Event: Rock ob’e Hütt
Bands: Gratiswand, Wasteland Wankers, Bastards ’n‘ Bitch, 2 Dirty Dudes, AK, MotiFF, L.A.U.T., Area 51
Ort: Privatgelände, Kropp, Schleswig-Holstein
Datum: 07.06.2025
Kosten: 20,- Euro inklusive aller Gebühren
Zuschauer: etwa 350 (grob geschätzt)
Genre: Rock, Hardrock, Rock Cover
Veranstalter: Hauke Drews
Link: https://rohfestival.de/
Setlisten:
- L4
- American Idiot
- Last Resort
- Can’t Stop
- Bombtrack
- Bro Hymn
- Californication
- Everlong
- Killing In The Name
- Schrei Nach Liebe
Zugabe: - Denkmal
- The Sin
- Crescent Island
- Better Than This
- Light Me Up
- Troublemaker
- Leave It All Behind
- Whatever
Zugabe: - Get What You Want
- Mit Äußerster Kraft
- Träume
- Profi
- Anfang
- T.N.T.
- Jetzt Und Hier
- Worte
- Was Willst Du Noch?
- Das Muss Man Machen
- Live Wire
- Held
- Geht Weg!
- Feuerschutz
- 21. Century Digital Boy
Zugabe: - Rock ’n‘ Roll Damnation
- Make My Day
- Heading For The Weekend
- I Like It
- Salvation
- Everyday Love
- Run For Cover
- Divided Country
- Swallow
- Rock ’n‘ Roll Stage Queen
- Home
Zugabe: - Old School Rock
- New Divide
- All The Small Things
- Bad Moon Rising
- Tage Wie Diese
- Whiskey In The Jar
- Word Up
- Kryptonite
- Westerland
- Sexy
- Cordula Grün
- Seven Nation Army
- Basket Case
- Auf Gute Freunde
- Learn To Fly
- Meine Sache
- Skandal Im Sperrbezirk
- Country Roads
- Whatever You Want
- Lithium
- Mexiko
- König Von Deutschland
- Hier Kommt Alex
- Kompliment
- 51 Tigers
- Pfefferminz
- Creep
Zugabe: - Rebel Yell
- Komplett Im Arsch
- Sorry, Nicht vorhanden

Schleswig-Holstein Festivalland. Kaum eine Gemeinde, in der nicht einmal im Jahr ein Festival stattfindet. Seit 2015, mit Ausnahme der Pandemiezeit, findet dieses kleine, nahezu private Newcomerfestival am Pfingstsamstag in der Nähe von Kropp zum achten Male statt. Das Eventgelände ist beim Veranstalter Hauke Drews im Garten und als Bühne wurde früher die Dachterrasse auf der Holzhütte genutzt. So ist der Name Rock ob’e Hütt entstanden, der auch noch blieb, als die Bühne nach der Pandemie auf die ebene Erde zurückgeholt wurde. International zu sehen war das Feld nebenan. Hier drehten Thundermother im September 2020 ihr Video zum Song Into The Mud.
Bereits am Vorabend findet eine Warm-up-Party im kleinen Rahmen statt. Mit Gratiswand aus Kiel sowie den Lokalmatadoren Wasteland Wankers aus Kropp wird das Gelände bei einem Hutkonzert schon einmal getestet. Der Ticketpreis von 20 € ist schon seit Jahren konstant günstig. Für das leibliche Wohl sorgen die Gebrüder Räucherlich mit ihrer Imbissbude und der örtliche Sportverein TSV Kropp mit dem Getränkestand. Hier ist alles lokal tief verwurzelt. Obwohl es noch leicht regnet, bin ich pünktlich zum Einlass um 15:00 Uhr vor Ort. Der Beginn der Konzerte ist erst ab 17:00 Uhr vorgesehen. Es haben sich viele Bekannte angekündigt, mit denen ich genug Zeit zum Quatschen haben möchte, bevor die Musik die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Die jüngste Band des Festivals kommt aus Flensburg. Sie nennen sich L.A.U.T. (Abkürzung für Loud And Ugly Teens) und sind erst 14 und 15 Jahre alt. Johann Beccard, Vitus Dahl, Milan Heine und Philipp Neumüller haben sich in ihrer Schulband kennengelernt und spielen seit 2021 zusammen. Eigene Titel haben sie noch nicht, sie covern sich durch die Rock- und Metalgeschichte. Darunter sind anspruchsvolle Songs von Rage Against The Machine, Green Day oder Red Hot Chili Peppers. Zum Schluss zielen sie dann mit zwei deutschen Songs auf Party. Die Songs der Die Ärzte und zur Zugabe von Wir Sind Helden werden lautstark vom Publikum mitgesungen. Zur Förderung der Jugendlichen geht noch einmal der Hut herum. Nach dem Flensburger Punk Meets Metal im vergangenen Jahr absolvierten sie heute ihr zweites Festival mit Bravour.

Die Bitch Jusi mit ihren drei Bastards Robert Kabeck (Gitarre), Lasse (Drums) und Peter (Bass) aus dem Idstedter Underground sind mit einem ganz speziellen Heavy Metal angekündigt. Erst seit 2023 aktiv, haben sie schon mehrfache Festivalerfahrung sammeln können. Jusi mischt in ihren Cleargesang immer wieder bemerkenswerte Growleinlagen ein. Zufall? Ihr einziges Cover ist Whatever von Thundermother, die hier ja, wie schon erwähnt, ihre eigene Geschichte geschrieben haben.

Die 2 Dirty Dudes aus Lübeck treten nicht auf der Hauptbühne auf, sie sind die musikalische Unterhaltung abseits der Bühne in einer kleinen „Musikbox“. Dicht gedrängt mit ihren Instrumenten ist da kaum noch Platz. Die beiden haben die undankbare Aufgabe, in den nachfolgenden drei Umbaupausen die Festivalgäste zu unterhalten. Sie bringen Rock-Klassiker, die es akustisch eher selten zu hören gibt, in ihrer ganz eigenen Interpretation auf die Bühne. Stets mit einem Schuss Humor und reichlich Rock ’n‘ Roll, vermischen sie auch schon mal Schlager (Udo Jürgens) mit Rock ’n‘ Roll (Bon Jovi). Das Publikum ist zwiegespalten. Die einen machen die Party mit, die anderen bezeichnen die beiden als „Pausenclowns“. Da sollte man doch schon die Contenance bewahren und akzeptieren, was die beiden da für das Publikum bieten. Einfach Bier holen und Schnauze halten, Jungs! In ihrem Repertoire finden sich Songs von AC/DC, Bon Jovi, Billie Idol, Edguy, Iron Maiden, Judas Priest, Kiss, Motörhead, Status Quo bis ZZ Top. Aber auch Sunrise Avenue, Rodgau Monotones, Neil Diamond und Jonny Cash gehören dazu.

AK steht hier an der Küste für Äusserste Kraft. Genau das bringen die Kieler Kim Thomsen (Gesang, Gitarre), Ole Holm (Gitarre), Stefan Ikert (Bass) und normalerweise Stephan Suckow (Schlagzeug) auf die Bühne. An den Drums sitzt heute Markus Kühn, den die Kieler sonst mit den Plastic Skanksters auf der Bühne gesehen haben. Er hat sich das Repertoire der Band innerhalb weniger Wochen angeeignet und liefert mit der Band eine energiegeladene Show ab. Beeinflusst durch AC/DC, kombinieren AK harte Riffs mit scharfzüngigen Texten und bringen ihre Songs mit Spielfreude auf die Bühne. Natürlich streuen sie auch ein paar Cover ihrer Vorbilder in das Programm ein. Dies unterstreicht nur ihr Können, denn die Songs hätten auch aus ihrer Feder sein können. Sie schaffen ihre Setliste nicht. Zwei Songs, Hand Drauf und Tritt In Die Eier, fallen dem gnadenlosen Zeitplan zum Opfer. Nach dem Auftritt stehen die Vier vor der Bühne und klappen ihren Merchkoffer auf. CDs und Shirts finden reißenden Absatz.

„Hardrock aus Angeln“ steht in der Ankündigung. Schon fast Understatement, denn das Quintett aus dem Angeliter Land an der Ostsee nahe Flensburg, macht richtig Druck vom ersten Song an. Harter, treibender Rock ’n‘ Roll vom Feinsten, mit einer Frauenrockröhre in Gestalt von Dani Bahnsen am Mikrofon. Zusammen mit Patrick Hansen (Rhythmusgitarre), Thomas Kruse (Lead-Gitarre), Marc Wehrlein (Bass) und Stefan Teusch (Schlagzeug) brennt die Band, die erst seit drei Jahren existiert, ein wahres Feuerwerk ab. Vor fünf Tagen, am 02.06.2025, erschien nach einer Sechs-Song-EP ihr Debütalbum Heading For The Weekend. Die Songs des Albums bestimmen heute die Setliste. Dass die Band Erfolg hat und bisher auch ohne Album einen hohen Bekanntheitsgrad erzielt hat, liest sich schon an der Festivalliste der letzten zwei Jahre. Bis auf Wacken gehörten alle großen und bekannten Festivals in Schleswig-Holstein dazu. Ob Baltic, Angeliter, Ankerground, Fahrdorf, Haby, Sörup oder Schleswig, der Ruf schallt laut voraus. Ihre Videos I Like It, Divided Country und Shut Up Mr. Know It All bei YouTube erreichen hohe Klickzahlen und ein Pressekollege bezeichnete MotiFF als „neue Kultband des Nordens„.

Area 51 ist die Geschwaderband des TaktLwG 51“I“, besser bekannt unter dem Namen Luftwaffengeschwader 51 aus Jagel. Die Band wurde 2019 nach dem Motto “von Soldaten für Soldaten“ gegründet und wurde für Feiern innerhalb des Verbandes gebucht. Aktuell besteht die Band aus fünf Soldaten, inklusive zweier Gründungsmitglieder. Gitarrist Patrick Hansen hat nun einen Doppeljob, stand er doch gerade schon mit MotiFF auf der Bühne. Aufgrund dienstlicher Veränderungen musste die Besetzung mehrmals gewechselt werden. „Wir covern nicht – wir spielen nach“ ist das Bandmotto. So wird der eine oder andere Klassiker der Musikgeschichte anders interpretiert oder mit Instrumenten bestückt, die im Original nicht vorhanden sind. Hierbei ist den Jungs das Genre total egal. Gespielt wird, was Spaß und Party macht. Ob Neue Deutsche Welle (Skandal Im Sperrbezirk) oder Punk-Klassiker (Hier Kommt Alex) der Toten Hosen, ob Status Quo, Rio Reiser oder Billy Idol bis hin zu ihrer eigenen Geschwaderhymne (51 Tigers) ist das Repertoire scheinbar endlos. Marius Müller-Westernhagen, Green Day, Papa Roach, Linkin Park bis Metallica, es ist alles bunt gemischt. Die Band darf spielen, bis Open End. Nach dem Josh-Cover Cordula Grün verabschiede ich mich, neun kurzweilige Stunden hinterlassen bei einem alten Mann seine Spuren.
Alle kompletten Setlisten könnt ihr euch oben abrufen. Das Wetter hielt nach anfänglichen „Angsttropfen“ dann doch stand. Die Veranstalter mehrerer Open Airs der Region waren eingeladen, sodass man sich untereinander austauschen konnte. Günstige Preise, nette Leute, gute Musik und ein friedvoller Umgang miteinander machen diesen Abend zu einem rundum schönen Festivalerlebnis. Es gibt freies Parken auch für Wohnmobile und Wohnwagen auf der anderen Straßenseite. Ein befestigter und ebener Untergrund macht das Festival auch für Rollifahrer erlebbar. Einzig das WC ist nicht behindertengerecht. Es ist nahezu an alles gedacht, was es auch bei großen Festivals gibt. Als Souvenir muss das Festivalband genügen, denn aufgrund der geringen Größe lohnt ein Merch natürlich nicht. Es ist ein „Wie für mich gemacht“-Festival, denn neben der ausgezeichneten Auswahl an Bands ist es die Regionalität, die den Abend so angenehm macht. Man kennt sich – oder lernt sich kennen. Der Pfingstsamstag 2026 ist jedenfalls schon einmal geblockt!
























