Historische Klanglandschaften: „Pike Dreams“ von The Mountain King
Mit Pike Dreams legt die Mainzer Formation The Mountain King ein ebenso ambitioniertes wie ungewöhnliches Werk vor. Das Album wurde am 6. März 2026 in Eigenregie veröffentlicht und ist physisch aktuell nur in sehr kleinen Auflagen direkt über die Band erhältlich: als limitierte Kassette (10 Exemplare) sowie als limitierte CD (25 Exemplare). Beim Releasekonzert in der Kreativfabrik Wiesbaden, bei dem ich anwesend sein durfte, ließ Mastermind Eric McQueen zudem anklingen, dass möglicherweise noch eine Vinyl-Version folgen könnte. Ein ausführlicher Livebericht zum Releasekonzert erscheint in Kürze hier bei Time For Metal.
Zunächst 2014 als ein Soloprojekt von Multiinstrumentalist Eric McQueen gegründet, bestehen The Mountain King mittlerweile aus ihm, Frank Grimbarth (Gitarre, Gesang) und Robert Furbished (Synths, Programming). Ihre Mucke nennen sie Electro Stoner Doom. The Mountain King spielen eine Melange aus Stoner, Drone, Doom und Elektronikparts und ja, das schöne Wort Post darf man getrost noch hinzufügen.

Ein Konzeptalbum über Wendepunkte der Geschichte
Pike Dreams ist ein rein instrumentales Werk mit sieben Hauptstücken, die jeweils nach bedeutenden Jahren des Gregorianischen Kalenders benannt sind. Diese Jahre stehen für historische Wendepunkte: Momente, in denen politische Machtkämpfe, gesellschaftliche Umbrüche oder religiöse Konflikte die Welt nachhaltig verändert haben.
Die thematischen Bezugspunkte reichen vom Niedergang des Römischen Reiches über den englischen Bauernaufstand von 1381 und den Deutschen Bauernkrieg bis hin zur Französischen Revolution sowie den ersten Protestbewegungen des Arabischen Frühlings. Dabei verfolgt das Album keinen erzählerischen Ansatz. Vielmehr werden diese Jahre als energetische Druckpunkte betrachtet – als Momente, in denen Macht, Glaube, Gewalt und gesellschaftliche Umbrüche aufeinanderprallen und langfristige Spuren hinterlassen.
Zwischen Drone, Doom und filmischer Atmosphäre
Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Drone, Doom, Ambient und Post-Metal. Fragile Synthesizerflächen entwickeln sich langsam zu massiven Klangwänden aus schweren Gitarren und tiefen Drones. Wiederholung, Dauer und Klanggewicht stehen dabei über klassischen Songstrukturen oder eingängigen Melodien. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist das Stück 1381, dessen opulente Drone-Flächen und düstere Gitarrenmotive eine beinahe apokalyptische Stimmung erzeugen. Gleichzeitig entfaltet sich eine epische Klangarchitektur, die deutlich die Handschrift von Eric McQueen erkennen lässt.
Im Verlauf des Albums wechseln sich bedrückende, fast erdrückende Klangpassagen mit atmosphärischen Momenten ab. Dadurch entsteht ein Sound, der stellenweise cineastisch wirkt, beinahe so, als würde sich ein monumentaler Soundtrack zu den großen Umbrüchen der Menschheitsgeschichte entfalten.
Ein monumentales Werk der Reflexion
Pike Dreams wirkt wie ein langsamer Zyklus der Reflexion über zwei Jahrtausende menschlicher Geschichte. Entstanden in einer Zeit, die gleichermaßen von Überfluss und Erschöpfung geprägt scheint, beschäftigt sich das Album mit Ausdauer, Verfall und den langfristigen Folgen von Fortschritt. Statt Antworten zu liefern, verweilt die Musik bewusst in jenem Zwischenraum, in dem Gewissheiten verschwimmen und Fragen offenbleiben.
Hier! geht es für weitere Informationen zu The Mountain King – Pike Dreams in unserem Time For Metal Release-Kalender.



