Blossom Cult – Closure (EP)

Verzweiflung kann durchaus auch motivieren

Artist: Blossom Cult

Herkunft: Ruhrgebiet, Deutschland

Album: Closure

Spiellänge: 26:25 Minuten

Genre: Progressive Rock, Progressive Metal

Release: 11.09.2020

Label: VVA Digital Creative Group

Links: https://www.blossomcult.com/
https://www.facebook.com/blossomcult/
https://twitter.com/blossomcult
https://www.instagram.com/blossomcult/

Produktion: Art Design von Nath Hera

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre, Keyboards – János Romualdo Krusenbaum
Gitarre, Gesang – Max Krüger
Bassgitarre – Alexander Dachwitz
Schlagzeug – Christoph Jordan

Tracklist:

  1. Beginning (Intro)
  2. Atlas
  3. Burn
  4. My Sickness
  5. Burden
  6. Cotard Delusion
  7. Same Old Song
  8. Road To Home (Outro)

Eine neue Blüte auf den Wiesen der progressiven Musik. Ist das so? Nun, folgt man den Worten der Bandgründer János Romualdo Krusenbaum und Max Krüger, so müsste man davon ausgehen. Blossom Cult sind offenbar der legitime Nachfolger des Prog Rock Outlet Seeking Raven, die bereits sieben Jahre unter der Leitung der beiden Herren standen.

Deshalb stellt sich die Frage, warum das eine Projekt beendet und das andere begonnen wurde. Die Recherche ergab, dass sich die Initiatoren aktuell sehr kritisch mit der gegenwärtigen Entwicklung unserer Gesellschaft auseinandersetzen, auch politisch, und dies eben dazu geführt hat, dass Blossom Cult eine geeignete Plattform ist, die sozialkritische Betrachtung ferner auch musikalisch und vor allem lyrisch zu verarbeiten. Wie gesagt, hauptverantwortlich hierfür zeigen sich János und Max. Unterstützt und komplettiert werden Blossom Cult durch Alexander Dachwitz und Christoph Jordan.

Die Debüt-EP Closure beinhaltet auf 26 Minuten acht Tracks, die ein Intro (Beginning) und auch ein Outro (Road To Home) inkludieren. Insofern gehen wir hier von sechs reinen vollwertigen Tracks aus, die ich hier gerne näher beleuchten will.

Atlas bleibt dabei relativ schnell hängen. Diese Nummer sticht durch zwei wesentliche Merkmale heraus. Dies sind die sich abwechselnden Vocals von János und Max, vorgetragen im Cleangesang und den sehr aggressiv modulierten Erwiderungen hierzu in den Strophen. Der Refrain glänz mit Tiefgang und jeder Menge Emotion. Die gesamte Harmonie im Songwriting, die teils sehr harten Gitarren und die Keyboards ergeben eine vollkommen runde und unaufgeregte Komposition, die noch lange nachhallt. Es geht in gewissen Sequenzen gar in Richtung Metalcore und verleiht dem Song etwas Besonderes.

Wesentlich getragener, irgendwie psychedelisch und sentimental anmutend kommt Burn hier total gegensätzlich rüber. Überwiegend offene Chords tragen die Strophen und den Refrain, der abermals die lyrische Auseinandersetzung widerspiegelt. Atmosphäre kennzeichnet diesen Song. Die eingesetzten technischen Gimmicks verpassen dieser progressiven Rocknummer dabei den modernen Anstrich. Die inne liegende Ernsthaftigkeit nehme ich den Jungs komplett ab.

My Sickness wartet unterdessen mit Wut und Ausdruck auf. Der Song beginnt beinahe unspektakulär und gleitet dann recht schnell in erneut dem Metalcore zugewandte Strukturen ab. Die Dynamik ist beeindruckend und steigert sich von Sekunde zu Sekunde. Am Höhepunkt angelangt, wird der Hörer dann jäh seiner Erwartung beraubt, denn die folgende Bridge nimmt jeglichen Druck, nicht aber die Message raus. Der Refrain kredenzt mir dann das, was mir vorgenannt vorenthalten wurde. Aggression, Gefühl und Botschaft geben sich hier nahtlos die Klinke in die Hand. Auch die Keyboardsequenzen sorgen nicht nur für Opulenz, sie setzen kleine spitze Nadelstiche. Für mich beinahe die stärkste Nummer dieser EP.

Noch verspielter, zerfahrener und abstrakter geht Burden zu Werke. Da schwingt zudem eine Industrial Note mit. Die Gitarren strotzen vor Kraft und technischer Versiertheit. Warum einfach, wenn es auch vertrackt geht? Das ist in diesem Falle ein positives Merkmal. Es ist zwar nicht ganz einfach, den roten Faden in der Hand zu halten, aber der Song gelangt nach mehrmaligem Hören am Ende zu einer in sich logischen Komposition, die an Ideenreichtum und Abwechslung kaum zu überbieten ist. Auch die Vocals bieten einen extrem ausgedehnten Facettenreichtum.

Cotard Delusion bricht aus der bisherigen Herangehensweise an das Songwriting erneut aus. Klingt anfangs sogar sanftmütig bis balladesk. Die Jungs geben sich und den Lyrics gebührenden Freiraum. Die Klavierklänge stützen die Rhythmik. Das psychedelische Moment kommt sehr gediegen zur Geltung. Zum Ende hin nimmt Cotard Delusion richtig fahrt auf und die Dynamik sucht hier ihresgleichen.

Mit Same Old Song fordern mich Blossom Cult komplett heraus. Slap-Bass, ebenso unruhige Drums und eine Songstruktur, die zwar die technischen Fähigkeiten der Musiker aufblitzen lässt, leider aber zerfahren und demnach zu aufgewühlt wirkt. Nichts für einfachere Gemüter.

Blossom Cult – Closure (EP)
Fazit
Ein sehr gelungenes Debüt, welches meiner Ansicht nach aber auch für Diskussionen sorgen könnte. Die EP Closure fördert eine Unmenge an unterschiedlichen musikalischen Facetten zutage. Blossom Cult sind entfesselt und lassen sich weder einem Genre direkt zuordnen, noch kann man diese Musik wirklich fassen. Eines steht für mich jedoch fest, Blossom Cult verwirklichen sich hier zu 100 %. Mich spricht die Geschichte vollkommen an. Mal sehen, wie es für diese Band weiter geht. Behalte ich in jedem Falle im Auge. Join the Blossom Cult, wer sich hierdurch angesprochen fühlt.

Anspieltipps: Atlas, My Sickness und Cotard Delusion
Peter H.
8.3
Leser Bewertung4 Bewertungen
9.6
8.3
Punkte
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