Ach ja, was soll man noch über diese Band aus New York schreiben, um sie zu beschreiben? Wer Immolation nicht kennt, hat die Death-Metal-Welt verpennt. Ich bin seit dem Jahre 1991 schwer begeistert von der Band, seit dem Opener Dawn Of Possession. Dieses Debüt ist der absolute Hammer und Immolation sind eine der wenigen Death-Metal-Bands, die immer am Ball geblieben sind, ohne sich aufzulösen. Klar, Musiker kamen und gingen, aber das Duo Ross Dolan und Robert Vigna ist seit 1988 zusammen unterwegs. Und in der jetzigen Zusammensetzung spielen die vier jetzt auch schon seit 2016 zusammen. Drummer Steve ist seit 23 Jahren dabei. Das Quartett ist also recht stabil, aber egal in welcher Konstellation Immolation angetreten sind, enttäuscht haben sie noch nie. Die Zusammenarbeit mit Nuclear Blast setzt man natürlich fort, und so wartet nun auf uns Album Nummer zwölf namens Descent.
Wie bei jedem Album dieser Band bin ich gespannt wie ein Flitzebogen und im Grunde weiß man ja, was man bekommt, und ich weiß jetzt auch schon, dass ich wohl nicht enttäuscht werde. Und wie bei jedem Album weiß man im Grunde von der ersten Sekunde an, mit wem man es zu tun hat, denn der Stil von Immolation ist dann doch absolut wiedererkennbar.
Death Metal der Marke Immolation
Mit einem kleinen, bedrohlichen Interlude, welches quasi in den Song eingebaut wird, starten die New Yorker das Album. Der Song lautet auf den Namen These Vengeful Winds und spricht für sich. Die Trademarks der Band werden von der ersten Sekunde an klassisch in Szene gesetzt. Auf der einen Seite wird das Ganze von dem Gitarrenspiel von Bob Vigas geprägt. Dieser Druck in Verbindung mit atmosphärischen Klängen und kongenialen Soli ist einfach nur der geil. Auf der anderen Seite ist dieser dunkle Sound, der die kraftvollen Growls von Ross Dolan zu einem Siegeszug werden lässt. Hier stimmt alles, ohne Frage. Dieses gebettet in ein Death-Metal-Korsett, welches seinesgleichen sucht. Ohne wirklich richtig schnell zu werden, haut man hier präzise in die Magengrube und hinterlässt bei mir ein fettes Lächeln. Typischer vernichtender Death Metal der Marke Immolation, so wie ich es hören will und vor allem, so wie ich ihn seit Jahren hören will.
Auch der Nachfolger The Ephemeral Curse fährt von der ersten Sekunde über einen rüber und hat wieder alles am Start. Diese schleppenden und atmosphärischen Elemente, die einen vernichten. Dann agieren sie ein wenig dissonant und vertrackt, holen dich aber absolut mit ins Boot und holen dann einen geilen Knüppelpart der alten Schule aus der Tasche. Den Knüppel betet man an und nimmt ihn gerne in Kauf. Ein melodischer Part folgt und dieser ist wieder so was von geil. Dieses Gitarrenspiel ist wieder so geil und diese groovigen und druckvollen Passagen erzeugen ein absolutes Chaos, aus welchem man sich selber nicht befreien möchte. Das machen aber dann ja auch Immolation für einen. Großartig. Natürlich muss man die Gitarren- und Bassarbeit hier loben, aber die Drum-Elemente, die Steve Shalaty hinzufügt, sind erstklassig. Diese Betonungen und Fills und überhaupt diese Power, die er entfacht, beleben das Songwriting ungemein. Am Ende des Songs lässt man es dann mit geilem Riffing und groovigem Drumming ausklingen und man kann es kaum erwarten, weiterzuhören.
God‘s Last Breath – welch ein Anfang!!! Dieses atmosphärische Riffing. Argh. Ich bin so was von begeistert. Ich habe ja nur die MP3s zur Verfügung und höre das Material zwar über meine Anlage, aber ich freue mich jetzt schon, wenn ich den Song, so wie die anderen, als LP über meine Anlage hören kann. Welch ein Brett! Diese Riffs, diese Stimmung – eine reine Vernichtung, Und zur rechten Zeit erhöht man das Tempo und erzeugt dadurch noch mehr Power und Kraft.
Adversary war die erste Single, die die Burschen rausgehauen haben, und vom ersten Ton an wusste ich, dass das Album großartig werden würde. Welch ein Song, welch eine powerbehaftete Mischung aus Blastbeats, bedrohlichen Soli und vernichtendem Gesang. Diese Dissonanz, die erschaffen wird, ist absolut fördernd. Bei den meisten Bands bremsen solche Elemente eher den Fluss, aber bei Immolation ist es eben ein fester Bestandteil des Songwritings, und dadurch erzeugt man irgendwie eine Geradlinigkeit. Klingt im ersten Moment komisch, ist aber so. Welch eine Power und welch eine Wucht. Und dann dieser Groove, welchen man mitsingen kann und bei welchem man abgehen muss. So was bauen sie ja immer wieder mit ein, wie z. B. beim No Jesus, No Beasts. Fetter Song. Da braucht man eigentlich kaum Worte zu verlieren. Das ist Death Metal in Reinkultur. Dass die Soli auch hier wieder sitzen und absolut geil sind, sollte und darf man erwähnen, muss man aber eigentlich nicht, denn dieses ist mittlerweile mehr als selbsterklärend, würde ich sagen.
Auch beim nachfolgenden Song Attrition geht diese Wege und vernichtet einen förmlich. Krass, welche Energie die Band erzeugen kann, vor allem in diesen schleppenden Midtempo-Momenten. Grandios.
Bei Bends Towards The Dark lassen die Burschen mal so richtig die Axt aus dem Wald und holzen drauflos, bringen diese aber auch wieder zurück und liefern dann wieder diesen typischen Immo-Groove und lassen atmosphärische und dissonante Gitarrenparts für sich sprechen. Diese Tremolo-Vorspieler und dann dieses druckvolle Drumming und die Growls dazu und das chaotische und wilde Geknüppel danach. Unbezahlbar.
Just Killer, no Filler – Death Metal Deluxe
Und so geht es weiter und weiter. Just Killer, no Filler. Host, False Ascent und Banished (geiles Instrumentalstück) reihen sich gnadenlos ein und am Ende haut man mit Descent noch einmal so richtig einen raus. Viele Bands würden sich freuen, einen Song so zu kredenzen – Immolation haben da zehn von. Dieses Ding am Ende startet mit rasantem Blastbeat-Gewitter und startet dann wieder so richtig durch. Wieder absolut fette Riffs, unfassbar. Dieses atmosphärische Gitarrenspiel kann man noch hundertmal hervorheben und muss man auch, denn es ist absolut großartig und irgendwie auch einzigartig, zumindest in dieser Konsequenz und in der Konstellation mit den Growls und dem Rhythmus des Drumming.
Ich gehe mal davon aus, dass dieses Album 2026 auf Platz 1 bei mir landen wird. Death Metal Victory!
Wer das Schaffen der Band verfolgt, wird sicherlich festgestellt haben, dass sie sehr viel Wert auf die Optik legt, und deswegen beauftragte man Eliran Kantor, ein eindringliches Cover-Meisterwerk zu gestalten – das durch die Booklet-Illustrationen von Santiago Jaramillo (Triple Seis Design) ergänzt wird. Perfekt!
Hier geht es für weitere Informationen zu Immolation – Descent in unserem Time For Metal Release-Kalender.



