Vulture – Ghastly Waves & Battered Graves

Grässlich und zerschlagen

Artist: Vulture

Herkunft: Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Album: Ghastly Waves & Battered Graves

Spiellänge: 45:13 Minuten

Genre: High Speed Metal

Release: 07.06.2019

Label: Metal Blade Records

Links: https://www.facebook.com/vulturekills
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https://vulturekills.bigcartel.com,

Produktion: Marco Brinkmann (Casket, Cross Vault) – Hellforge Studio, Detmold

Bandmitglieder:

Gesang – L. Steeler
Gitarre – S. Genozider
Gitarre – M. Outlaw
Bassgitarre – A. Axetinctor
Schlagzeug – G. Deceiver

Tracklist:

  1. Fed To Sharks
  2. The Garotte
  3. B.T.B. (Beyond The Blade)
  4. Ghastly Waves & Battered Graves
  5. Dewer’s Hollow
  6. Tyrantula
  7. Stainless Glare
  8. Murderous Militia
  9. Killer On The Loose (Thin Lizzy Cover)

Da ist er nun, der zweite Longplayer von Vulture. Ghastly Waves & Battered Graves lautet das gute Stück. Schon das Debütalbum The Guillotine aus dem Jahre 2017 wusste mich zu überzeugen. Old School Speed Metal, adaptiert in die metallische Neuzeit. Das faszinierte mich vor gut zwei Jahren schon und demnach war ich sehr gespannt, was der neue Silberling an Weiterentwicklung oder Neuigkeiten mit sich bringen würde. Ghastly Waves & Battered Graves ist am 07.06.2019 über Metal Blade Records erschienen und als CD, digital sowie in erlesenen, aber limitierten Variationen auf Vinyl zu haben.

Vulture gehen auch auf dem neuen Album keine Kompromisse ein, was ihren Stil und Genreauslegung betrifft. Was vor langer Zeit schon galt, hat heute noch Bestand. Der auffallend dominante Hall auf den Vocals steht quasi über allem und verleiht den neuen Songs den alten Glanz. Tja, und dann der Speed, zu dem sich neuerdings auch eine unüberhörbare Ecke Thrash hinzugesellt hat und die zusätzliche Würze beisteuert. Der Charakter von Vulture besticht in erster Linie durch die charismatischen Vocals von L. Steeler. Jener nutzt die Bandbreite seiner Range von oben nach unten gänzlich aus und moduliert frei von der Seele. Die hohen Screams sind nicht nur markant in ihrer Ausdruckskraft, sie sorgen auch für den Wiedererkennungswert. An seinen vorhandenen Ecken und Kanten könnte man sich aber auch reiben. Wohl Geschmackssache, wie so oft.

Was auf The Guillotine noch etwas roh und ungeschliffen daherkam, klingt meinem Empfinden nach heute reifer und strukturierter. Fed To Sharks in jedem Falle wartet, wie war es anders zu erwarten, mit viel Speed und Härte auf. Das Arrangement lässt Raum für feine Soli, aber wenig Zeit zum Luftholen.

The Garotte hätte ich so von Vulture zunächst nicht erwartet. Hier ging man vom Gaspedal etwas herunter und driftet in grundsätzlich melodischere Sphären ab. Die Gitarrenarbeit breitet sich auf grundsoliden Harmonien aus, dies zeigt sich auch in den Soli. B.T.B. (Beyond The Blade) hingegen macht wieder Strecke. Weiß mit Druck, Härte, Speed und letztlich wunderschönen synchronen Gitarren zu überzeugen. Der Titeltrack Ghastly Waves & Battered Graves wirkt sehr kompakt und hält so einige instrumentale Highlights der Gitarristen parat. Trotz der sechs Minuten Spieldauer wirkt der Song zusammenhängend, kurzweilig und kommt flüssig durch die Boxen.

Dass sich das Songwriting im Gegensatz zum Vorgängeralbum deutlich weiterentwickelt hat, zeigt Dewer’s Hollow. Die Grundstrukturen des Arrangements sind in sich logischer, letztlich die Vocals können diesem Ansatz nicht gänzlich folgen, wie ich finde. Auch in Tyrantula vermisse ich ein wenig den Tritt in den Hintern. Instrumental ist das durchaus anspruchsvoll, über die allgemeine Gefälligkeit hinweg kommt der Song allerdings nicht. Ganz anders verhält es sich da bei Stainless Glare, die Riffs am Angang bauen richtig Spannung und Stimmung auf. Die auf dem Album ohnehin zahlreich vertretenen akzentuierten Drums laufen hier auf Hochtouren. Auch die Vocals fügen sich wieder besser ins Arrangement ein. In Teilen zwar weniger Speed, dafür mehr Experimentierfreudigkeit und steter Wille, den Gitarren weiter freien Lauf zu lassen.

Der für mich stärkste Song auf dem Album vereint das, was man wohl als musikalischen Flow bezeichnen dürfte. Murderous Militia kommt einem vollendeten Guss gleich. Bombastische Gitarren zu Anfang und dann alles auf Vollgas, ohne dabei Struktur einbüßen zu müssen. Spielfreude ist hier Programm. Der Song geht dermaßen vorwärts, dass beinahe der Blick aufs Ganze abhandenkommt. Ähnliche Ergüsse hörte man seinerzeit auch auf Kill ’Em All.

Vulture schließen ihren mit neun Tracks ausgestatteten zweiten Longplayer mit einem Thin Lizzy Cover. Killer On The Loose, so die Band selbst, ist dem Umstand geschuldet, dass es sich eben um einen super Track einer ihrer Lieblingsbands handelt. Vulture setzen dem lediglich ihren Stempel drauf.

Fazit
Das zweite Album der Westfalen darf sicher als Weiterentwicklung zu The Guillotine bezeichnet werden. Wenn Vulture ihrem Stil auch in der Zukunft treu bleiben und bereit sind, Grenzen dennoch auszutesten, so dürften kommende Alben womöglich innovativer und abwechslungsreicher werden. Man darf da insgesamt gespannt sein. Liebhaber des Genres werden mit diesem Album hingegen jede Menge Spaß haben.

Anspieltipps: The Garotte, Stainless Glare und Murderous Militia
Peter H.7.7
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