
1983 fanden die Monsters Of Rock Festivals auch erstmals in Deutschland mit insgesamt 69.000 Besuchern an drei Tagen in Dortmund, Kaiserslautern und Nürnberg statt. Das Programm unterschied sich in den Städten, doch insgesamt standen folgende Acts auf der Bühne: Meat Loaf, Krokus, Survivor, Twisted Sister, Motörhead, Saxon, Thin Lizzy, Blue Öyster Cult und Whitesnake.
1984 gab es zwei Festivaltage in Karlsruhe und Nürnberg, die von insgesamt 95.000 Rockfans besucht wurden. Es spielten: Mötley Crüe, Accept, Gary Moore, Ozzy Osbourne, Dio, Van Halen und AC/DC.
1986 besuchten insgesamt 80.000 Metalheads die beiden Festivals in Nürnberg und Mannheim. Es spielten folgende Bands: Warlock, Bon Jovi, MSG, Def Leppard, Ozzy Osbourne und die Scorpions.
1987 fanden ebenfalls zwei Festivals vor insgesamt 100.000 Besuchern in Pforzheim und Nürnberg statt. Die Bands: Pretty Maids, Helloween, Cinderella, Ratt, Metallica, Dio und Deep Purple.

Der erste Festival-Tag am 27. August 1988 sollte in die Geschichte eingehen und schaffte es sogar in die ARD Tagesschau, obwohl Heavy Metal in den öffentlich Rechtlichen eigentlich gar nicht stattfindet. Die Nachrichten lenkten die Aufmerksamkeit von ganz Deutschland und noch darüber hinaus auf Schweinfurt. 40.000 Metaller sorgten auf den Schweinfurter Mainwiesen für ordentlich Stimmung, doch leider nicht nur dort, sondern auch schon am Vorabend des Festivals in der unterfränkischen Stadt. Für die Presse war es ein gefundenes Fressen, sie berichteten von Heavy Metal Monstern, von schweren Alkohol- und Drogenexzessen, von schweren Ausschreitungen durch Hunderte langhaarige Fans, von extrem gewaltbereiten Jugendlichen, von Sodom und Gomorrha (und Babel obendrein) und von Mord und Totschlag beim größten deutschen Heavy Metal Festival.

Aber nein, Iron Maiden wurden tatsächlich erwähnt, sogar in der Titelzeile: „Tote in Schweinfurt bei Heavy Metal Festival! Headiner Iron Maiden erwägten ihren Auftritt abzusagen. Nur durch das Einschreiten starker Polizeikräfte konnte das Festival doch noch am nächsten Tag stattfinden.“ Es dauerte nicht lange, bis sich die Toten von Schweinfurt als Falschmeldung der Medien herausstellten. Beim englischen Mutter-Festival im Castle Donington wurden zwei Fans während des Guns n’ Roses Auftritts in der Menge erdrückt, und die Toten aus England sind nun fälschlicherweise in die Berichterstattung von Schweinfurt gerutscht …, kann ja mal passieren. Fake-News!
Die Bild-Zeitung titelte: „40.000 gewaltbereite Rocker belagern Schweinfurt.“ Man hatte gut recherchiert, denn weiter hieß es: „Um 1300 überfiel der Bischof von Würzburg die Stadt, 1554 zerstörten Soldaten des Markgrafen von Brandenburg das schöne Schweinfurt. Gestern schließlich überfielen 40.000 Rocker die 50.000 Einwohner große Stadt.“ Hat man der Bild glauben wollen, so war Schweinfurt die Hölle auf Erden.

Stattdessen hätte man die Verantwortlichen im Schweinfurter Rathaus zur Verantwortung ziehen sollen, aber die waren mit der Ausrichtung eines solchen Events ja völlig unerfahren und überfordert und deshalb nicht Schuld an den Geschehnissen. Mit solch einem Ansturm hatte wohl auch niemand gerechnet, aber war es in den Jahren zuvor etwa anders? Unterkünfte für Tausende von Metalfreaks wären nicht schlecht gewesen, dann hätten Fans, die bereits am Vortag angereist sind, ihre Zelte nicht in fremden Vorgärten und auf Verkehrsinseln in der Stadt aufschlagen müssen. Oder auch eine Evakuierung der ortsansässigen Bürger hätten die Verantwortlichen in Betracht ziehen müssen, denn viele fühlten sich allein vom Anblick der langhaarigen, lauten Fans belästigt und bedroht. Das Wacken Open Air gab es damals ja leider noch nicht, sonst hätte man sich dort in Schleswig Holstein einiges über den Umgang mit Metalfans abgucken können. Ein paar Getränkestände an der Straße hätte sicherlich das Plündern der Tankstellen verhindern können. Es hätte für Gastronomen das Geschäft ihres Lebens werden können, stattdessen wurde Kuttenträgern der Zutritt zu Kneipen verboten. Auch am nächsten Morgen gab es in den örtlichen Gaststätten für die Vandalen in Nieten und Leder nichts zu trinken, sodass erneut Tankstellen geplündert werden mussten, um sich mit ausreichend Büchsen-Bier einzudecken. Statt sich auf die Invasion der feierwütigen Metaller vorzubereiten, wurden die Wochen davor besser genutzt, um vor den Teufelsanbetern des Heavy Metal zu warnen und Angst zu schüren. Die CSU warf der Stadt damals grobe Fahrlässigkeit vor.
Fälschlicherweise wurde später behauptet, dass diese Stimmung absichtlich provoziert wurde, damit in Zukunft im Freistaat Bayern kein weiteres Monsters Of Rock mehr stattfinden kann.
Auch das Festivalgelände auf den Mainwiesen stellte sich im Nachhinein als ungeeignet heraus. Die schmale Mainwiese direkt am Fluss, wo Massen an Fans über Stunden durch ein Nadelöhr hineinströmten, konnten die ganz Eiligen nach dem Ende vom Iron Maiden Gig nicht alle gleichzeitig das Gelände verlassen. Nicht wenige versuchten, die rutschige Böschung hoch zur Straße zu kommen, anstatt den offiziellen Ausgang, das Nadelöhr, zu nutzen. Reihenweise purzelten sie zurück auf das Festivalgelände und sorgten so zwar nicht für ein Sodom und Gomorrha, aber für ein völlig sinnfreies Chaos. Danke für nichts!
Das Festival selber ging am Samstag völlig ruhig und störungsfrei vonstatten, und weder Tod noch Teufel waren zu Gast. Dass es damit für die Monsters Of Rock Festivals in Deutschland gewesen ist, ahnte an diesem Wochenende noch niemand, doch was erwarten wir, die Gutmenschen müssen schließlich vor Heavy Metal Monstern geschützt werden. In Schweinfurt fand nie wieder ein kulturelles Ereignis dieser Größenordnung statt und auch andere Stadtverwaltungen wollten es nicht mehr wagen, ein Monsters Of Rock zu veranstalten.
Wider Erwarten wurden die Horden an Fans beim Schwester-Festival am nächsten Tag nicht schon am Hauptbahnhof Bochum von groß aufgestellten Anti-Terror-Einheiten in Empfang genommen. Die Bereitschaftspolizei blieb genauso entspannt wie die über 20.000 Besucher und auch auf dem Festivalgelände an der Castroper Straße wurde nur friedlich gefeiert.
32 Jahre ist die Apokalypse von Schweinfurt mittlerweile her. 1989 wurde das Monsters ersatzlos gestrichen und 1990 und 1992 wurde das Kind dann Superrock benannt. Einzig 1991 gab es noch einmal ein Monsters Of Rock in Deutschland, welches gleich in sieben deutschen Metropolen stattfand, doch die Spielregeln hatten sich verändert. Die Magie des Eintagesfestivals war verflogen – das MOR gestorben. 1988 fand das letzte klassische Monsters statt und dieses ging in die Geschichte ein. Und die Tickets für diesen Spaß kosteten gerade einmal 44,- Deutsche Mark. Monsters Of Rock 1988 ist noch immer Kult, weil die Bands klasse waren und die Fans größtenteils friedlich und gesittet. R.I.P.!!!


