Torgeir Waldemar / The Devil And The Almighty Blues, Colos-Saal Aschaffenburg 2024 Pic by Big Simonski

Interview mit Torgeir Waldemar (German Version)

„Ich habe mich immer an Musik orientiert, die mit einfachen Elementen direkt zum Herzen spricht.“

Artist: Torgeir Waldemar

Herkunft: Oslo, Norwegen

Genre: Americana, Country, Folk, Singer/Songwriter

Link: https://www.facebook.com/torgeirwaldemar

Torgeir Waldemar / Juergen S., Aschaffenburg 2024

Als großer Fan von The Devil And The Almighty Blues (DATAB) wurde ich gefragt, ob ich denn nicht einmal eine Review zum neuen Soloalbum Mercy (hier) von deren Gitarristen Torgeir Waldemar machen möchte. Das habe ich gerne getan und konnte so etwas in die musikalische Welt des Singer/Songwriters Torgeir Waldemar eintauchen. Nachdem ich die Band vor kurzem noch einmal in Aschaffenburg live gesehen habe (hier), hatte ich nun die Gelegenheit, mit ihm ein Interview zu führen.

Time For Metal / Juergen S.:
Hallo Torgeir, schön, mit dir ein Interview machen zu können. Bis vor kurzem kannte ich dich persönlich „nur“ als Gitarristen von The Devil And The Almighty Blues. Wieso hat man in Deutschland noch nicht so viel von deinen Soloaktivitäten gehört? In deinem Heimatland schaut das wohl anders aus, oder?

Torgeir Waldemar:
Hallo. Ich denke, die Antwort darauf hat etwas damit zu tun, dass DATAB hauptsächlich in der Stonerszene bekannt sind. Und diese Szene lebt gewissermaßen ihr eigenes Leben innerhalb dieser Gemeinschaft.

Time For Metal / Juergen S.:
Seit wann machst du solo unter deinem Namen Musik?

Torgeir Waldemar:
Meine erste Veröffentlichung habe ich 2012 gemacht, es war eine EP mit drei Titeln unter dem Namen Take Me Home. Mein erstes Album erschien 2014. Mit dem Schreiben von Songs begann ich jedoch, als ich in meinen Zwanzigern anfing, in Bands zu spielen. In diesem Fall kam ich ziemlich spät zur Party.

Time For Metal / Juergen S.:
Als Solokünstler machst du ja ganz andere Musik als mit deiner Band The Devil And The Almighty Blues. Ich würde mal sagen: Heavy Stoner Blues / Rock versus Americana, Singer-Songwriter. Wieso kommt es dazu? Irgendein Ausgleich für dich?

Torgeir Waldemar:
Für mich sind es zwei Seiten derselben Sache. Ich bin mit Geige aufgewachsen und habe mich dann natürlich viel mit klassischer Musik und verschiedenen Arten von Volksmusik beschäftigt. Ich habe immer viel Rock ’n‘ Roll gehört. Als ich aufwuchs, waren meine Lieblingsbands AC/DC, Creedence Clearwater Revival, Lynyrd Skynyrd und etwas später Dire Straits. Viele verschiedene Einflüsse, die in der Tradition von Blues und Country miteinander verschmelzen. Aber der Fokus lag immer auf der Qualität der Songs, und darum geht es mir. Es gibt nur zwei Arten von Musik: gut und nicht gut genug. Ich denke, wenn man weiß, wonach man suchen muss, kann man die Spuren vieler verschiedener Einflüsse sowohl in DATAB als auch in meinen eigenen Songs verfolgen.

Torgeir Waldemar / The Devil And The Almighty Blues, Colos-Saal Aschaffenburg 2024
Pic by Big Simonski

Time For Metal / Juergen S.:
Als ich mich auf das Review zu deinem neuen Album Mercy eingelassen habe, wusste ich noch nicht, worauf ich mich einlasse. Arne, der die Promo für das Album machte, fragte mich so: „Magst du ein Review zu dem neuen Album von Torgeir Waldemar, dem Gitarristen von The Devil And The Almighty Blues machen? Ist ja vielleicht nicht so ganz deine Musik, aber sehr interessant und hat was.“ Ich habe mich dann darauf eingelassen, weil ich in der Musik sowieso total „Open Minded“ bin und habe ihm gleich Merci für diesen Tipp gesagt. Er hat recht, denn das Album ist sehr interessant und hat was. Ich hoffe, das spiegelt sich auch in meinem Review! Hast du es gelesen? Ich hatte dir in Aschaffenburg gesagt, dass ich was dazu mache.

Torgeir Waldemar:
Ja, ich habe es gelesen, danke für all die netten Worte! Wirklich geschätzt. Wenn dir das gefällt, schaue dir doch bitte auch meine vorherigen Alben an. Ich wette, auch für dich ist etwas dabei.

Time For Metal / Juergen S.:
Mercy ist aus meiner Sicht ein recht intimes Album. Wie ist es entstanden? Wie lange hast du für die Titel auf dem Album gebraucht?

Torgeir Waldemar:
Wie im Promo für das Album gesagt, hatte ich die Vision für ein Doppelalbum, nachdem ich 2017 No Offending Borders gemacht hatte. Ich wollte das Format meiner Arbeit wirklich erweitern, also war die ursprüngliche Idee, eines mit großen Arrangements und mit der Band zu machen und eines völlig alleine. Als ich über Brian Wilsons Lied Love And Mercy aus dem Jahr 1987 stolperte, verstand ich sofort, dass die Titel Love und Mercy lauten mussten, denn der Text in diesem Lied war genau das, worauf ich mich konzentrieren wollte. Das gesamte Cover wurde 2019 erstellt, es handelte sich also um einen langfristigen Plan. Aber ich hatte damals noch keinen der Songs für Mercy fertig, der erste war Dover und wir haben ihn 2022 als Single veröffentlicht. Während der Pandemie ist viel Mist passiert und es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich zusammengerafft hatte und wieder in der Lage war, etwas zu schreiben. Aber ich hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie die Thematik aussehen sollte, und wie bei all meinem Songwriting hatte ich eine Menge musikalischer Ideen im Umlauf.

Time For Metal / Juergen S.:
Beim Vorgängeralbum Love hattest du eine Menge an Musikern um dich versammelt, um es aufzunehmen / zu produzieren. Auf Mercy hast du dich nur mit Michael Barret Donovan (Geige und Hintergrundgesang) hingesetzt und es wurde rein akustisch und ohne Overdubs von deinem Kumpel Anders Mølller aufgenommen. Erzähle doch bitte mal von den Aufnahmen. Hört sich echt nach einer spannenden Geschichte an!

Torgeir Waldemar:
Ja, das war es. Die Idee war, so weit wie möglich von der Art und Weise wegzukommen, wie wir Love gemacht haben. Und am Ende ist es nur ein Tonbandgerät mit ¼-Zoll-Band und nur zwei Kanälen. Die ursprüngliche Idee war, alles alleine zu machen, aber dann lernte ich Michael kennen und mir wurde plötzlich klar, dass er ein Teil davon sein musste. Er ist brillant in dem, was er tut, sowohl musikalisch als auch textlich. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, die Texte richtig hinzubekommen. Da ich kein gebürtiger Amerikaner bin, ist es ein großer Vorteil, jemanden zu haben, der Englisch als Muttersprache spricht. Und er versteht auch die musikalische Seite, damit die Texte richtig klingen.

Ich habe immer gedacht, dass Musik besser und interessanter wird, wenn man mit anderen zusammenarbeitet, solange man die gleiche Vision teilt. Das war bei Anders in all den Jahren, in denen wir zusammengearbeitet haben, der Fall und das ist auch bei Michael der Fall. Es ist einfach, dass ich Musik als Sprache definiere, wie jede andere Sprache auch, Monologe sind auf lange Sicht irgendwie langweilig.

Ich wollte unbedingt die Magie und den Nervenkitzel einfangen, die bei der Aufnahme im Raum herrschen. Es ist etwas Besonderes. Und heutzutage tappt man so leicht in die Falle, Dinge perfekt zu machen, weil man die Werkzeuge dazu hat. Aber dann verlierst du auf dem Weg dorthin die Magie. Aber wenn man es so macht, muss man natürlich auch die Fehler akzeptieren, die passieren. Und das tun sie, die Alben sind voll davon, aber das ist der springende Punkt. Musik sollte Menschen widerspiegeln, und Menschen sind nicht perfekt.

Torgeir Waldemar / The Devil And The Almighty Blues, Schlachthof Wiesbaden 2022
Pic by Big Simonski

Time For Metal / Juergen S.:
Kennt ihr drei (du, Michael Barrett und Anders Mølller) euch schön länger? Gab es schon gemeinsame Projekte vorher?

Torgeir Waldemar:
Dies war das erste Mal, dass wir alle drei was zusammen machten. Ich habe mit Michael und Vilde Bye an dem Album gearbeitet, das ich Anfang des Jahres gemacht habe, wir haben alle Streicharrangements für diese Platte zusammen gemacht. Schaue dir das Album an, sie ist eine wirklich talentierte Singer/Songwriterin aus Tromsø, Norwegen. Vor ein paar Wochen erschien ihr Debütalbum (Anmerkung: Colder), das ich produziert habe.

Time For Metal / Juergen S.:
Live bist du ja wohl auch solo unterwegs. Wird es demnächst eine Mercy-Tour (vielleicht auch als extended Version mit weiteren Solonummern) von dir geben? Ich würde dich echt gerne mal solo live erleben. Ich habe gesehen, da gibt es auch einen Livemitschnitt von dir. Live At The Opera (Oslo) von 2022. Solche Sachen, solche Locations finde ich persönlich immer sehr superb. Wenn du mal was in der Art „Live At Festspiele Bayreuth“ oder Ähnliches machen würdest, wäre ich sofort dabei. Also bitte vorher Bescheid geben. Bei einer „normalen“ Tour aber natürlich auch!

Torgeir Waldemar:
Ja, das wird es geben. Ich habe plötzlich eine deutsche Booking-Agentur und hoffe, dass es irgendwann im nächsten Jahr einige deutsche Shows geben wird. Ob es solo/duo oder mit einer Band sein soll, hängt nur vom Budget ab. Ich habe diesen Herbst einige niederländische und belgische Shows.

Time For Metal / Juergen S.:
Wäre es auch mal eine Idee, als Support vor The Devil And The Almighty Blues aufzutreten, oder wäre das zu anstrengend? Oder meinst du, das passt nicht?

Torgeir Waldemar:
Wenn das Setting und die Umstände stimmen, könnte das eine Idee sein. Aber es ist nicht ideal.

Time For Metal / Juergen S.:
Woher kommt deine Liebe zu Americana, Singer/Songwriter? Optisch zeigst du das aus meiner Sicht auch in deiner Kleidung und Auftreten. Der Hut steht dir toll. Ich mag selbst auch Kopfbedeckungen und habe ein paar Hüte zu Hause.

Torgeir Waldemar:
Ich habe mich immer an Musik orientiert, die mit einfachen Elementen direkt zum Herzen spricht. Als ich damals die Country-Musik oder Americana, oder wie man es nennt, entdeckte, sprach sie mich auf eine Weise an, wie es in meinen früheren Tagen einfacher Bluesrock getan hatte. Ein Album, das mir wichtig war, war das Nebenprojekt The Notting Hillbillies, das Mark Knopfler (Dire Straits) 1991 machte. Ich habe es nie als Country-Musik betrachtet, es war einfach eine wirklich gute Platte. Und dann begann Johnny Cash, die Alben von American Recordings aufzunehmen. Und ich habe Neil Young gefunden. Und ich habe Gram Parsons gefunden, und dann habe ich Townes Van Zandt gefunden. Und Gillian Welch. Und Gene Clark. Und John Prine. Und es wird nicht besser. Bob Dylan ist natürlich schon immer dabei, eine der ersten Platten von Dylan, auf die ich mich wirklich eingelassen habe, war Oh Mercy (!) aus dem Jahr 1987. Das ist eine starke Platte!

Time For Metal / Juergen S.:
Wie viel Zeit bleibt dir neben deinem Soloprojekt noch für The Devil And The Almighty Blues, oder umgekehrt: Wie viel Zeit bleibt dir neben der Band The Devil And The Almighty Blues noch für dein Soloprojekt?

Torgeir Waldemar:
DATAB war für mich schon immer ein Nebenprojekt, mein Hauptaugenmerk lag auf meiner Solokarriere, und daran arbeite ich ständig. In Norwegen steht das alles auf dem Kopf, ich bin vor allem für meine Arbeit als Einzelkünstler bekannt. So ist es derzeit. Abgesehen davon ist es einfach ein Segen, auf verschiedenen Seiten Karriere machen zu können. Und alle anderen bei DATAB haben auch andere Projekte, die ziemlich gut laufen. Und wie gesagt, ich arbeite auch mit anderen Künstlern als Produzent und Studiotechniker zusammen, also mache ich viele verschiedene Dinge.

Time For Metal / Juergen S.:
Wie lange müssen die Fans noch auf Fire von The Devil And The Almighty Blues warten. Tre ist ja schon einige Zeit her. Bei Fire fände ich auch die Doppeldeutigkeit des Wortes (englisch: Feuer, norwegisch: vier) genial. Lasst uns bitte nicht zu lange auf Fire warten. Ich gehe doch davon aus, dass das der Titel des neuen The Devil And The Almighty Blues Album sein wird!?

Torgeir Waldemar:
Wir arbeiten daran, es so schnell wie möglich zusammenzustellen. Aber ich habe leider keine Termine. Wenn es um den Titel geht, würde ich mein Geld nicht auf das Offensichtliche setzen, hehe. Aber wer weiß.

Time For Metal / Juergen S.:
Zum Schluss hast du noch die Möglichkeit, etwas zu sagen, was bisher nicht angesprochen wurde. Du kannst natürlich Opa und Oma grüßen oder auch was zum Wind, Wetter und Schafsleben im Allgemeinen (german humor J) von dir geben. Herzlichen Dank, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder!

Torgeir Waldemar:
Die Großeltern sind schon vor vielen Jahren weg, und das Wetter ändert sich, ob wir es wollen oder nicht. Pass auf dich auf und sei zu anderen so, wie du möchtest, dass sie zu dir sind. Prost, wir sehen uns unterwegs!

Torgeir Waldemar / The Devil And The Almighty Blues, Desertfest Berlin 2019, Pic by Big Simonski