Irgendwann kommen sie alle wieder, und das ist auch gut so. Der Kater lässt das Mausern nicht. Internal Decay fingen 1987 als Misery an, änderten den Namen 1988 in Critical State, dann, 1989, in Subliminal Fear, bis man sich dann endgültig 1991 eben den Namen Internal Decay gab. Aber nicht sehr lange, denn 1994 war auch Feierabend, zumindest vorläufig. In der Zeit war man aber fleißig und brachte ein Demo und das Full Length A Forgotten Dream heraus. Die Burschen stammen zwar aus Stockholm, sind aber vom typischen HM2-Death-Metal weit entfernt. Mit drei Originalmembern vollzog man im Jahre 2023 die Reunion und nun gibt es neues Material in Form einer EP namens Fires Of The Forgotten via Hammerheart Records.
Mit Fires Of The Forgotten (Dance Upon Your Grief) startet man die drei Songs starke Veröffentlichung und versucht von Anfang an, den Spirit und die Ideen der alten Tage wieder aufleben zu lassen, so als ob nicht dreißig Jahre ins Land gezogen wären. Und im Grunde gelingt es ihnen auch, denn die Stimmung der frühen Schaffensphase wird durchaus wieder zum Vorschein gebracht. Und so legt man recht unbekümmert und wütend los. Es drückt an allen Ecken. Der Sound ist sehr kraftvoll. Eine doomige Wand, kombiniert mit deathigen Klängen, kommt auf einen zugeflogen. Klingt alles energisch, da man auch im Midtempo und mit tiefen und dreckigen Vocals agiert. Kurzerhand wird man dann sehr episch und verwendet auch cleane Vocals, um dann in einen melodischen Death Metal zu wechseln. Aus diesem agiert man wieder episch und mit cleanem Stilmittel versehen, agiert man im Doom-Tempo weiter. Die Gitarren drücken dann umso mehr. Alles sehr dynamisch, energiegeladen und stimmungsvoll und für einen nebeligen Herbstabend am Kamin durchaus zu empfehlen. Hat einen depressiven Touch und dieser steht ja der melancholischen Art dieser Musikrichtung gut ins Gesicht. Wie schon geschrieben, drückt der Sound ordentlich und erzeugt dadurch eben diese gewisse düstere Grundstimmung. Man wechselt immer irgendwie zwischen doomigen Death-Metal-Passagen und folkigem Viking Metal hin und her. Melodie und Härte geben sich hier die Klinke in die Hand. Der Song kann mich durchaus überzeugen und mitnehmen, ohne jetzt aber ein unbedingtes Highlight darzustellen. Kann man sich aber echt gut geben und hat eben etwas von der Atmosphäre der Neunziger-Doom-Death-Bands.
Leider geht diese kurze Unterhaltung nicht so gut weiter, wie sie begonnen hat, so viel vorweg. Hat der Opener mich noch überzeugt, fliegen die beiden Songs A Demon’s Bow und Dying Wish an mir vorbei. Ersterer beginnt zwar mit einem Klavier sehr dramatisch, setzt dann aggressiv und bösartig ein und erzeugt eine gewisse drückende Stimmung aus Doom und Death. Der lange Rhythmus wird erst einmal beibehalten und um einen melodischen Part ergänzt, um dann in einen Refrainpart zu wechseln, der spurlos an mir vorbeigeht. Im Hintergrund agieren Backing-Vocals, die ich aber nicht so richtig wahrnehmen kann. Das Riffing fruchtet irgendwie auch nicht. Es soll eine dramatische Stimmung erzeugt werden, welche sich aber nicht durchsetzt. Die melancholisch angehauchte Melodie kommt zwar ganz gut, kann aber den Eindruck vom Song nicht verbessern. Das ist jetzt auch nicht absoluter Mist, aber es erzeugt bei mir überhaupt keine Emotionen. Meines Erachtens ist der Song auch zu lang, aber das ist ja eh ein grundsätzliches Problem von mir. Da kann die Band nichts dafür.
So ist es auch beim letzten Song Dying Wish. Langsam und zermürbend startet man, die Vocals setzen ein und man kriecht kurz um die Wette. Das langsame Tempo hält man bei und liefert ein doch recht einfaches, aber durchaus gelungenes Riff dazu ab. Dann driftet man wieder in die melancholische Schiene ab und haut eine gute, düstere Melodie heraus. Okay, klingt ganz gut. Man wechselt ins Midtempo und bleibt melodisch. Kommt ganz gut, aber irgendwie auch nicht wirklich überzeugend, aber definitiv besser als der Vorgängersong. Man bewegt sich hier mehr im Death-Metal-Gewässer und dieses gefällt mir persönlich besser. Das Solo aber zum Beispiel geht dann wieder spurlos an mir vorbei. Danach arbeitet man wieder mit Backing-Vocals. Das ist handwerklich alles gut gemacht, aber so richtig werde ich nicht mitgenommen. Der Song ist schon gut, aber mehr eben auch nicht.
Am besten selber mal reinhören, sofern man auf Doom, Death, Epik und Melodie abfährt.
Hier geht es für weitere Informationen zu Internal Decay – Fires Of The Forgotten (EP) in unserem Time For Metal Release-Kalender.



