Die norwegische Progressive-Ausnahmeformation Leprous veröffentlichte am 24. Oktober 2025 ihr eigentlich überfälliges Live-Album An Evening Of Atonement über InsideOutMusic. Bereits am 5. September erschien die erste Single samt Video und öffnete den Vorhang für ein monumentales Werk, das satte 21 Tracks aus der gesamten Bandhistorie umfasst. Für mich persönlich ist es eine besondere Veröffentlichung: Ich verfolge Leprous seit The Congregation (2015) und schätze ihre seltene Mischung aus progressivem Anspruch, emotionaler Tiefe und mutiger Soundästhetik, es ist eine Form musikalischer Kunst, die sich beständig weiterentwickelt und dennoch sofort erkennbar bleibt.
Aufgenommen im legendären Poppodium 013 in Tilburg, kehrte die Band 15 Jahre nach ihrem ersten Auftritt an diesen Ort für ein (für mich nun auch) legendäres Konzert zurück. Die Wahl der Location hat Symbolkraft, denn An Evening Of Atonement zeigt eindrucksvoll, wie sehr Leprous gewachsen sind.
Ein Auftakt, der sofort fesselt
Der Abend eröffnet mit Silently Walking Alone, einem atmosphärischen Start, der sofort die Stärke von Sänger Einar Solbergs Stimme hervorhebt. Seine Emotionalität, kombiniert mit beeindruckender Kontrolle, gibt dem Stück einen eigenen Charakter. Direkt im Anschluss setzt The Price einen markanten Kontrast: kantiges Riffing, eruptive Keyboards und Baard Kolstads unverwechselbare, technisch herausragende Polyrhythmik.
Vielseitigkeit stetig wachsend

Leprous nutzen die Bühne, um die gesamte Bandbreite ihrer Diskografie auszuleuchten. Like A Sunken Ship entfaltet sich in ruhigem Tempo, steigert sich beharrlich und wirkt gleichzeitig fragil und kraftvoll. Distant Bells baut behutsam Spannung auf und bricht sie in eindrucksvollen Momenten wieder auf. Mit Forced Entry liefert die Band schließlich ein zehnminütiges Statement ihrer instrumentalen Klasse: komplex, energetisch und dennoch klar strukturiert.
Das Zusammenspiel von Suhrke und Ognedal, mal verzahnt, mal kontrastreich, wirkt live besonders dynamisch. Auch Simen Børvens Basslinien bringen Gewicht und Präzision ins Klangbild. Live-Keyboarder Harrison White fügt zusätzliche Tiefe und Fläche hinzu, ohne jedoch den Sound zu überladen.
Emotionen, Fan-Nähe und große Bühnenmoment
Einer der nachhaltigsten Höhepunkte ist Faceless. Die Entscheidung, einen Fan-Chor auf die Bühne zu holen, verstärkt die emotionale Wirkung des Songs erheblich. Aber auch die für mich absolute Leprous-Hymne From The Flame und auch Passing oder The Slave zeigen, wie konsequent Leprous ihr Material weiterentwickeln, ohne den ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Die norwegische Band bewegt sich zwischen leisen, verletzlichen Momenten und kraftvollen Ausbrüchen. Diese eigene Dynamik ist eine ihrer markantesten Stärken – und live wird sie besonders spürbar.
Ein historischer Moment und ein logischer Schritt
Nach dem starken Studioalbum Melodies Of Atonement (2024) war ein hochwertiger Live-Mitschnitt nur eine Frage der Zeit. Der Abend in Tilburg bot dafür die idealen Voraussetzungen: ausverkauft, energiegeladen und mit spürbarer Verbindung zwischen Band und Publikum. Dass Leprous diesen Moment festhalten wollten, wirkt daher absolut nachvollziehbar – und die Entscheidung zahlt sich aus.
Hier geht es für weitere Informationen zu Leprous – An Evening Of Atonement (Live) in unserem Time For Metal Release-Kalender. Das neue Album von Leprous kann über InsideOutMusic vorbestellt werden.



