachen, warum auch immer. Lange Rede, gar kein Sinn. Lucas und Fabios Chemie mit der Band funktionierte perfekt, also startete man ein neues Projekt namens Zero Gravity, das modernen Melodic Metal mit progressivem Einschlag anstrebt. Promoter, Labels etc. rieten den Jungs dazu, den Namen Rhapsody zu integrieren, da sie sich diese Marke aufgebaut habe und es Bookings, etc. erleichtern würde. Daher gibt es nun Turilli / Lione Rhapsody und nach wie vor klassisch Rhapsody Of Fire. Puh… Jetzt muss ich erstmal durchatmen …

Zero Gravity heißt nun das Werk, das als Debüt der neuen/alten Truppe veröffentlicht wird. Glücklicherweise hebt es sich stilistisch stark von Rhapsody Of Fire ab, und abgesehen vom Wort, was wir hier schon tausend mal gelesen haben (Rhapsody) gibt es keine Überschneidungen. Phoenix Rising schlägt hier noch eine milde Brücke, denn es integriert durchaus klassischen Power Metal, der einen modernen Sound anstrebt, ähnlich wie bei Luca Turillis Rhapsody. Auffallend ist, dass Fabios Gesang stark im Fokus steht und man die Chöre etwas runter geschraubt hat. Das gefällt mir schon sehr, denn er singt befreit und kann sich austoben, obgleich der Opener sich noch sehr gediegen zeigt und dem Hörer einen leichten Einstieg ermöglicht. D.N.A. zeigt ein feuriges Duett zwischen Fabio und Elize Ryd (Amaranthe), die sich bereits von anderen Projekten und der damaligen Kamelot Tour kennen. Ein Song mit extrem vielen Tempowechseln und noch mehr Elementen, die eingearbeitet werden. Trotz der Kürze der Spielzeit überfordert einen das Ganze fürs erste, doch mit der Zeit kriegt man ein Gespür für all die Feinheiten, die hier reingeflossen sind. Die Harmonie zwischen Elize und Fabio funktioniert perfekt, und hier wird dann tatsächlich auch mal mit Chören gezaubert. Ein schnelles, kurzweiliges Stück, das brachial, aber gleichzeitig poppig modern wirkt. Fast Radio Burst implementiert verzerrte Keyboard Sounds und ebenso verzerrte Vocals vom Hauptsänger. Mal ist es heavy, mal atmosphärisch und dann wieder progressiv.

Fakt ist, dass ein Durchlauf nicht ausreicht, um diesem Album als Hörer gerecht zu werden. Schließlich will jede Facette entdeckt werden. Decoding The Multiverse offenbart einen der besten Refrains des Albums, der einen bis in den Schlaf verfolgt. Dazu gesellt sich ein kurzer Queenesquer Part, der von Herr Lione grandios in Szene gesetzt wird. Es sind wahrlich viele Elemente, die Einzug erhalten, doch alles fügt sich perfekt zusammen wie ein Puzzle aus 10.000 Teilen. Bei der italienischen Ballade Amata Immortale zeigt er ebenfalls, das er einer der besten Heavy Metal Sänger unserer Zeit ist. Mal sanft und leise, mal kraftvoll und dann wieder majestätisch. Die Explosion, die durch den Chorus eingeleitet wird, ist intensiv und lässt Gänsehaut aufkommen. Gen Ende gibt’s noch das Highlight I Am, das Mark Basile (DGM) als Gast mitbringt. Ein sehr ausladender Song mit einem noch ausladenderen Refrain, der eine wunderbare Symbiose zwischen den Gesangsfarben aufzeigt. Sagte ich gerade noch Queen? Der Mittelteil haut in Sachen Queen noch mehr auf die Ohren und lässt Freddie Mercury freudig die Faust gen Luft recken, da oben im Himmel. Ein grandioses Stück, das sehr theatralisch daher kommt und den Gesamtsound des Albums am besten umschreibt.

Rhapsody, Turilli – Lione – Zero Gravity (Rebirth And Evolution)
Fazit
Zero Gravity ist ein schwieriges Album, das es dem Hörer aber leicht macht, sich rein zu finden. Gebt dem Album ein paar Durchläufe, und ihr werdet nicht mehr davon loskommen. Es offenbart Parallelen zu Luca Turillis Rhapsody, ist aber noch eine Ecke moderner und progressiver. Keine Kopie von Vergangenem, sondern tatsächlich ein Neustart, von dem wir hoffentlich noch lange profitieren werden!

Anspieltipps: D.N.A. (Demon and Angel), Decoding The Multiverse, Origins
Jennifer K.
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