Grufflo – Anti Exorcist

18.04.2026 – Thrash Metal – Independent – 49:43 Minuten

Mit ihrem Debütalbum Anti Exorcist liefern Grufflo ein erstaunlich reifes Statement ab – und das im wahrsten Sinne brandheiß: Erst am 18.04.2026 in Eigenregie erschienen, ist die Platte aktuell als CD erhältlich, während Vinyl- und Kassettenversionen spätestens zur Release-Show am 27.06.2026 im Kult41 in Bonn folgen sollen. Ein frisches Release also, das  eindrucksvoll zeigt, wohin die Reise gehen kann.

Die Band hinter dem Sound

Die Band aus Bonn hat sich 2022 gegründet und setzte mit ihrer EP Tree Of Life ein Jahr später ein erstes musikalisches Ausrufezeichen. Verantwortlich für diesen kompromisslosen Klang sind Roman Anti (Vocals, Gitarre), Jenz Lenz (Leadgitarre, Backing Vocals), Carl Beatle (Bass, Backing Vocals) und Richie (Drums). Gemeinsam erschaffen sie eine dichte Klangwand, die technische Präzision mit ungebändigter Energie verbindet und sich deutlich vom Standard im Genre abhebt. Der Bandname Grufflo sorgt auf den ersten Blick durchaus für Kinderbuch-Flashbacks in Richtung Der Grüffelo – musikalisch hat das Ganze allerdings ungefähr so viel mit Gute-Nacht-Geschichten zu tun wie ein Abrisskommando mit einem Streichelzoo.

Zwischen Raserei und Raffinesse

Grufflo_ACFM Festival 2026 Ochtendung_TFM

Schon der Opener King Of Darkness macht klar, wohin die Reise geht: rasante Riffs, präzise Breaks und ein wuchtiger Gesamtsound, der keine Gefangenen macht. Grufflo verbinden die rohe Direktheit klassischen Thrash Metals mit Einflüssen aus Black- und Death Metal, ohne dabei in bloße Aggression zu verfallen. Gleich der dritte Song, Extreme Thrash, ist für mich bezeichnend für die Art ihrer ungestümen Mucke. Stattdessen ziehen sich durch das Album immer wieder überraschend komplexe Strukturen, die besonders im Zusammenspiel von Schlagzeug und Gitarren zur Geltung kommen. Der Bass setzt dabei immer wieder melodische Akzente, die dem Sound zusätzliche Tiefe verleihen. Auffällig dabei auch die markante, rohe Stimme von Roman Anti. Tracks wie Phobia Of The Dystopia oder Zoltan zeigen diese technische Versiertheit besonders deutlich.

Live-Erfahrung als Auslöser

Dass diese Energie nicht nur im Studio funktioniert, konnte ich kürzlich selbst erleben: Auf dem A Chance For Metal Festival 2026 in Ochtendung stand die Band direkt als erste des zweiten Festivaltages auf der Bühne – und legte einen regelrechten Abriss hin. Von der ersten Minute an war klar, dass hier keine halben Sachen gemacht werden. Die Intensität, die Präzision und die permanente Bewegung auf der Bühne haben das Publikum sofort gepackt. Spätestens nach diesem Auftritt war für mich klar, dass ich mir das frisch erschienene Album genauer vornehmen muss. Untermauert wurde dies noch durch das nette Gespräch am Merchstand mit den Jungs, die mir direkt eine CD mitgaben. Diese steckt momentan in Dauerschleife im Play.

Songwriting mit Tiefe

Auffällig ist die Vielschichtigkeit des Songwritings: Trotz aller Härte bleibt Raum für Dynamik und sogar eingängige Momente. Songs wie My Thoughts oder Making Art bieten Passagen, die im Gedächtnis bleiben, ohne den kompromisslosen Grundton zu verwässern.

Der Titelsong The Anti-Exorcist bildet mit über sechs Minuten Spielzeit den Höhepunkt und Abschluss des Albums. Hier verdichtet sich alles, was Grufflo ausmacht: Härte, Struktur, Atmosphäre und ein klares Gespür für Dramaturgie. Es ist ein Finale, das nicht nur abschließt, sondern nachwirkt.

Hier! geht es für weitere Informationen zu GruffloAnti Exorcist in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Grufflo – Anti Exorcist
Fazit zu Anti Exorcist
Anti Exorcist ist ein erstes kraftvolles Ausrufezeichen der jungen Band aus Bonn. Grufflo schaffen den Spagat zwischen roher Intensität und durchdachter Komposition und liefern ein Album, das sowohl im Proberaum als auch auf der Bühne funktioniert. Wer auf modernen, technisch versierten Thrash mit Haltung steht, sollte hier dringend reinhören – denn diese Band dürfte gerade erst anfangen, richtig Fahrt aufzunehmen.

Anspieltipps: Extreme Thrash, Phobia Of The Dystopia und Anti Exorcist
Juergen S.
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