Crimson Glory – Chasing The Hydra

17.04.2026 – Progressive Metal, Power Metal, Modern Metal – BraveWords Records – 47:41 Minuten

Eine Band, die vor knapp 40 Jahren zwei Platten für die Ewigkeiten veröffentlichte, legt 2026 mit neuem Sänger neues Material auf den Tisch. Crimson Glory und das selbstbetitelte Debüt sowie Transcendence sind Meilensteine des progressiven US-Power-Metal. Nach Bandauflösungen und diversen Wechseln am Mikrofon formierten sich Crimson Glory 2023 neu und konnten vor allem als Live-Band mit dem Liedgut der Klassiker punkten. Nun folgt unter dem Namen Chasing The Hydra neues Material.

Crimson Glory präsentieren Chasing The Hydra mit Teilen der klassischen Bandbesetzung

Redden The Sun eröffnet die Platte als ordentlicher Stampfer. Wer jedoch die Klassikeralben von Crimson Glory kennt, dürfte sich fragen, was die Nummer für Crimson Glory qualifiziert bzw. ausmacht. Ohne den Namen Crimson Glory ist es ein ganz netter, abwechslungsreicher und moderner Metaller, der so oder so ähnlich auch von vielen anderen progressiven US-Metal-Bands kommen könnte. Der Titeltrack Chasing The Hydra legt sogar noch einen drauf und die Suche nach der Crimson-Glory-DNA beginnt.

Anfänglich klingt Broken Together etwas mehr nach Crimson Glory der 80er, wäre aber auf den beiden angesprochenen Platten kaum mehr als Füllstoff gewesen. Spätestens mit dem Übergang zum Mittelteil sind wir erneut bei Standardmaterial, wie es das Handbuch für progressiven Power Metal erklärt.

Wo ist der ehemalige Crimson-Glory-Spirit?

Der Crimson-Glory-Spirit taucht bei Angel In My Nightmare erneut auf, wobei das ruppige, fast in Richtung Core oder Modern Metal schielende Riffing mehrfach negativ auffällt. Die großen Melodien vergangener Zeiten scheinen 2026 nicht mehr das primäre Metier der Protagonisten zu sein. Auch die weiteren Nummern wie Indelible Ashes, Beyond The Unknown oder Armor Against Fate lassen immer wieder mal die Genialität früherer Crimson-Glory-Kompositionen aufblitzen. Mehr als ein Aufblitzen im modernen Riffgewitter ist es aber leider nicht.

An dem bisherigen Gesamteindruck ändert auch das Finale mit Pearls Of Dust und Triskaideka nichts. Technisch sind die Stücke gut gespielt, dürften aber die Erwartungshaltung der Crimson-Glory-Fans, die vor allem die Live-Performance der beiden Platten aus den 80ern auf z. B. dem Keep It True Rising oder dem Rock Hard Festival geweckt hat, klar und deutlich verfehlen.

Hier geht es für weitere Informationen zu Crimson Glory – Chasing The Hydra in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Crimson Glory – Chasing The Hydra
Fazit Chasing The Hydra
Würde der Name Crimson Glory nicht auf der Platte stehen, wäre eine technisch gut gemachte, in vielen Teilen aber austauschbare, Scheibe einer progressiven US-Power-Metal-Band mit modernen Einflüssen zu konstatieren. Das Problem sind der Name und die Erwartungshaltung. Gerade der neue Sänger Travis Wills konnte bei seinen Liveauftritten Akzente setzen. Auf Chasing The Hydra sind diese Akzente kaum auszumachen. Mehr als ein Durchblinzeln der alten Genialität, z. B. bei Pearls Of Dust, ist nicht vorhanden. Es fehlen die hervorstechenden Melodien früherer Großtaten, die die neue Platte aus der Masse hervorheben. Da bleiben nur Ansätze, wie z. B. beim Finale Triskaideka. Der versuchte Spagat von Crimson Glory zwischen Moderne und Historie ist nicht geglückt.

Anspieltipps: Angel In My Nightmare, Pearls Of Dust und Triskaideka
Jürgen F.
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