Band: Sólstafir
Ort: Die Trompete, Viktoriastraße 45, 44787 Bochum
Datum: 19.06.2026
Kosten: 42,00 Euro VVK, keine AK, da ausverkauft
Genre: Post Rock, Metal, Alternative Rock
Veranstalter: Doomstar Bookings, Die Trompete
Link: https://die-trompete.de/event/solstafir-live/
Intime Atmosphäre für große Emotionen
Wenn Sólstafir auf Tour gehen, erwartet das Publikum weit mehr als ein gewöhnliches Rockkonzert. Die Isländer um Frontmann Aðalbjörn Tryggvason stehen seit 1995 für einen unverwechselbaren Mix aus Post Rock, Metal, Alternative Rock und nordischer Melancholie. An diesem Freitagabend machen sie im Rahmen eines ihrer wenigen Deutschlandkonzerte Station in der ausverkauften Die Trompete in Bochum – und die kleine Club-Location erweist sich als perfekte Bühne für die eindringlichen Klangwelten der Band.
Bereits beim Betreten des Clubs ist die Vorfreude spürbar. Die Trompete bietet mit ihrer intimen Atmosphäre den idealen Rahmen für die emotionalen und gleichzeitig brachialen Kompositionen von Sólstafir. Anfangs sorgt die Klimaanlage noch für etwas Abkühlung, doch schon nach wenigen Songs wird schnell klar: Heute Abend läuft nur noch der Schweiß.

Zwischen Melancholie und Urgewalt
Für mich ist es das erste Wiedersehen mit Sólstafir seit fast zehn Jahren. Damals sah ich die Band noch in der deutlich größeren Kantine in Köln. In Bochum wirkt ihre Musik allerdings noch intensiver. Die Nähe zur Bühne verstärkt die emotionale Wirkung der Songs enorm.
Schon früh nimmt die Band das Publikum mit auf ihre musikalische Reise durch die rauen Landschaften Islands. Die Songs entfalten live ihre ganze melancholische Schönheit und sorgen für Gänsehautmomente. Songs wie Ótta entwickeln eine fast hypnotische Intensität und hüllen die Location in dichte, atmosphärische Klangwelten. Songs aus dem letzten Album Hin Helga Kvöl (2024) werden gespielt, aber natürlich dürfen auch Klassiker wie Köld nicht fehlen, die von den Fans lautstark gefeiert werden. Die Interpretation der Stücke besitzt dabei eine Intensität, die ihresgleichen sucht. Mal bauen sich monumentale Klangwände auf, dann wird es wieder beinahe zerbrechlich leise. Genau diese Dynamik macht den Reiz von Sólstafir aus.
Humor trotz Hitzeschlacht
Je länger das Konzert dauert, desto stickiger wird es im Club. Zum Fotografieren sind die Bedingungen ziemlich schwierig. Zwischen dicht gedrängten Fans und tropischen Temperaturen bleibt kaum Platz dafür. Doch für eine Band wie Sólstafir nimmt man das gerne in Kauf.
Auch auf der Bühne bleibt trotz aller Ernsthaftigkeit Platz für Humor. Bereits nach knapp einer Stunde blickt Aðalbjörn Tryggvason ins Publikum und fragt grinsend: „Is this the last song?“ Die Antwort liefert er direkt selbst: „No!“ Dieses kleine Spiel wiederholt er im Laufe des Abends noch einige Male und sorgt damit immer wieder für ein „No“ aus dem Publikum und herzhaftes Lachen.
Optisch fällt mir eine Veränderung auf: Bassist Svavar Austmann Traustason hat sich inzwischen von seinen markanten, ellenlangen roten Zöpfen, wie ich ihn noch kannte, verabschiedet. Musikalisch präsentiert sich die Band dagegen in Bestform. Jeder Ton sitzt, jede emotionale Steigerung wirkt authentisch und niemals künstlich.

Ein würdiger Abschluss
Nach etwas mehr als 90 Minuten endet das Konzert schließlich doch. Viele Besucher verlassen aufgrund der enormen Hitze die Location beinahe fluchtartig. Wir bleiben dagegen noch etwas, kommen mit den sympathischen Musikern ins Gespräch und lassen uns sogar noch einige Erinnerungsstücke signieren. Ein schöner Abschluss eines besonderen Konzertabends.
Fazit
Sólstafir beweisen in Bochum einmal mehr, warum sie seit Jahren zu den außergewöhnlichsten Bands zwischen Post Rock und Metal gehören. Die intime Atmosphäre der Die Trompete verleiht ihren ohnehin emotionalen Songs noch zusätzliche Tiefe. Wer dieses Konzert erlebt hat, bekommt keine gewöhnliche Rockshow, sondern eine intensive musikalische Reise voller Melancholie, Wucht und nordischer Magie. Ein beeindruckender Abend in der Die Trompete!

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