Nahezu unter jedem Radar haben Flaming Row Ende Oktober ihr viertes Album im Eigenvertreib veröffentlicht. Das klingt zunächst nach nichts Besonderem. Eine Band aus dem progressiven Universum veröffentlicht ihre Ideen in Eigenregie. Ein Blick auf die Gastmusiker:in wirft jedoch ein ganz anderes Licht auf die Platte: Marcus Siepen (Blind Guardian), Johan Hallgren (Pain Of Salvation), Brendt Allman (Shadow Gallery), Richard Henshall (Haken) oder als Kirsche auf der Torte Arjen Anthony Lucassen. Eine ähnliche Liste gibt es nochmals für den Gesang, bei dem unter anderem Magali Luyten (Ayreon) eine tragende Rolle übernimmt. Das ist nicht neu, bereits beim 2014er-Release Mirage – A Portrayal of Figures war Luyten für Flaming Row aktiv.
Keeper Of The Scriptures wandelt mit Arjen Anthony Lucassen auf den Spuren von Ayreon
Diese herausragende Liste erstaunt umso mehr, da es sich hier nicht um ein dickes Label mit einem fetten Produktionsbudget handelt. Melanie Mau und Martin Schnella sind der Kern der Aktivitäten, die für die Gastsessions anscheinend nicht mit Geldscheinen, sondern mit Qualität wedelten, die selbst den Meister der progressiven Konzeptalben, Arjen Anthony Lucassen, überzeugt. Der Name Schnella ist nicht unbekannt in der Metalszene. Bei Kambrium und Booze Control agierte Schnella als Produzent.
Bei den Vorschusslorbeeren und Eckdaten überrascht die Qualität von Keeper Of The Scriptures nicht. Das Ayreon das Vorbild für Schnella und Co. ist, steht nicht zur Debatte. Das, was Flaming Row aber über knapp 80 Minuten auf die Scheibe packen, ist mit dem Begriff hervorstechend untertrieben zusammengefasst.
Die verschiedenen Gesangstimmen, die Saitenarbeit, dazu immer wieder ein pumpender Bass. Zwölf Minuten The Mesh fesseln die Ohren an die Boxen, gefolgt von Klavierklängen und Saxofon zum Start von An Invisible Bond. Der mehrstimmige Gesang, der sich aufbauende Spannungsbogen, der Übergang zum melodischen Nita – Flaming Row haben sehr genau beim Großmeister zugehört und sind in der Lage, gleiche, sogar in Teilen höhere, Qualität zu liefern. Auch die balladesken Passagen, wie bei More Than Words, sind absolut gelungen und sorgen für die notwendige Spannung über die gesamte Laufzeit. Folkige Instrumente und das Saxofon runden das Gesamtpaket ab.
Flaming Row agieren in zwei Sprachen
Ein weiteres hervorstechendes Merkmal, zumindest für deutschsprachige Fans: die Songs gibt es auch in deutscher Sprache. Dann nennt sich die Platte Hüterin Der Schriften. Doch damit noch nicht genug. Die Fantasygeschichte haben Flaming Row genauso rein instrumental produziert, wie auch als Hörspiel.
Wer eine Kostprobe mag, der kann Keeper Of The Scriptures in seinen verschiedenen Ausprägungen jederzeit auf Bandcamp genießen und anschließend direkt bei der Band bestellen.
Hier geht es für weitere Informationen zu Flaming Row – Keeper Of The Scriptures in unserem Time For Metal Release-Kalender.



