Sacred Reich und Night Demon am 10.12.2019 im Colos-Saal, Aschaffenburg

Treffen der Generationen

Eventname: Awakening Tour 2019

Headliner: Sacred Reich 

Vorband: Night Demon 

 Location: Colos-Saal, Aschaffenburg

Datum: 10.12.2019  

Zuschauer: ca. 450 

Setlisten:

  1. Ritual 
  2. Full Speed Ahead 
  3. Overkill (Motörhead Cover) 
  4. Dawn Rider 
  5. The Howling Man 
  6. Heavy Metal Heat 
  7. Curse Of The Damned 
  8. Screams In The Night 
  9. The Chalice 
  10. Darkness Remains 
  11. Night Demon 

  1. Divide & Conquer 
  2. The American Way 
  3. Manifest Reality 
  4. Awakening 
  5. Love…Hate 
  6. Free 
  7. Crimes Against Humanity 
  8. Who’s To Blame 
  9. Ignorance 
  10. Salvation 
  11. Independent 
  12. Killing Machine 
  13. Death Squad  
  14. Surf Nicaragua
 

Es ist Dienstagabend und die alten Thrash Haudegen aus Arizona, Sacred Reich, haben sich für ein Gastspiel im Aschaffenburger Colos-Saal angesagt. Dafür verlässt man so kurz vor Weihnachten doch gerne noch mal seine hessische Heimat und begibt sich über die bayrische Landesgrenze nach Unterfranken, um einem der geilsten Liveclubs Deutschlands wieder mal einen Besuch abzustatten.  

Als ich eintreffe, macht sich erst mal etwas Irritation bei mir breit: Bistrotische, Getränke aus Gläsern und, was allerdings nicht ganz so ungewöhnlich ist, keine Absperrung vor der Bühne, die zum ungestörten Fotografieren genutzt werden kann. Auf Nachfrage werde ich aufgeklärt, dass Letzteres von der Band so gewünscht ist. Bzgl. Gläser und Bistrotische herrscht hier heute einfach Vertrauen in ein (wohl auch alterstechnisch) vernünftiges und entspanntes Publikum. 

Das Colos-Saal füllt sich dann auch recht zügig, sodass die Bistrotische rasch aus dem Blickfeld verschwinden und schon eine stattliche Meute den Opener Night Demon im Empfang nimmt. Die Kalifornier haben mich mit ihren bisherigen zwei Langspielplatten und einer EP noch nicht hundertprozentig überzeugen können, dafür schwanken mir die Songs zu sehr zwischen geiler Abgehnummer aber auch fast belangloser NWOBHM-Reminiszenz, Old School mit allen Stärken und Schwächen. Was auf den Studioplatten nicht gelungen ist, schaffen die drei dann aber heute Abend live und überzeugen mich nicht nur, sondern begeistern mit ihrer Spiel- und Bewegungsfreude. Da kommt meines Erachtens dann auch die begrenzte Spielzeit zu Gute, sodass man sich auf die Highlights des Schaffens konzentriert und zehn Kracher ins Publikum schmettert. Zusätzlich streut man früh im Set das Motörhead Cover Overkill (nicht vollständig ausgespielt) mit ein, das die Stimmung zusätzlich anheizt. Meine persönlichen Highlights stellen Screams In The Night und das als Zugabe zelebrierte Night Demon dar. Ein klasse Auftritt, mit dem das Trio sicherlich nicht nur in mir einen neuen Fan erspielt hat.


Nach nur ca. 15 Minuten Umbaupause stehen dann auch schon Sacred Reich auf den Brettern. 23 Jahre hat sich Phil Rind Zeit gelassen, um mit seinen Mannen in diesem Frühjahr mit Awakening den Nachfolger auf das 1996 erschienene Heal zu veröffentlichen.  Aber dies und selbst die sechsjährige Bandpause zu Beginn des Jahrtausends haben der Popularität keinen Abbruch getan. Dafür sind die Songs von Sacred Reich einfach zu geil und die Musiker zu klasse und sympathisch, allen voran Sänger und Bassist Phil Rind.
Fast ständig grinsend wirkt er zufrieden und mit sich und der Welt im Reinen.
 Seine Augen bestätigen seine Aussage, dass er heute extrem müde ist, seiner Performance tut dies aber keinen Abbruch. Zu seiner Linken tobt sich Gitarrist Joey Radziwill seine jugendliche Energie raus. Bei der Frage nach dem Alter der Youngster in der ersten Reihe, erfahren wir von einem lachenden Phil, dass Joey genauso alt ist, wie der zweitjüngste Konzertbesucher: 16 Jahre! Das stimmt natürlich nicht, tatsächlich war der 23-jährige Gitarrist bei der Veröffentlichung von Heal aber noch nicht geboren. Wiley Arnett, seit 1986 Bandmember, macht im Grunde nur das, was er immer macht: cool und locker geile Riffs raushauen. Im Hintergrund gibt Dave McClain, bereits in den 90ern und nun seit 2018 wieder Schlagzeuger der Band, die Studioeinspielungen scheinbar mühelos so dermaßen originalgetreu wieder, dass es mir zeitweise die Kinnlade runterklappt. Wahnsinn! Eine neue CD bedeutet natürlich auch, dass diese entsprechend umfangreich eingebaut wird und damit Klassiker hinten runterfallen. Heute sind es fünf Songs von Awakening, die Berücksichtigung finden und sich wohltuend gut einfügen und abgefeiert werden. Gegen die Klassiker kommen sie dann, was die Publikumsreaktionen betrifft, aber natürlich trotzdem nicht an. Mehrmals mache ich mir zwischendurch Sorgen ob der Entscheidung, hier heute Gläser auszugeben. Stagediving, CrowdsurfenCirclepit – hier ist heute alles vertreten, das Colos-Saal am Ausrasten und trotzdem gibt es keinen Schaden. Die perfekte Mischung aus aggressiver, energiegeladener und gleichzeitig friedlicher, rücksichtsvoller Musik und Party, wobei auch mein Favorit, The American Way mit vier Songs vertreten ist. Surf Nicaragua gibt schließlich nach knapp 90 Minuten die Abrissbirne und den Rausschmeißer des Abends.

Der jüngste Besucher heute Abend war übrigens zwölf Jahre alt! Metal und Sacred Reich verbinden sowohl auf als auch vor der Bühne Generationen! 

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