“Dass ich das noch erleben darf…!“
Artist: Svyatogor
Album: Doctor Veritas
Spiellänge: 51:45
Genre: Black Metal
Release: 07.05.2012
Label: Svarga Music
Link: http://www.myspace.com/svyatogorband
Bandmitglieder:
Gitarre, Violine – Master Alafern
Gitarre, Gesang – Arius
Bass – Duk
Schlagzeug – Amorth I.M.
Tracklist:
- In Memory of Fallen Heroes
- Word Hard. Eat. Watch.
- The Manifesto
- Doctor Veritas
- Nor Fire, Nor Sword
- Awoke Incoming (Antarctic Solitude
- Spit And Forgert
- Inevitability
- La Concupiscence
- Reincarnation of Thoughts
Svyatogor aus dem schönen Ukraine existieren mittlerweile seit 13 Jahren und haben in dieser Zeit, das aktuelle Album mit eingerechnet, drei Alben veröffentlicht. Mir war die Band bisher unbekannt. Warum nur? Es ärgert mich, diesen Mix aus so Vielem bisher nicht gehört zu haben. Dabei fing alles so unscheinbar an.
Denn der Opener In Memory Of Fallen Heroes ist gut mit seinen fiesen kreischenden Gitarren (wirkt stellenweise echt gruselig), aber wer befürchtet, dass sich die Band auf einer guten Idee ausruht, könnte falscher nicht liegen! Andere Bands würden dieses Lied immer wieder in leicht veränderter Version auflegen, aber Svyatogor setzen schon mit dem zweiten Lied, Word hard. Eat. Watch., ein Zeichen gegen Monotonie und eröffnen mit einem Dreivierteltakt. Wie lange habe ich darauf gewartet!!! Black Metal im 3/4 Takt ist mir so lange verwehrt geblieben und die Jungens machen es dann auch so dermaßen geil, dass man sich fragt, warum so viele Bands auf den „normalen“ 4/4 Takt setzen. Das Lied wird zwar ab der Hälfte etwas sperrig, weil der Sänger anfängt, wie bei einem Liveauftritt ins Lied reinzurufen, aber der Schnitzer sei der Band erlaubt.
Denn sie hat noch so vieles zu bieten! Gruselige Sologitarren und abwechslungsreiche Taktarten reichen ja nicht aus, weshalb die Band in The Manifesto mit einem Rammstein ähnlichen Riff anfängt. Der massiv keifende Gesang passt wunderbar dazu und auch dieses Lied könnte als Grundlage für ein ganzes Album dienen. Aber Svyatogor haben noch nicht genug an kompositorischer und spielerischer Stärke gezeigt, deshalb ist das Titellied Doctor Veritas, wer hätte es gedacht, mal wieder etwas komplett Anderes. Mit fast schon romantischen Semiakustikgitarren und etwas gedrosseltem Tempo ist das Lied das bisher langsamste. Schon hier merkt man, dass das Album den Titel „Album“ wirklich wert ist, da die Lieder so genial aufeinander abgestimmt sind, wie man es nur selten hört.
Auch an Instrumenten spart die Band nicht. So wird Doctor Veritas durch ein Saxophonsolo (!), begleitet von Bass und Schlagzeug, zum Ende geführt, das dann mit den schon genannten Semiakustikgitarren beendet wird. Und wer hätte es nicht erwartet, auch Nor Fire, Nor Sword wartet mit neuen Elementen auf. Das Lied ist eher der Industrial-Richtung zuzurechnen, weshalb eine Einordnung dieser Band eigentlich nicht möglich ist. In diesem Lied darf der Gitarrist zeigen, was er draufhat, und ein schönes Solo raushauen.
Die zweite Hälfte beginnt mit Awoke Incoming und mir bleibt nichts anderes übrig, als auch diesem Song gesondert Tribut zu zollen. Diesmal wird kein Stilwechsel durchzogen, sondern an Nor Fire, Nor Sword angeknüpft, was sich ebenfalls als geniale Idee entpuppt. Dieses Lied ist das bisher gradlinigste, was zur Abwechslung von der Abwechslung sehr angenehm ist, um sich erst einmal zu sortieren. Spaß macht der Song aber trotzdem.
Spit And Forget ist für mich der Anwärter auf eine Singleauskoppelung. Mit (gefälschten?) Fangeräuschen und Industrialriffs beginnt dieses Lied und schmeißt dann mit Ohrwurmriffs um sich, weiterhin begleitet vom unverkennbar fiesem Gekeife von Arius, unfassbar passenden Soli und Tempowechseln. Der definitiv eingängigste Song der Scheibe.
Bleiben nur noch drei Lieder, bald habt ihr es geschafft. Inevitability setzt anfangs ebenfalls auf Elektrosounds (der Klang einer sich öffnenden Lucke ist zu hören) und führt Triolen ein, worauf die gesamte MetalCore-Szene setzt (ihr wisst, schon, Breakdowns, wobei die Triolen nicht für einen Breakdown missbraucht werden, sondern nur als Brücke). Der Ausklang erfolgt durch gehallte Gitarren, flüsternden Gesang und ein langsames Solo, bevor Ka Cincupiscence mit der Romantik von Doctor Veritas eingeleitet wird: schnuckelige Gitarren, geredeter Gesang und das Saxophon machen den Auftakt, bevor ein Leadgitarren basiertes Lied seinen Lauf nimmt. Ausnahmsweise nimmt man auch mal einen Ausflug in eine andere Sprache vor, um auch hier Abwechslungsfähigkeit zeigen zu können. Genial, auch wenn ich kein Wort verstehe. Das Ende dies Liedes ähnelt dem Anfang, allerdings redet diesmal auch eine Frau, bevor es dann mit dem Finale, Reincarnation of Thoughts, weitergeht.
Mit diesem Lied erwartet uns nochmal ein langes, über sechs Minuten dauerndes Lied, welches – wer hätte es gedacht – auch nicht daran denkt, langweilig zu werden und auch noch das ein oder andere unbenutzte Stilmittel nutzt und das Album würdig zu einem Ende bringt, nämlich mit einem lachenden Sänger und einem fröhlichen Saxophon.


