Artist: RPWL
Herkunft: Freising, Deutschland
Album: World Through My Eyes – Revisited – 20th Anniversary Version
Spiellänge: 69:41 Minuten
Genre: Progressive Rock, Art Rock
Release: 15.08.2025
Label: Gentle Art Of Music
Format: CD, Vinyl, Digital
Link: RPWL
Bandmitglieder:
Gesang, Keyboards – Yogi Lang
Gitarre – Kalle Wallner
Bass – Stephan Ebener
Schlagzeug – Manni Müller
Tracklist:
- Sleep
- Start The Fire
- Everything Was Not Enough
- Roses
- Three Lights
- Sea Nature
- Day On My Pillow
- World Through My Eyes
- Wasted Land
- Bound To Reach The End
Im Jahr 2005 erschien das vierte Album der Freisinger Art-Rock-Band RPWL. Nach drei erfolgreichen Alben wie Trying To Kiss The Sun, Stock und God Has Failed denken die beiden musikalischen Köpfe Lang und Wallner über eine Neuausrichtung nach. Neue Inspirationen wurden schnell gefunden, auch wenn sie dafür in die Ferne schweifen. Fernöstliche Elemente wurden implementiert und das gesamte Album bekam eine neue Sichtweise, eine einzigartige Welt aus der Sicht von RPWL. Dazu kam die fortschreitende Digitalisierung, die ja bis heute anhält, mit neuer Aufnahmetechnik. Außerdem wurden indische Instrumente und Gesang in Neu-Delhi aufgenommen und fanden Einzug in einige Songs. Mit World Through My Eyes schaffen es RPWL, (nach den Nachnamen der Gründungsmitglieder Risetto, Postel, Wallner und Lang benannt), sich von dem Pink-Floyd-Coverband-Image endgültig zu lösen. Trotzdem sind bis heute Elemente der Ur-Prog-Rock-Väter von Pink Floyd nicht von der Hand zu weisen. Dazu gehören der Gesang von Yogi Lang, der bisweilen an David Gilmour erinnert, sowie das Gitarrenspiel von Kalle Wallner. Das 20-jährige Jubiläum von RPWLs erster Platte God Has Failed fiel noch der Pandemie zum Opfer, aber mit dem 20-jährigen von World Through My Eyes wird nun ein neues Jubiläum gefeiert. Dazu gibt es eine Neuauflage der Platte, die damals noch neben der herkömmlichen CD-Variante auch im SA-CD-Surround-Sound aufgenommen wurde, wird sie diesmal im Dolby-Surround-Sound neu abgemischt, und erfährt dadurch eine deutliche Soundsteigerung. Erstmals gibt es die Scheibe auch als Doppelvinyl, was dem audiophilen Hörer sicherlich gefallen wird.
Die mit dieser Scheibe neue Experimentierfreudigkeit ist bereits deutlich beim ersten Song Sleep zu hören. Orientalische Klänge, Sitar und Trommeln eröffnen den über sieben Minuten langen Track. Eine leicht verfremdete Stimme von Yogi Lang und das ausdrucksstarke Gitarrenspiel von Kalle Wallner dominieren an dieser Stelle und zeigen die neue Marschrichtung auf. Wer so wie ich bis heute RPWL treu geblieben ist, wird sich bereits hier bewusst, dass sich das Duo Wallner Lang einfach musikalisch versteht und auch nach Jahrzehnten nicht langweilig wird, sondern von der Kreativität lebt. Start The Fire als zweiter Song weicht etwas von der orientalischen Schiene ab, zeigt aber die neue Ausrichtung deutlich. Die Langschen Synthi-Ausflüge bestimmen an vielen Stellen den Sound und dominieren. Nach dem klavierbetonten Everything Was Not Enough kommt der Track, der eigentlich bei jedem Konzert auf der Setlist, meist bei der Zugabe, zu finden ist. Roses, damals noch von dem gerade bei Genesis ausgestiegenen Ray Wilson eingesungen, ist wohl das bekannteste Stück von RPWL. Wer sich die Mühe machen möchte, sollte sich einfach mal den Auftritt für den WDR-Rockpalast in der Harmonie in Bonn zu Gemüte führen. Legendär.
Auch der Rest der Platte, die es immerhin auf eine Spielzeit von fast 70 Minuten bringt, kann sich hören lassen. Sei es das mit akustischer Gitarre begleitete Three Lights, das sich im zweiten Teil zu einem Crescendo aus Synthesizer-Klängen und verträumtem Gitarrensolo entwickelt. Aber auch härtere Parts wie im Sea Nature kommen zur Geltung. Diesmal dominiert die Gitarre, auch wenn es immer wieder die Synthesizer-Tupfer gibt, die so typisch für diese Phase sind. Nach Day On My Pillow folgt der Titelsong World Through My Eyes, der mal wieder leicht orientalisch angehaucht ist. Soundkollagen eröffnen den gut zehn Minuten langen Song, bei dem wieder fernöstliche Instrumente zum Einsatz kommen. Auch Kalle darf sich hier noch mal gitarrenseitig profilieren, wobei die Keyboardsession aber meist noch dominanter ist. Mit dem Song werden das ganze Schaffen und Können der Freisinger Band deutlich und bereits damals deutete sich eine große, mindestens nationale Karriere an. Es folgen noch Wasted Land und das abschließende Bound To Reach The End mit einem der unverwechselbaren Soli von Kalle Wallner, bei denen man oftmals an die Soli von David Gilmour erinnert wird. Und das ist nicht negativ gemeint, sondern ganz im Gegenteil. Bereits vor 20 Jahren hatte der Kalle das drauf und das steigert sich bis heute kontinuierlich.
Die Neuausgabe kommt in diversen Ausführungen daher. Eine Limited Edition mit Blu-ray und CD sowie der Doppelvinyl, die ich bereits geordert habe. Außerdem geht die Band auf Tour, um die 20 Jahre World Through My Eyes würdig zu feiern. Leider ist kein Termin dabei, an dem ich hinkönnte. Schade, es lohnt sich immer, und die Herren sind nach der Show immer vor Ort und stehen Autogrammen, Bildern oder auch nur einem Gespräch offen gegenüber.




