Soen – Reliance

16.01.2026 – Alternative Metal, Alternative Rock, Progressive Metal – Silver Lining Music - 43:32 Minuten

Bezüglich progressiver Musik haben sich in den vergangenen Jahren Soen um den ehemaligen Opeth-Drummer Martin Lopez immer mehr ins Blickfeld geschoben. Waren die Anfänge noch von Progressivität dominiert, änderte sich der musikalische Ansatz immer mehr zum melodischen, aber technisch anspruchsvollen, Rock und Metal. Die Struktur der Stücke wird mit jedem Album griffiger. Waren auf der Lotus 2019 noch Tracks mit Laufzeiten jenseits der fünf Minuten bis zu acht Minuten der Standard, änderte sich das spätestens auf dem Vorgänger Memorial. Wohin geht die Reise 2026 mit Reliance, der wie die vorherigen LPs via Silver Lining Music veröffentlicht wird?

Reliance: technisch anspruchsvoll, aber songdienlich  

Wer den Vorgänger kennt und mit dem Material zufrieden ist, der wird auch an Reliance wenig auszusetzen haben. Die Melodie ist an der einen oder anderen Stelle zugunsten von Melancholie in den Hintergrund gerückt. Das neue Album kommt aber trotzdem rund und zugänglich daher, verzichtet auf ausufernde Ansätze und ist mehr Alternative Rock als eine progressive LP.

Primal nennt sich der Start und macht im Prinzip dort weiter, wo Memorial aufgehört hat. Klingen die ersten Töne noch nach kräftiger Saitenarbeit, unterbrechen ruhige Einschübe den pumpenden Bass und bilden die Brücke zum runden und eingängigen, aber melancholisch klingenden Refrain. Soen setzen auf die Wechselwirkung und kreieren gleich am Anfang der Platte ein klares Statement. Der Nachfolger Mercenary wirkt in Teilen wie ein Abziehbild von Primal, wobei Melancholie und Ausbruch eine Schippe mehr auflegen, ohne an Eingängigkeit einzubüßen.

Spätestens Discordia dreht den Spieß in Richtung Melancholie und Traurigkeit. Die ruhigen und nachdenklichen Passagen nehmen zu, die Ausbrüche sind wütender und vor allem der Bass tobt sich gelegentlich aus. Das Gegenstück nennt sich Axis, der sich zwischen Alternative Metal und Progressive Metal tummelt und als bisher härteste Nummer auftrumpft.

Technisch geprägter Alternative Rock (Huntress), Musik zwischen Alternative Rock, Alternative Metal und progressiven Elementen (Unbound, Drifter, Draconian) und sogar eine Ballade (Indifferent) haben Soen auf Reliance gebrannt. Oft melancholisch, aber jederzeit zugänglich und niemals verkopft, klingt die multinationale Truppe anno 2026. Der Schlusspunkt nennt sich Vellichor, wo sich schon fast Parallelen zum Art Rock von zum Beispiel Leprous ableiten lassen. Zerbrechlich und nachdenklich dreht sich Reliance seinem Ende entgegen.

Hier geht es für weitere Informationen zu SoenReliance in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Soen – Reliance
Fazit zu Reliance
Soen haben sich aus den progressiven Gewässern verabschiedet und liefern eine gelungene Mixtur aus Härtegrad, Melancholie und Zerbrechlichkeit. Sehr überzeugend ist der Albumfluss, der zunächst mit einem pumpenden Bass startet, aber im Wechselspiel mit nachdenklichen Elementen. Diese Gegensätzlichkeiten bestimmen den Rhythmus von Reliance. Jederzeit technisch hochwertig, aber niemals verkopft und immer songdienlich, agieren Soen 2026.

Reliance wendet sich an Menschen, die sich nicht um Genres scheren und auch Modern-Metal-Ansätzen aufgeschlossen gegenüberstehen. Genauso befinden sich Art-Rock-Ausflüge, wie zum Beispiel beim Abschluss Vellichor, auf der Scheibe. Die Vielfältigkeit ist ein Trumpf von Soen, sodass Martin Lopez und seine Mitmusiker mit ihrem Release klar hervorstechen.

Ein Problem ist der Kundenkreis. Für die Anhängerschaft von progressiven Strukturen sind Soen nicht mehr geeignet. Für Menschen mit einer Vorliebe für moderne Klänge eventuell zu anspruchsvoll. Auch wenn Soen 2026 zugänglich aus den Boxen kommen, bleibt die siebte Veröffentlichung in einer eigenständigen Nische.

Anspieltipps: Mercenary, Discordia und Vellichor
Jürgen F.
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