Mystic Circle – Kriegsgötter MMXXV

Symbiose aus Vergangenheit und Gegenwart - Songs zwischen Hommage und Eigenständigkeit

Artist: Mystic Circle

Herkunft: Deutschland

Album: Kriegsgötter MMXXV

Genre: Black Metal

Spiellänge: 47:29 Minuten

Release: 06.06.2025

Label: ROAR! / Rock of Angels Records

Links: https://www.facebook.com/MysticCircleOfficial

Bandmitglieder:

Vocals, Gitarren, Bass, Keyboards – Beelzebub
Drums, Gitarren, Keyboards – A. Blackwar

 Tracklist:

1. One Rode To Asa Bay (Bathory-Cover)
2. Die Götter Der Urväter
3. Azazel’s Soulfly
4. Cry Little Sister (The Lost Boys-Soundtrack)
5. Afraid To Shoot Strangers (Iron Maiden-Cover)
6. Death Metal (Possessed-Cover)
7. Acheron (Medley)
8. Circle Of The Tyrants (Celtic Frost-Cover)

Mein erster Kontakt mit Mystic Circle reicht zurück in die späten 90er, als ich über das Album Drachenblut stolperte. Besonders der Song Dragonslayer war es, der mich damals sofort in seinen Bann zog: melodisch, aggressiv, hymnisch – eine perfekte Mischung, die mich als Fan direkt abholte und dafür sorgte, dass ich die Band über die folgenden Jahre intensiv verfolgte. Rückblickend war das der Startpunkt einer Reise mit einer Formation, die wie kaum eine andere für den deutschen Black Metal der 90er steht.

Gegründet 1992 von Beelzebub (Marc Zimmer) und A. Blackwar (Sven Meesters), entwickelten sich Mystic Circle schnell zum Teil der Speerspitze des deutschen Black Metals. Mit Alben wie Infernal Satanic Verses (2000) eroberten sie nicht nur die heimische Szene, sondern setzten auch international Akzente. Doch kurz nach Veröffentlichung der EP Kriegsgötter II (2000) kam es zum Bruch – die ursprüngliche Magie verlosch. Erst 2020 folgte das unerwartete, aber triumphale Comeback in Originalbesetzung. Mit den beiden starken Alben Mystic Circle (2022) und Erzdämon (2023) zeigten sie, dass das Feuer immer noch lodert.

2025 nun schließt sich der Kreis: Mit Kriegsgötter MMXXV erscheint eine erweiterte und neu interpretierte Version jener sagenumwobenen EP. Produziert von Gerhard Magin und Nils Lesser, versehen mit einem Artwork von Thor und fotografisch eingefangen von Niddhoeggr Keitelson, ist das Album nicht nur eine Reminiszenz an die Vergangenheit, sondern auch ein Statement im Hier und Jetzt.

Das von Thor gestaltete Artwork zu Kriegsgötter MMXXV ist nicht einfach nur ein visuelles Beiwerk, sondern ein zentrales Element der Veröffentlichung. Besonders gelungen ist die Balance zwischen klassischer Black-Metal-Optik und einem modernen, detailreichen Malstil, der dem Cover eine zusätzliche Qualität verleiht. Schon das Betrachten des Covers wirkt wie das Öffnen eines Tores – hinein in die Welt von Mystic Circle.

Das Album eröffnet mit One Rode To Asa Bay einer epischen Bathory-Neuinterpretation, die von Beelzebubs harschen Vocals und der unverwechselbaren Stimme von Sarah Jezebel Deva getragen wird. Eine Hommage voller Respekt und zugleich eine neue, düstere Vision.

Mit Die Götter Der Urväter folgt einer der größten Klassiker der Bandgeschichte in neuem, frischem Gewand: aggressiv, treibend, mitreißend. Für Fans (auch gerade der früheren Jahre) ein Gänsehautmoment, der sofort an die der 90er erinnert.

Azazel’s Soulfly bleibt ein experimentelles, instrumentales Zwischenspiel, das atmosphärisch stark, aber eher für Szenekenner interessant ist. Umso spannender dagegen das düstere Cry Little Sister (The Lost Boys-Soundtrack), das durch das Feature von Karo Hafke (Umbra Et Imago) eine wirklich albtraumhafte Gothic-Note erhält.

Ein für mich absolutes Highlight stellt das Iron Maiden-Cover Afraid To Shoot Strangers dar. 25 Jahre nach der ersten Idee endlich umgesetzt, bringen Mystic Circle dem Klassiker eine neue Tiefe – die Kombination aus Beelzebubs Growls und Sarah Jezebel Devas Sopran verleiht dem Stück eine majestätische Schwere, die das Original beinahe übertrifft.

Auch Death Metal (Possessed) wird mit brutaler Energie umgesetzt – eine Verneigung vor den Genrevätern, ohne den Song zu verwässern. Das Acheron (Medley) wiederum ist ein wuchtiger Tribut an eine unterschätzte Kultband und zeigt, wo ein Teil der Mystic-Circle-DNA wurzelt.

Abgerundet wird das Album mit dem Celtic Frost-Klassiker Circle Of The Tyrants, kompromisslos, roh und eine der besten Coverversionen, die Mystic Circle je veröffentlicht haben.

Die Produktion des Albums ist klar, druckvoll und modern – ohne die Kälte und Schroffheit des Black Metals unnötig zu glätten. Gerade die Kontraste zwischen harschen Vocals und den Gastsängerinnen schaffen eine Atmosphäre, die sowohl Nostalgie als auch Innovation transportiert.

Mystic Circle – Kriegsgötter MMXXV
Fazit
Kriegsgötter MMXXV ist keine simple Neuauflage, sondern ein starkes Gesamtkunstwerk. Musik, Produktion und Artwork greifen perfekt ineinander und schaffen eine Symbiose aus Vergangenheit und Gegenwart. Mystic Circle ehren die Wurzeln des Black und Death Metals, ohne sich im bloßen Kopieren zu verlieren.

Ein Album, das durch seine musikalische Kraft ebenso überzeugt wie durch sein eindrucksvolles Cover – und Mystic Circle endgültig als eine der wichtigsten deutschen Black-Metal-Bands bestätigt.

Anspieltipps: One Rode To Asa Bay, Cry Little Sister und Afraid To Shoot Strangers
Dave S.
9
Leserbewertung3 Bewertungen
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