Im Jahr 2020 bin ich erstmals auf die deutsche Band Maladie gestoßen – rückblickend beinahe ein medizinischer Notfall. Denn hätte ich ihre EP Symptoms II damals in unserem Promopool übersehen, hätte mich das wohl im wahrsten Sinne des Wortes krank gemacht. Dieses Werk war ein faszinierender Ausnahmezustand zwischen Wahnsinn und Genialität und brannte sich mit seinem avantgardistischen Sound tief ins Gedächtnis ein. Danach verlor ich die Band im Veröffentlichungsdschungel allerdings etwas aus den Augen – bis Ende 2025 schließlich Symptoms V bei mir landete. Nun, nur wenige Monate später, steht mit The Dance Of Tragedies bereits das nächste Werk in den Startlöchern. Das Album erscheint am 28. Mai 2026 über Apostasy Records auf CD.
Plague Metal als eigenes Klanguniversum zwischen Wahnsinn und Genialität
Maladie selbst beschreiben ihren Stil treffend als „Plague Metal“ – eine Wortschöpfung, die perfekt zum Bandnamen passt, denn Maladie bedeutet übersetzt „Krankheit“. Musikalisch basiert der Sound zwar auf avantgardistischem Black Metal, doch die Band denkt glücklicherweise nicht in engen Genregrenzen. Progressive Rock-Strukturen treffen auf jazzige Elemente, chaotische Ausbrüche auf atmosphärische Ruhephasen. Besonders prägend ist dabei erneut der Einsatz des Saxofons von Hauke Peters, das den Songs eine eigenwillige, oft beinahe hypnotische Tiefe verleiht.
Zwischen Eingängigkeit und Kontrollverlust
Auch auf The Dance Of Tragedies bleiben Maladie unverkennbar sie selbst: kreativ, herausfordernd, kompromisslos und schlichtweg krankhaft geil. Die ersten beiden Songs Vortex Of Monotony und Behind The Suns wirken für Maladie-Verhältnisse fast schon eingängig und überraschend harmonisch. Gerade Behind The Suns erinnert stellenweise eher an einen klassischen Prog-Rock-Track als an extremen Metal. Mit Too Old To Die ziehen dann deutlich mehr Hardcore- und Plague-Elemente ein. Die Strukturen werden sperriger, das Tempo unberechenbarer und die zahlreichen Richtungswechsel sorgen für jene nervöse Spannung, die Maladie so besonders macht.
Der über elfminütige Unknowable fällt dagegen etwas ab. Der Song zieht sich stellenweise spürbar in die Länge und wirkt trotz seiner Komplexität überraschend monoton. Da darf man sich durchaus fragen, ob das noch Plague Metal ist – oder bereits experimenteller Selbstzweck.
Der Tanz beginnt
Danach findet die Band jedoch eindrucksvoll zurück in die Spur. Der Titeltrack The Dance Of Tragedies entfaltet genau jene düstere, groteske Tanzstimmung, die der Albumtitel verspricht, während Embrace Our Curse mitreißend und energiegeladen nach vorne prescht. Am Ende stehen die beiden Tracks von On Inaccessible Paths. Beide Stücke beginnen ruhig, entwickeln sich dann zu typisch intensiven Maladie-Kompositionen und verklingen schließlich wieder in melancholischer Atmosphäre. Vor allem in Part 2 sorgt das Saxofon im Intro und Outro für ein echtes Highlight und unterstreicht die außergewöhnliche Klangwelt dieser Band.
Hier! geht es für weitere Informationen zu Maladie – The Dance Of Tragedies in unserem Time For Metal Release-Kalender.



