Abuser – Blood Marks

07.05.2026 – Thrash Metal – Xtreem Music – 36:11 Minuten

Thrash Metal funktioniert auch 43 Jahre nach seiner Geburt immer noch bestens. Während Death und Black Metal von der Industrie vereinnahmt und oft zu Produkten degradiert worden sind, lebt Thrash Metal in all seinen bescheidenen Facetten im Schatten seiner Zöglinge die ausgelassene Existenz eines Sonderlings. Von Schattendasein kann aber nicht gesprochen werden, wenn Newcomer wie Absuer ohne Scheu die Keule in alle Richtungen schwingen. Zehnmal hauen die Polen auf Blood Marks gehörig in die gute, alte Thrash-Kerbe.

Selbstverständlich kreieren Abuser nichts Neues, dafür gehen sie gnadenlos in die Vollen. Sie prügeln mutig drauflos, verlieren dabei hin und wieder den Rhythmus, überschlagen und verfahren sich. Kein Problem, solange das Energielevel stimmt. Und das tut es 36 Minuten lang. In ihrem Geschwindigkeitsrausch erinnert der Vierer oft an die belgischen Black Thrasher God Dethroned, nur ohne den diabolischen Mummenschanz. Mit den keifenden Vocals und der Raserei sind sie den Kollegen nicht nur ähnlich, sondern durchaus ebenbürtig.

Prügeln bis zum Tod

Die vier unermüdlichen Polen sind beileibe kein TGV oder japanischer Bullet-Train. Präzision ist nicht ihre Stärke. Sie legen eher alles in Schutt und Asche wie der Runaway Train (großartiger Film übrigens). Beim Sound machen sie auch keine Kompromisse. Wo auch immer das kleinste Loch in der Schallmauer auszumachen ist, wird direkt hindurchgeballert mit einem sägenden Riff, hämmerndem Double-Bass-Einsatz oder beißenden Shouts. Und trotzdem lassen sich die kleinen, überraschenden Dinge finden, wie zum Beispiel das entrückte Gitarrenspiel mitten im Titeltrack. 

Abuser sind zwar nicht so perfekt eingespielt und aufeinander abgestimmt, aber sie liefern konstante Power ab. Kritikpunkte, wie stumpf oder eine seelenlose Kopie zu sein, werden bei der atemberaubenden Energie nach 15 Sekunden vom Tisch gefegt. Weder Gitarren noch Bass noch Drums kommen zu kurz in diesem Inferno, das die vier Nachbarn entfachen. Dabei wissen sie, wie coole, groovige Parts funktionieren oder wie der Pit anzuheizen ist. Sie vertrauen nicht auf die 08/15-Formel „schnell, langsam, schnell“, sie haben ein Gespür für Dynamik, die mitreißt und nicht abgegriffen ist. Blood Marks ist die Synthese aus all den guten Zutaten des Thrash Metals in ausreichenden Anteilen. 

Hier geht es lang für weitere Informationen zu Abuser – Blood Marks in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Abuser – Blood Marks
Fazit zu Blood Marks
Thrash Metal wird zwar alt geredet, aber über das Teenage-Alter kommt die aggressive Spielart des Metals nicht hinaus. Und der Teenager in unseren Herzen weiß dies zu schätzen. Die 80er sind immer und ewig. Derselbe Grund, warum Punk Rock immer relevant sein wird: Es gibt so viel, worüber es notwendig ist, sich aufzuregen. Thrash Metal hilft uns dabei. In diesem Fall sind es Abuser, die ihrer Wut freien Lauf lassen. Was sie an Timing-Sicherheit vermissen lassen, machen sie durch eine knackige Performance wett. Selten kann ein Debütalbum den Nagel so auf den Kopf thrashen, wie Blood Marks. Wenn die Jungs live so abgehen wie auf Konserve, dann ist ein Konzertbesuch absolute Pflicht.

Anspieltipp: Kein Song ragt heraus, keiner fällt durch.
Kristian H.
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